Inflation, Kriegsfolgen, Klimakrise: Werden wir alle ärmer?

Presseclub 15.05.2022 56:55 Min. UT Verfügbar bis 15.05.2023 Das Erste

Inflation, Kriegsfolgen, Klimakrise: Werden wir alle ärmer?

Brot, Gemüse, Energie: Die Ausgaben dafür gehen richtig ins Geld. Vor allem die Einfuhrpreise für Getreide erreichen seit dem Beginn des Ukrainekrieges immer neue Höhen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, auch nicht bei den Energiepreisen. Niemand weiß, ob nicht schon bald ein russischer Gaslieferstopp kommt und die Unternehmen ins Straucheln bringt. Und die sind ja schon wegen der notwendigen Abkehr von fossilen Brennstoffen als Folge des Klimawandels belastet. Im April kletterte die Inflation mit 7,4 Prozent auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung, Tendenz steigend. Darunter leiden vor allem die Menschen, die sowieso kaum Geld in der Tasche haben. Aber es frisst auch die Einkommen der Arbeitnehmer auf. Heimlicher Gewinner: der Staat, wie die neueste Steuerschätzung offenbart. Die hohen Preise spülen in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich 220 Milliarden Euro in die Staatskasse und das trotz gesunkener Wachstumsprognosen. Alles also doch nicht so schlimm?

Finanzminister Lindner hatte die Bürger davor gewarnt, dass der Krieg uns alle ärmer machen würde. Trotzdem: Für neue Begehrlichkeiten sieht er keinen Spielraum, stattdessen will er ab 2023 die Schuldenbremse wieder einhalten und die Unternehmen entlasten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Ampel hat gerade erst einen Nachtragshaushalt in Höhe von 40 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, um die Belastungen für die Verbraucher zu dämpfen. Reicht das? Profitieren davon die Richtigen? Kann der Staat überhaupt auf Dauer die zu erwartenden Mehrbelastungen für die Bürger ausgleichen, woran wir uns seit der Finanz- und Coronakrise gewöhnt haben? Die Unsicherheiten sind riesig: Die Weltwirtschaft stottert pandemiebedingt immer noch, was die exportgesteuerte deutsche Wirtschaft stark unter Druck setzt. Heißt das für uns: Die fetten Jahre sind vorbei?

Stand: 13.05.2022, 17:44 Uhr