Beatmung von Covid-19 Patienten: Spiel mit dem Feuer?

MONITOR vom 30.04.2020

Beatmung von Covid-19 Patienten: Spiel mit dem Feuer?

Kommentieren [32]

Bericht: Jochen Taßler, Jan Schmitt

Beatmung von Covid-19 Patienten: Spiel mit dem Feuer? Monitor 30.04.2020 07:34 Min. UT Verfügbar bis 30.04.2099 Das Erste Von Jochen Taßler, Jan Schmitt

Kommentare zum Thema, weiterführende Links und der Beitragstext als PDF

Georg Restle: „Die wirtschaftlichen Folgen und die Fragen um Lockerungen, all das prägt die Debatten um Corona zurzeit. Dagegen gerät zunehmend aus dem Blick, womit wir es hier eigentlich zu tun haben, das Leiden der Kranken auf den Intensivstationen. Dabei sollten wir da sehr genau hinschauen. Denn je länger die Corona-Krise dauert, umso mehr kommen scheinbare Gewissheiten ins Wanken. Zum Beispiel die, dass schwerkranke Covid-19-Patienten vornehmlich durch invasive Beatmung gerettet werden könnten. Mittlerweile mehren sich allerdings Stimmen, die von einer solchen Beatmung als Regelbehandlung dringend abraten. Eine Behandlung, die mit großem Leid für die Betroffenen und deren Angehörige verbunden ist und regelmäßig schweren Folgeschäden. Jan Schmitt und Jochen Taßler.“

Atemnot, Lungenversagen. Für Patienten mit besonders schweren Covid-19-Verläufen ist eine Intubation, also die rein maschinelle Beatmung, oft die letzte Hoffnung. Aber es ist auch eine gefährliche Prozedur, die gerade Covid-19-Patienten oft nicht überleben. Mindestens zwei Drittel von ihnen sterben dabei, so das Ergebnis mehrerer Studien aus besonders betroffenen Regionen. Deutlich mehr als sonst bei solchen Beatmungen. Auch in New York haben Ärzte diese Erfahrung gemacht. Stefan Flores arbeitet als Notfallarzt in einem Krankenhaus in Manhattan. Seit Wochen kämpft er dort an vorderster Front gegen das Virus und um das Leben seiner Patienten.

Dr. Stefan Flores, Notfallmediziner, Columbia-Universität New York (Übersetzung Monitor): „Wir haben während meiner Schicht teilweise fünf oder zehn Patienten gleichzeitig intubiert. Und natürlich sind während meiner Schicht auch viele dieser Patienten verstorben. In diesem Umfang und mit so vielen Toten in so wenigen Stunden habe ich das noch nie erlebt.”

Viele New Yorker Ärzte intubieren Covid-19-Patienten daher inzwischen deutlich seltener. In Deutschland ist invasives Beatmen aber nach wie vor Standard. Mehr als drei Viertel der Covid-19-Intensivpatienten werden intubiert. Es gibt zwar Hinweise auf höhere Überlebensraten, aber noch keine verlässlichen Zahlen. Klar ist, für den Körper ist invasive Beatmung eine Tortur. Die Patienten werden betäubt und über einen Schlauch durch die Luftröhre beatmet. Dabei drohen Infektionen. Viele, besonders ältere Patienten, verkraften das nicht. Wer überlebt, trägt oft Langzeitschäden davon.

Sie kennt solche Fälle. Nennen wir sie Clara. Sie arbeitet als Krankenschwester und möchte nicht erkannt werden. Clara glaubt nicht, dass alle Intubationen bei Covid-19-Patienten sinnvoll sind.

Krankenschwester: „Die Patienten, denen es sehr schlecht geht, werden auf die Intensivstation verlegt ohne groß darüber nachzudenken, ob das den Patienten nützt oder eher schadet. Die werden dann intubiert und die werden sediert und beatmet.“

Werden bei Covid-19 zu viele Patienten vorschnell intubiert? Rolf Rossaint streitet das ab. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, kurz DGAI. Der Verband gilt als besonders einflussreich. Rossaint betont, man folge einem abgestuften Verfahren.

