Der Tagesthemen-Kommentar von Stephan Stuchlik zur Zuspitzung der Krim-Krise vom 26.11.2018

Stephan Stuchlik am 26.11.2018

Der Tagesthemen-Kommentar von Stephan Stuchlik zur Zuspitzung der Krim-Krise vom 26.11.2018

Von Stephan Stuchlik

Guten Morgen, da draußen, sind endlich alle wach? Um ehrlich zu sein, wir haben uns alle mehr oder weniger an die Situation in der Ukraine gewöhnt, Politiker, Wirtschaftsvertreter, aber auch manche Redaktionen. Da war ein Konflikt, ist im Moment ruhig, wird gut gehen.

Die erste Wahrheit von heute: Es muss nicht immer gut gehen. Wer garantiert uns, dass die russischen Kapitäne ihre Nerven im Zaum halten? Wer garantiert, dass in der Ukraine, einem Land im aufgeheizten Wahlkampfmodus, die Lage nicht außer Kontrolle gerät? Niemand kann das.

Die zweite Wahrheit, die wenige aussprechen wollen: Wir wissen, wer schuld ist. Nicht am gestrigen Vorfall, sondern an der Gesamtsituation. Russland hat völkerrechtswidrig die Krim besetzt, beherrscht den Eingang zum Asowschen Meer und kann der Ukraine die Zufahrt zu wichtigen Häfen sperren. Russland hat, bitte alle mal hinsehen, aus Unrecht Fakten gemacht.

Und da folgt die dritte Wahrheit: Die Europäer haben dem wenig entgegenzusetzen. Heiko Maas hat heute eine Vermittlung durch Frankreich und Deutschland vorgeschlagen. Vielleicht sollte jemand der Bundesregierung sagen, dass es schwer ist, in Kiew als neutraler Vermittler aufzutreten, wenn man gleichzeitig zusammen mit Russland die nächste milliardenschwere Gaspipeline baut, die übrigens zum Ziel hat, die Ukraine zu umgehen. Viel Diplomatie der letzten Jahre ist in diesen großen Graben zwischen Außen- und Wirtschaftspolitik hineingefallen.

Wer nicht eines Tages wirklich von einem kriegerischen Konflikt in Europa überrascht werden will, sollte sich dringend Gedanken über eine andere und schlüssige Politik machen. Habe ich gesagt, überrascht? Nein, es gibt ihn schon diesen Krieg, in der Ostukraine sterben täglich Menschen, auf beiden Seiten.

Das haben wir, seien wir ehrlich, ganz gut verdrängt. Aber es wäre dringend Zeit, aufzuwachen.

Stand: 26.11.2018, 22:30

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

Regeln fürs Kommentieren

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

Wie viele Tage hat eine Woche?

Warum stellt das Erste diese Fragen?

44 Kommentare

  • 58 Jan 14.12.2018, 11:07 Uhr

    Ja Sie haben recht, seit die Nachfolgerregierung der vorher gestürzten Regierung ihre Armee gegen die Ostukrainer schickte sterben täglich Menschen in der Ostukraine. Das zu ändern, dazu sind wir Durchschnittsbürger zu ohnmächtig. Unsere Politiker könnten es ändern (wenn sie es denn wollten), und unsere Journalisten könnten endlich damit aufhören einseitig gegen Russland zu hetzen. Der Bürgerkrieg würde nach wenigen Tagen beendet werden wenn unsere Politiker dafür sorgen würden dass sich die ukrainische Armee endsprechend der Minsker Abkommen weiter zurückzieht. Solange jedoch westliche Regierungen alle Handlungen der ukrainischen Regierung dulden und Sanktionen nur gegen Russland anordnen wird es mit Friedensbildung nichts werden. Das unsere Regierungen sich dann noch als neutrale Vermittler erkennen, das ist lachhaft. Eine Vermittlerrolle müsste ein fernes Land aus einem anderen Kontinent übernehmen welches wirklich neutral zu beiden Seiten ist.

  • 57 Busch 13.12.2018, 18:58 Uhr

    Schon geht es wieder los, die Kosovopolitiker provozieren und drohen in Richtung Serbien, unter dem Schutzschild der USA. Vergleichbar immer wieder festzustellen bei den meisten anderen früheren Sowjet- sowie Ostblockstaaten. Wer das nicht so sieht „der will es nicht sehen“. Die meisten der vorgenannten Staaten wollen nur in die EU und NATO um gegen Russland als rechtlicher Nachfolger der UdSSR Rachegelüste zu befriedigen, mitunter unter dem Gedanken Russland zusammen mit den USA u. NATO zu erobern. Viele Menschen im Osten von uns leben offensichtlich noch im kriegerische-politischen Gedankengut des vorigen Jahrhundert. Wer schon Russland darstellt als wäre es ein riesiges Kolonialreich welches zu erobern und es in Kleinstaaten aufzuteilen gilt (oftmals bei Anhängern der grün-68er Ideologie zu hören), mit dem stimmt etwas nicht. Russland ist heute gleich wenig oder viel ein Kolonialreich wie zum Beispiel die USA oder China. Legitime Grenzveränderungen bitte nur über Volksentscheide.

