Die Kölner Silvesternacht und das Versagen der Polizei

Georg Restle am 07.01.2016

Die Kölner Silvesternacht und das Versagen der Polizei

Von Georg Restle

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Meine Güte, was ist da eigentlich los bei Euch in Köln? Täglich rufen mich mittlerweile Freunde und Kollegen an und wollen wissen, ob Köln noch sicher ist, ob man sich als Frau überhaupt noch auf die Straße trauen kann – und warum die Polizei hier so kläglich versagte.

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Der heute veröffentlichte Einsatzbericht der Bundespolizei scheint die schlimmsten Vorurteile zu bestätigen – und wirft doch mehr Fragen auf, als er beantwortet:

Warum wird ein solcher Bericht erst vier Tage später verfasst und dann an die Presse weiter geleitet? Ein Bericht, der an einigen Stellen maßlos übertreibt und plötzlich von mehreren tausend jungen Männern mit Migrationshintergrund spricht?

Warum gab es vor dem Hauptbahnhof keinerlei Festnahmen und nicht mal Gefangenentransporter? Und warum um Himmels Willen reagierte die Polizeiführung nicht angemessen auf die Eskalation, auch nicht Stunden nach den ersten Hilferufen?

„Ein Gewahrsam kam aufgrund von Kapazitätsproblemen nicht in Betracht“, heißt es in dem Bericht. Wie bitte? Es konnte kein einzelner Krawallmacher aus dem Verkehr gezogen, kein Tatverdächtiger festgenommen werden, weil in Köln keine Zelle mehr frei war? Oder das: Polizisten in schwerer Schutzausstattung seien weder an Opfer, noch an Täter, noch an Zeugen herangekommen, weil man von herumstehenden Jugendlichen abgedrängt wurde? Ja, das ist wirklich schwer zu glauben.

Immerhin so viel steht heute fest: In Köln traf in der Silvesternacht Chaos auf Chaos. Das Chaos einer betrunkenen Männerhorde, die Frauen auf Übelste demütigte, bestahl und sexuell misshandelte, traf auf das Chaos einer Polizei, die die Lage offenbar zu keinem Zeitpunkt im Griff hatte. Und das an einem der größten Bahnhöfe Deutschlands - über zehn Stunden lang.

Der Bericht der Bundespolizei; für mich liest er sich wie ein schlechter Rechtfertigungsversuch für unterlassene Hilfeleistungen; begangen ausgerechnet von denen, die für unsere Sicherheit - eigentlich - verantwortlich sind.

Stand: 08.01.2016, 08:00

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