Prof. Rolf Rossaint, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: „Wenn ein Patient nur Sauerstoff braucht, dann bekommt er auch nur Sauerstoff. Braucht er eine zusätzliche Atemunterstützung, weil er das selber nicht mehr schafft, dann reicht erstmal eine nicht-invasive Beatmung. Wenn aber dann die Erkrankung noch schwerer ist – und das ist eben bei 75 Prozent der Intensivpatienten – dann muss man aber auch zum richtigen Zeitpunkt die Intubation durchführen.”

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Klar ist, je früher intubiert wird, desto mehr Menschen werden auch intubiert. Einige Ärzte-Verbände und Fachgesellschaften empfehlen genau das. Bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, kurz AWMF heißt es: Bei Covid-19-Patienten mit schwerem Sauerstoffmangel

Zitat: „(…) ist vorzugsweise die Intubation und invasive Beatmung anzustreben.“

Lieber früh intubieren also. Thomas Voshaar hält davon nichts. Er ist Lungenarzt und hat schon 40 Covid-19-Patienten behandelt, darunter auch schwersterkrankte. Intubiert hat er nur einen einzigen. Voshaar hält eine grundsätzliche Empfehlung für frühes Intubieren für falsch.

Dr. Thomas Voshaar, Lungenfacharzt: „Dem stehe ich sehr kritisch gegenüber, weil es dafür überhaupt keine Evidenz gibt. Abgeleitet ist diese Empfehlung nach meiner Einschätzung aus den Erfahrungen primär in China, und das war eine vollkommen andere Situation.“

Gerade bei neuen Erkrankungen wie Covid-19 seien solche pauschalen Empfehlungen sogar gefährlich, sagt Voshaar. Viele Ärzte würden sich strikt daran halten, allein schon, um sich abzusichern. Dabei ist Voshaar nicht grundsätzlich gegen Intubation.

Dr. Thomas Voshaar, Lungenfacharzt: „Auf der einen Seite kann man damit Leben retten, sonst würde es das ja nicht über Jahrzehnte geben, ist etwas Segensreiches. Auf der anderen Seite wissen wir, dass bei bestimmten Vorerkrankungen es eben auch bei langer Beatmungsdauer auch ganz definitiv zu sogenannten Beatmungsschäden kommt. Also sollte niemand an solche Maschinen angeschlossen werden, wenn es noch eine andere Möglichkeit gibt. Aber so muss man das wirklich auch – so glaube ich – sehr präzise formulieren.”

Und offenbar können auch andere Methoden durchaus Leben retten. In dieser Lungenklinik im Harz hat das Ärzteteam vier schwersterkrankte Covid-19-Patienten aus Frankreich behandelt.

Prof. Gerhard Laier-Groeneveld, Lungenfacharzt: „Sie hatten die Beatmung in Narkose, waren intubiert gewesen und ich denke, man hätte erwartet, dass wir das genauso weitermachen, aber mit dem Eintreten in unsere Klinik haben wir die Strategie geändert.“

Die Ärzte versuchten, die Patienten so schnell wie möglich von der Intubation zu entwöhnen. Mit Erfolg, die ersten konnten die Klinik inzwischen wieder verlassen. Kein Zufall, glaubt man hier. Die Ärzte versuchen bei Covid-19 grundsätzlich alles, um ohne Intubation auszukommen. Kein einziger ihrer Patienten ist bislang gestorben.

Prof. Gerhard Laier-Groeneveld, Lungenfacharzt: „Ich denke schon, dass man jetzt mehr sieht als früher, dass die Intubation und Beatmung gefährlich ist und dass man auf jeden Fall die Intubation vermeiden muss. Und da gibt es eine ganze Reihe an Techniken, die wir in den letzten Jahren untersucht und entwickelt haben, die das auch gelingen lassen.“

DGAI und AWMF halten trotz solcher Erfahrungen an ihren Empfehlungen fest. Matthias Thöns ist Palliativmediziner. Er begleitet alte Menschen am Lebensende und sorgt auch dafür, dass sie schmerzfrei sterben können. Thöns kritisiert schon lange, dass in Deutschland zu schnell und zu viel Intensivmedizin betrieben werde. Bei Covid-19 drohe das nun erst recht. Patienten mit schweren Verläufen müssten oft sehr lange beatmet werden. Das Risiko zu sterben oder Folgeschäden zu erleiden, steige so deutlich an.