  • 56 Miriam S 12.12.2018, 16:44 Uhr

    eine Annexion ist ein Völkerrechtsbruch. und hat zur Konsequenz, dass jeder andere Staat mit allen Mitteln, auch militärischen , die "Ordnung" wieder herstellen darf. deshalb wird in den westlichen Staaten versucht aus der Sezession der Krim eine Annexion zu kreieren; man vergisst dabei, dass zur Annexion die GEWALTSAME Abtrennung gehört und Putin /Russland diese Gewalt in bezug auf die Krim nicht brauchte: die Bevölkerung hat sich per Referendum für den Anschluss an die russische Föderation entschieden. mit der Krim als russisches Gebiet gehört natürlich auch eine im Völkerrecht, im Seerecht verankerte Dreimeilenzone der Küstengewässer zu Russischem Territorium und kann nicht ohne Erlaubnis von Fremden befahren werden. Das aber hat die Ukraine provokant außer acht gelassen. Russland wehrt sich mit Recht gegen solche Provokationen, denn es musste schon lange hinnehmen, dass wieder kalter Krieg nach altem Muster herrscht.

    • M. 13.12.2018, 19:26 Uhr

      Ich meine auch dass die meisten unserer Politiker sowie Journalisten uns hinsichtlich der Aussage dass die Krim annektiert wurde wieder einmal belügen. Nach Beobachtung der von uns empfangenen Nachrichten gab es schon vor der anarchistischen Maidan-Revolution in Kiew auf der Krim ein mit der Ukraine unter Vertrag gesichertes Nutzungsrecht für russisches Militär. Dort existierte neben der ukrainische Marine auch die Schwarzmeeflotte von Russland. Somit waren tausende von russischen Soldaten dort stationiert, welche selbstverständlich während der ukrainischen Unruhen ihre Basen mit Soldaten schützten. Hätte die Krim ein Referendum abgehalten um sich der USA als Bündnisstaat anzuschließen hätte die US-Regierung vermutlich auch dem Volksentscheid der Krimer Bewohner zugestimmt um die russischen Militäranlagen unter Führung der USA der NATO zu übereignen. Russland hätte seine militärischen Anlagen in Sewastopol verloren. Heute gibt es tausende von US-Soldaten in der Ukraine, auch Annexion?

  • 55 Grün 11.12.2018, 23:32 Uhr

    Russland schickte zwei Militärflugzeuge als Gastbesuch nach Venezuela und schon drückt der US-Außenminister laut Mediennachrichten seinen Hass gegen Russland bei Twitter aus. Was soll diese Hetze gegen ein anderes Land der Erde welches der USA nichts Böses getan hat? Die USA führt weltweit sowie weltbeherrschend mit ihren rund eine Millonen Soldaten Kriege und täglich fliegen US-Flugzeuge provozierend im Nahbereich der russischen Grenze; bauen an russischen Grenzen Raketenbasen auf und behaupten seit Jahren dass diese Raketen ja nicht Russland treffen sondern nur überfliegen sollen. Da regt sich der US- Außenminister laut Medien nun darüber auf dass zwei russische Flugzeuge als Gastbesuch nach Venezuela fliegen? Irgendwie komisch, wenn so etwas nicht so ernst wäre.

  • 53 Michaela 10.12.2018, 21:07 Uhr

    So langsam sollten sich auch Journalisten sowie Politiker Gedanken darüber machen dass das lesefähige Volk nicht so dumm ist wie sie es gerne hätten. Die Meinungsüberzeugung von „einfachen“ Bürgern immer wieder nur einer russischen Propaganda zuzuschreiben ist billig. Politikinteressierte Bürger haben sich zu fast einhundert Prozent ihre Meinung anhand der uns gebotenen Nachrichten in deutscher Sprache gebildet; und doch irgendwie anders als journalistische Demagogen es sich erhofften. Nur relativ wenige Menschen in Deutschland verstehen russisch, lesen, hören oder sehen russische Nachrichten. Somit ahnen wir Bürger dass der Putsch in Kiew Unrecht war, dass ethnisch russischstämmige Bürger der Ukraine nach der Maidanzeit verfolgt wurden, dass die NATO-Staaten ein massives Interesse daran hatten die Ukraine samt der Krim in die EU sowie NATO aufzunehmen; dass die Russische Förderation sich nicht so einfach damit abfindet ihren Schwarzmeerhafen auf der Krim an die NATO zu übergeben

  • 52 D. 10.12.2018, 13:21 Uhr

    Diese offensichtlich US-gewünschte Kriegsvorbereitung (massive Aufrüstung des ukrainischen Militärs) der Ukraine gegen Russland muss endlich beendet werden. Wir aus der Bevölkerung werden von Politiker und Journalisten total verdummt. Fortschreitende Sanktionen gegen Russland und andererseits fortschreitende Unterstützungen für die Ukraine bringen keinen Frieden in der Region. Für jeden politisch interessierten ist es sichtbar, die Ukraine hängt am Unterstützungstropf der sogenannten „Westlichen Wertegemeinschaft“ und die abtrünnige Ostukraine (mit vorwiegend ethnisch geborenen Russen) am Unterstützungstropf der russischen Förderation. Ich glaube dass alles was in der Ukraine heutzutage gegen die ehemals ostukrainischen Bevölkerung geschieht mit US-Strategen abgesprochen ist. Es ist alles noch im Zusammenhang der Zeit vor den schrecklichen Maidan-Demonstrationen zu sehen, zurück in die Zeit als die USA, die EU, unsere deutschen Parteien (und Stiftungen) die Ukranie massiv bedrängten.

  • 51 Blum, P. 10.12.2018, 11:32 Uhr

    Ja, der letzte Satz vom Leitbeitrag sollte maßgebend sein: „Aber es wäre dringend Zeit aufzuwachen“. Nur sollten unsere derzeitig uns ins Unglück führende Politiker beide Augen öffnen, nicht nur einseitig. Es sollten auch mal der Ukraine „Ratschläge“ darüber gegeben werden wie sich deren Politiker verhalten könnten um endlich wieder Frieden zu bekommen. Immer nur die ukrainische Armee aufrüsten, der ukrainischen Regierungung unser teuer erarbeitetes Geld überweisen und sich überhaupt immer nur für die vordergründigen Interessen der Ukraine einsetzen, das bringt keinen Frieden. Die ukrainische Regierung ist von den USA, von der EU und Deutschland gleich abhängig wie die sich verselbstständigten Ostukrainer von der russischen Förderation. In dieser Tatsache steckt der Schlüssel zur Konfliktlösung; aber leider wollen, insbesondere Politiker der USA, aber auch der US-Abhängigen NATO-Staaten diesen Schlüssel aus Eigeninteressen nicht benutzen.

  • 50 Jochen Otte 10.12.2018, 08:51 Uhr

    Die Politik und unisono der Journalismus behaupten: mit der Annektion begann die Ukrainer und ganz klar, Putin ist Schuld. Vergessen NATO-Osterweiterung, "Bedrohung durch irnan. Raketen (Polen/Slowakei/Rumäniem) Bush's NATO-Gipfel Bukarest 2008 mit Ziel. Ukraine/ Georgien rein in die NATO und damit Sewastopol in NATO-Hand. Das klappte dank Merkel nicht. Dann blutiger (friendly fire) Sturz eines (OSZE) dem. gewählten (korrupten) Präsidenten und durch fragwürdige Wahlen eingesetzten Oligarchen. Alles gegen jedes Gesetzund mit Einmischung des Westens Völkerrecht!!) . Vergessen die Mühen Sikorski/Steinmeiers mit unterschriebenen Vertrag, dass bis 12/2014 neue Verfassung und Wahlen in gesamter Ukraine. Zerriss dieses Vertrages am 22.2.14. DAS(!!!) war Anlass für Russland, die Krim zu besetzen. Jeder kleinste Fahnenjunker hätte um die Folgen der Krim in NATO-Hand gewusst. Was in dem Kommentar vorgebracht wird, ist nur der kleinste Teil der Fakten und somit eine Fälschung der Geschichte!

  • 49 Schmidt 09.12.2018, 17:09 Uhr

    Aha, nun soll also Russland wieder schuld sein an der Randale in Frankreich. Waren bei der Anfeuerung der Maidan-Putschisten auch die bösen Russen beteiligt, und ist am Putsch in Kiew schuld? Oh, nun hat Russland wegen einer möglichen Einmischung in innere Angelegenheiten Frankreichs wieder ein Völkerrechtsbruch begangen. Nun kommen mit Sicherheit wieder neue Sanktionsforderungen aus der USA, der Weltobrigkeit. So langsam wird man verunsichert. 1991 gab es in der Ukraine ein Referendum für eine Trennung von der Sowjetunion, kein Vökerrechtsbruch. 1991 trennte sich die Ukraine von der Sowjetunion, kein Völkerrechtsbruch. Die Westliche Wertegeimeinschaft „befeuert“ die Maidan-Regierungsstürzer, kein Völkerrechtsbruch. Zur Zeit der rechtsgebr. Auflösung der staatl. Ordnung in der Ukraine entscheiden sich die Krimer Bewohner per Referendum für eine Trennung von der Ukraine = Völkerrechtsbruch. Russland entspricht dem Wunsch (Refendum) der Krimer und nimmt die Krim auf = Völkerrechtsbruch.