Dr. Matthias Thöns, Palliativmediziner: „Die ethische Katastrophe ist doch, dass vor allem hochaltrige Patienten schwer betroffen sind und dass die dann in diesen intensiv-medizinischen Automatismus kommen. Die kommen in die Klinik, wenn die schlecht werden, werden die intubiert, wenn die intubiert sind, werden die längere Zeit beatmet. Und das Therapieziel des Patienten und der Wille des Patienten wird gar nicht richtig ermittelt.”

Leben retten, unnötige Qualen vermeiden. Ob eine frühzeitige invasive Beatmung bei Covid-19-Patienten dafür der richtige Weg ist? Die Zweifel daran wachsen.

Georg Restle: „Nein, wir wollen hier niemanden verunsichern und wir wissen, wie sensibel dieses Thema ist. Aber wir sind eben auch überzeugt davon, dass wir Diskussionen offen führen sollten, und dass man alle ernstzunehmenden Stimmen zu Wort kommen lassen sollte – gerade wenn es um eine Erkrankung geht, über die wir noch so wenig wissen.“

Stand: 01.05.2020, 15:00

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

Unsere Netiquette

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

32 Kommentare

  • 32 Mencheper 11.07.2020, 18:03 Uhr

    Ich schließe mich K J was die Statistik der Corona Toten betrifft an. Normalerweise, so lernt man es schon in der Schule (oder zumindest sollte das der Fall sein) ist es in einer Statistik wichtig zu definieren und Einflussfaktoren, die zu einem bestimmten Ergebnis führen zu berücksichtigen. Nur scheint mir gerade bei Corona dies nicht der Fall zu sein. Erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass 96% der Corona Toten in Italien an einer Vorerkrankung litten. Das wirft die Frage auf wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man an Corona selbst ohne schwerwiegende Vorerkrankung sterben kann. Darüber hinaus geht nun Mal das Gerücht, dass jeder Leichnam, bei dem das Virus festgestellt wurde, zu den Corona Toten gezählt wurde ohne festzustellen, ob nun die Infektion mit Corona die tatsächliche Ursache war. Ich vermag nicht zu sagen ob das wahr ist, aber es herrscht bezüglich der Sterberate an Corona eine gewisse Intransparenz. Dem entgegenzuwirken betrachte ich als wünschenswert.

  • 31 K.L. 24.05.2020, 23:58 Uhr

    Bei solchen Nachrichten soll man nicht misstrauisch werden und Zweifel an der Wirksamkeit der medizinischen Behandlungen, den politisch angeordneten Lebensbeschränkungen Betreff sozialem und wirtschaftlichem Leben hegen? Äußert man seine Zweifel wird man sofort als ein von Russland gesteuerter Verschwörungstheoretiker-Theoretiker oder Rechtsextremist behetzt. Auch ist festgestellt worden Dasein erheblicher Teil der leider verstorbenen Corona-Patienten an einer Embolie gestorben ist welche vielleicht durch Medikamente wie Marcumar verhindert hätte werden können. In der Berichterstattung über die Anzahl der bedauernswerten Betroffenen meine ich sollte man die Geheilten von den Betroffen rechnerisch abziehen. Auch sollte die Anzahl der Menschen genannt werden welche leider aufgrund der medizinischen Behandlung starben (Lungenentzündung durch Intubation sowie Embolien).

  • 30 Jörg Lenau 14.05.2020, 18:32 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. Bitte verzichten Sie auf externe Links. (die Redaktion)

  • 29 K. J. 13.05.2020, 12:30 Uhr

    Es ist nur ein Gedanke von mir, kein Vorwurf. Auch ich als Laie finde medizinische Behandlungen nach dem bestmöglichen Wissensstand absolut notwendig. Es ist jedoch sehr schlimm wenn man darüber nachdenkt dass noch viele erkrankte Menschen leben könnten wenn sie nicht „durch eine medizinische Behandlung“ gestorben wären. Erst kürzlich wurde darüber berichtet dass ein erheblicher Teil der Corona-Patienten durch Tromben gestorben ist. Nun wird darüber berichtet dass vermehrt Menschen aufgrund der Sedierung/Intubation bei einer Corona-Behandlung gestorben sind. Zusätzlich ist seit Jahrzehnten bekannt dass gerade bei älteren Menschen eine Narkose mitsamt Intubation gefährlich ist. Öfter wird berichtet dass ältere Menschen nach einer Sedierung denkgestört wurden. Eigentlich müsste nun eine Statistik erhoben werden wieviele Menschen der weltweit 0,0037 % an Corona Gestorbenen dem eigentlichen Virus und wieviel an einer Sedierung/Intubierung oder auch Embolie zuzuschreiben sind.

  • 28 Miller 07.05.2020, 10:59 Uhr

    Kommentare auf 1000 Schriftzeichen zu beschränken aber selbst seitenlange Leitbeiträge eingeben ist wie "Wasser predigen und selbst Wein trinken". Auch irgendwie ein Verstoß gegen die eigene Netiquette.

  • 27 Pablo 06.05.2020, 12:06 Uhr

    Krass wie in diesem Bericht ist alles durcheinander und nicht genau erklärt. Die Paliativpatienten und ITS- agree, aber das ganze "warum, wann und weaning" in diesem Programm wurde sehr schlecht vorgestellt.

  • 26 Anonym 06.05.2020, 10:00 Uhr

    Ich finde es sehr gut, dass Sie über dieses Thema berichten. Ich kann Sie hier nur ermutigen, die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin in diesem Punkt zu hinterfragen. Sie sind in diesem Punkt auf JEDEN Fall auf der richtigen Spur! Auf die Frage, wie hoch in Deutschland der Prozentsatz der nach einer Intubation verstorbenen Patienten ist - auch dies ist GENAU die richtige Frage und die Antwort hierzu ist genau das Problem. Es ist eben nicht völlig irrelevant! Kritisches Nachfragen ist nicht erwünscht - ein anderes Problem.

  • 25 Dorothee S. 06.05.2020, 08:21 Uhr

    Einseitig und Zitate aus dem Kontext gerissen-Empehlung zur eher frühzeitigen Intubation wurde auch aus Personslschutzgründen gegeben- Übertragung durch Aerosole! Zudem Vermischung generell mit ethischen Aspekten Wird der Situation nicht gerecht!!

  • 24 Johanna Kapp 06.05.2020, 01:50 Uhr

    Diese Art der Berichterstattung ist hanebüchen! Niemand der hier zitierten Ärzte widerspricht den jeweils anderen in seinen Aussagen oder behauptet falsche Tatsachen. Jeder der zitierten benennt wichtige Probleme in der COVID-19-Therapie, die nicht im Widerspruch zueinander stehen. Im Kommentar werden naiv falsche Schlüsse gezogen, weil die Komplexität des Themas durch die Recherchierenden offensichtlich nicht erfasst wurde. Stattdessen wird eine Schlammschlacht der Mediziner inszeniert. Ich kann nicht glauben, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk Menschen mit solchen Falschaussagen verunsichert oder in Panik versetzt. Man kann nur eine öffentliche Richtigstellung verlangen.

  • 23 Jochen Bieringer 05.05.2020, 09:55 Uhr

    Mehr Sauerstoff in die Zelle zu bringen, hat - soweit ich weiß- bereits der Entdecker des Ozons (von Helmoltz, gest. 1891!) versucht. Er hatte nachgewiesen: wenn man asphyktisch gewordene Tauben ( Sauerstoffaufnahme blockiert) mit erhöhtem Ozon oder Sauerstoff behandelt, die Tiere damit schneller sterben. Und das dürfte heute nicht anders sein.

  • 22 Irene Wülfrath-Wiedenmann 04.05.2020, 10:25 Uhr

    Jeder kann und sollte für sich selbst in einer ergänzenden Patientenverfügung festhalten, was er im Fall der Fälle möchte bzw. für sich nicht möchte.

  • 21 Ingo Wilhelm 03.05.2020, 14:58 Uhr

    Das Problem ist, dass es noch keine richtigen Leitlinien für die Behandlung von Corona gibt.Mit dem Malariamedikament Chloroquin ist es ja ein ähnliches Problem wie beim Intubieren, wenn die Berichte stimmen, dass es dadurch vermehrt zu Todesfällen kam.Man sollte auch sanftere Behandlungsmöglichkeiten erforschen.Ich hatte schon vor 8 Wochen Corona, allerdings mit relativ schwachen Symptomen.Ich behandelte es mit hohen Dosen von Vitamin C und einem Flavonoid (Rutosid-Trihydrat).Ich las schon vor einiger Zeit ein Buch der Professorin für Biochemie Gisela Jacobasch über Flavonoide, wo auch beschrieben wurde, dass diese antiviral wirken.Ich frage mich, ob diese Behandlung auch bei schwereren Fällen hilfreich wäre ? Vor einigen Tagen las ich nun im Internet von einem chinesischen Forscher, der herausfand, dass Flavonoide das Enzym Protease des Coronavirus zumindest im Reagenzglas sogar stärker hemmen sollen als ein Aidsmedikament.Meine Symptome verschwanden überraschend schnell.

  • 20 Antonia 03.05.2020, 14:34 Uhr

    Eine noch größere ethische Katastrophe wäre allerdings, meiner Meinung nach, Patienten gleich mit Morphium zu versorgen, weil das ja aus Sicht des Palliativmediziner die Angst vorm Ersticken nimmt. Ja, tatsächlich lämt ja bekanntlich Morphium die Atmung. Ich möchte nicht von einem Mediziner behandelt werden, der sich anmaßt, mit seiner lukrativen und gut bezahlten Palliativmedizin über Leben und Tod zu entscheiden. Das Thema "Euthanasie" hatten wir ja bekanntlich schon mal....Und noch eins: es muß schlimm sein, für Ältere allein gelassen Krankheit und Tod zu bewältigen, weil den Angehörigen wegen Corona ins Altenheim verwehrt wird. Von einer Monitor-Sendung erwarte ich schon mehr Tiefgang, als aneinander geklatschte Szenarien!

  • 19 Silke 02.05.2020, 15:59 Uhr

    Sehr geehrter Herr Taßler,Sie haben mit Ihrem Beitrag Recht aber auch Unrecht? In New York zb. haben viele Einwohner keine Krankenversicherung und auch mehr finanziellen Druck als in Deutschland und gehen daher deutlich später zum Arzt oder ins Krankenhaus.Es gibt daher deutlich mehr schwere Fälle als in Deutschland bei Einlieferung ins KH. Wenn nachweislich mehr als 3/4 der Covid 19 Intensivpatienten in Deutschland intubiert werden,sind es deutlich zu viele.Das darf nur letztes Mittel sein? Die internationalen Studien und Erfahrungen sollten deutsche Ärzte und Klinken schon ernst nehmen ! In Deutschland gibt es keine verlässlichen Zahlen wie viele Corona Patienten die beatmet werden sterben.Warum verheimlicht man das den wohl? Ich denke wir liegen auch bei ca. 60% ? Die Sterberate steigt auch bei uns ! Auch bei uns sterben Menschen unnötig durch Behandlungsfehler. Das sind nicht wenige ? Deutschland ist nicht besser, sondern hat nur Glück das Corona Patienten früher zum Arzt gehen?

  • 18 S. Schroll 01.05.2020, 17:40 Uhr

    Aus diesem Beitrag wird nur eines deutlich, Covid 19 ist GEFÄHRLICH, weil wir noch viel zu wenig wissen, wie wir diese Krankheit richtig behandeln können. Deshalb gilt in erster Linie - solange bis wir die richtige Therapiemöglichkeit gefunden haben – hilft nur eins, die Ansteckung zu reduzieren und diesbezügliche Regelungen einzuhalten. Die Krankheit zu verharmlosen und z. B. auch mit Verkehrstoten zu vergleichen, hinkt gewaltig. Ein Autofahrer sollte über eine Fahrerlaubnis verfügen, wo er nachgewiesen hat, dass er über das Wissen der Straßenverkehrsordnung verfügt. D. h. heißt hier wissen wir um die „Therapie“, um die Anzahl der Verkehrstoten gering zu halten. Im Umkehrschluss, Covid 19 zu verharmlosen, ist gleich zu setzen, alle aufzufordern, ohne Fahrerlaubnis zu fahren.

  • 17 Antonius Spier 01.05.2020, 15:04 Uhr

    Werte Monitor-Redaktion, leider ist das Thema deutlich komplexer , als hier dargestellt. Neben dieser Diskussion um invasive und nicht-invasive Beatmung muss der Schutz des medizinischen Personals, insbesondere bei nicht-invasiver Beatmung sicher gestellt werden. Ganze Einrichtungen mussten schon geschlossen werden, weil sich Ärzte im Dienst infizierten. Auf der Seite www.medizintechnikportal.de hat ein befreundeter Anästhesist Alternativ-Vorschläge für fehlende Schutzmasken in drei kurzen Videos vorgestellt, um damit die Diskussion in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit anzuregen. Hier der bewegende Brief des Anästhesisten: [Link entfernt. Bitte beachten Sie unsere Netiquette - Anm. der Redaktion] Ich bitte, diese Überlegungen, bei zukünftigen Recherchen zu Covid-19 einzubeziehen. Der Schutz des medizinischen Personals lässt sich nicht mit Lobeshymnen der Politiker und Einmalzahlungen gewährleisten. Es muss was geschehen. LG A.Spier

    • Andreas 01.05.2020, 19:43 Uhr

      Ich verfolge die Expertendiskussionen zu Covid-19 sehr intensiv. Daraus habe ich eine wichtige Aussage mitgenommen: Covid-19 Patienten haben in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung eine stark abnehmende Virenlast im Mund-Rachen-Raum. Ab ca. einer Woche nach dem Auftreten von Symptomen sind so gut wie keine Viren mehr nachweisbar. Damit sind sie auch nicht mehr infektiös. Sagt Prof. Drosten, von dem ich viel halte. Bei allem Verständnis für den Schutz der Krankenhausmitarbeiter kann ich nicht nachvollziehen, weshalb unterstellt wird, dass Patienten auf der Intensivstation, die wohl weit mehrheitlich in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind, als Virenträger verdächtigt werden und deshalb der Schutz der Krankenhausmitarbeiter so um Vordergrund stehen sollte und man deshalb die Risiken eine Intubierung eingehen sollte wenn man weiss, dass die Intubierung mit keiner guten Prognose versehen ist.

  • 16 Alberta 01.05.2020, 13:00 Uhr

    Eine sehr gute Reportage. Mehr davon! Kritische Stimmen müssen auf allen Seiten zugelassen sein!

  • 15 Dr.Franz Bundscherer 01.05.2020, 11:22 Uhr

    Als Kinderarzt war ich viele Jahre intensivmedizinisch tätig. Ihr Beitrag zur Beatmung von Covid19 Patienten in Deutschland hat mich entsetzt. Wie schlecht darf ein Filmbeitrag eigentlich sein, damit er von Ihnen im öffentlich rechtlichen und durch Zwangsbeitrag finanzierten Fernsehen gezeigt werden kann ? In Deutschland haben wir vergleichsweise exzellente Zahlen der Sterblichkeit an Covid19 . Die Welt beneidet uns darum. Beatmung wird bei schwer hypoxischen Patienten begonnen- es gibt hierzu Leitlinien- die eine Regel darstellen , die individuelle Anpassungen erlaubt und erfordert. Wenn ein Journalist sich mit dieser Materie befasst, so sollte er dies umfassend tun: Ansonsten schafft er ein unbegründetes Horror-Szenario für Betroffene und üble Verunglimpfung für die Verantwortlichen auf Intensivstationen . Dies ist mediale Skandalisierung und Fake-News . Die Abwägung , wann zu intubieren ist, ist schwierig - ihr Beitrag hierzu ist völlig missraten.

  • 14 Prof. Dr. Alexander Schle 01.05.2020, 09:18 Uhr

    Anästhesisten kritisieren WDR-Berichterstattung zu Beatmung - „Völlig unnötige und unqualifizierte Emotionalisierung eines wichtigen intensivmedizinischen Themas“ - Einzelmeinung als Fachempfehlung dargestellt Nürnberg. Der „Berufsverband Deutscher Anästhesisten“ (BDA) und die „Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI) üben scharfe Kritik an der Berichterstattung des „Westdeutschen Rundfunks“ (WDR) über die Beatmung von Covid-19 Patienten. In einem Brief an WDR-Intendant Buhrow schreibt die DGAI, es handele sich um eine „völlig unnötige und unqualifizierte Emotionalisierung eines wichtigen intensivmedizinischen Themas, die zu einer völlig unnötigen Verunsicherung der Bevölkerung und damit der Patienten“ führe. In mehreren Beiträgen - unter anderem für das „ARD-Morgenmagazin“ und Fernsehmagazin „Monitor“ - gibt der WDR die Meinung vereinzelter Mediziner mit begrenzter intensivmedizinischer Expertise wieder, wonach die Intubation und Beatmung von Covid-19 Pa

  • 13 Wolfgang Meier 01.05.2020, 09:02 Uhr

    Danke für Ihren einseitigen, schlecht recherchierten und tendenziösen Artikel auf dem Niveau der Boulevardpresse, der nur noch von der zynischen Schlussbemerkung des Moderators überboten wurde: "Wir wollen niemanden verunsichern …" Wir behandeln in unserem Lungenzentrum schwerstkranke Patienten, deren letzte Chance auf Überleben in der künstlichen Beatmung besteht. Diese Patienten haben zum Teil eine Lungentransplantation hinter sich. Durch Ihren Bericht haben Sie bei zwei Angehörigen, die ihre Lieben seit Wochen nicht besuchen konnten, bereits eine Panikreaktion ausgelöst. Weitere werden folgen. Toller Job! Ich kann meinen Arbeitgeber leider nicht nennen, da dies meine Privatmeinung ist. Hier wird hochkomplexe medizinisch-pflegerische Entscheidungsfindung und Arbeit in einem dürftigen Fünfminuten-Reißer durch den Dreck gezogen. Nochmals Danke! MfG W. Meier, Anästhesist, Intensiv- und Notfallmedizin

  • 12 Oliver Möllenberg 01.05.2020, 00:02 Uhr

    Den erfahrenen Intensivmediziner enttäuscht der Beitrag: Hier werden 3 Positionen, die prinzipiell und für sich genommen berechtigt sind, missverständlich gegeneinander gestellt. Warum? Etwa weil sich so viel mehr Aufregung und Entrüstung erzeugen lässt !?! Es gibt (insgesamt wenige) Covid-Patienten, deren Lunge so schnell und so massiv versagt, dass sie ohne eine invasive Beatmung schlicht unmittelbar sterben. Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen werden seit Jahren bei Krisen bevorzugt nicht-invasiv beatmet; das ist Standard! Es gibt chronische Lungenpatienten, die bei einer leichten bis mittleren Form der Covid-Erkrankung (in der Kombination schwer erkrankt) erfolgreich mit nicht-invasiver Beatmung behandelt wurden. Der Palliativmediziner hat mit seinem Standpunkt auch Recht. Offensichtlich wird das auch von vielen Kollegen beachtet: Von den insgesamt über 6000 Toten sind weniger als die Hälfte, nämlich nur 2655 (DIVI-Register von heute) auf einer Intensivstation verstorben.