  • 48 Es gibt ein Unterschied wenn zwei das Gleiche tun. 09.12.2018, 15:57 Uhr

    Man stelle sich vor dass das was derzeitig in Frankreich mit den „Gelbwesten“ und deren Gegenseite, der Staatsgewalt geschieht würde in Russland geschehen. Unsere Journalisten und Politiker würden volle Breitseiten gegen Putin und Russland hetzen. Woran liegt das? In Frankreich unterstützen unsere Politiker und Journalisten grundsätzlich die angeblich demokratische Regierungs- und Staatsgewalt, im Gegensatz dazu unternehmen unsere Politiker und Journalisten alles um Russlands Regierung zu stürzen weil diese angeblich undemokratisch sei. Dieses ideologische „Freund- und Feinddenken“ unserer Obrigkeit entmündigt eigene Gedanken von Politiker und Journalisten. Kaum jemand mag seine ehrliche Meinung mehr vertreten, alles kuscht und lässt sich von der demagogischen Ideologieleitung lenken wie ein Nasenbär (auch ein Nasenbär verspürt Schmerzen wenn er etwas anderes möchte als sein Führer will).

  • 47 Anonym 08.12.2018, 17:43 Uhr

    "Russland hat völkerrechtswidrig die Krim besetzt, beherrscht den Eingang zum Asowschen Meer und kann der Ukraine die Zufahrt zu wichtigen Häfen sperren. Russland hat, bitte alle mal hinsehen, aus Unrecht Fakten gemacht." das ist offenbar genau die Meinung und nur " Meinung" deutscher Regierung, kundgetan übrigens durch Seibert. Ich empfinde es als eine Irreführung deutscher Öffentlichkeit. Monitor müsste nachdenklicher u kritischer das Geschehen betrachten und nicht in den Mainstream der Russlandfeinde eintauchen. Westliche Art Russland dauernd zu provozieren wird irgendwann zum Untergang der EU führen. dringende Leseempfehlung : Karl Müller in Zeit-fragen. ch "Erneut wird an der Konfrontationsschraube gedreht" nix für ungut, sehen Sie im netz auch die völkerrechtlich relevante Definition von Annexion, andrerseits die NUR innenpolitisch zutreffende von Sezession, die hier anwendbar ist. Russland hat also nichts völkerrechtwidriges getan.

    • Schulze 09.12.2018, 13:47 Uhr

      Ja, wir Bürger werden heutzutage von vielen Politiker und Journalisten gleich verschaukelt wie unsere Vorfahren vor den beiden Weltkriegen. Auch damals wurde versucht die Menschen auf eine Notwendigkeit der Kriege zu überzeugen. Es wurden die Menschen sogar im Namen Gottes in den Krieg gehetzt, jeder Seite versuchte die Menschen zu überreden dass der folgende Krieg ein gerechter Krieg wäre. Heute ist auch diese Manipulation vergleichbar mit damals. Heute wird versucht die Menschen aufgrund einer angeblichen Verletzung eines Völkerrechtes zu überzeugen einen Krieg gegen Russland zu bejahen. Ein solches Verhalten von Politiker und Journalisten empfinde ich auch als ein Verbrechen. Menschen in einen Krieg, auf Befehl in den Tod und Verderben zu schicken, das ist ein unmenschliches Handeln. Gleich wie ein staatlicher Befehl andere Menschen zu ermorden. Der Wahnsinn ist auch darin zu erkennen, dass man immer wieder nur von z.B. Vernichtungen der Geräte spricht, nicht von den Menschen.

    • M. 09.12.2018, 20:23 Uhr

      Was „Völkerrechtsbruch“ ist das bestimmen in der vorbildlichen „Westlichen Wertegemeinschaft“ die staatsführenden Politiker und der von Ihnen abhängige ideologischen Meinungsmacher für das Volk, politisch tätige Journalisten. Woran werden diese Spezis erkannt? Ganz einfach, kaum ein anderer Mensch spricht das Wort „Demokratie“ in der Menge so häufig aus. Das Interessante ist dass gerade aus dieser vorgenannten Gruppe das „Völkerrecht“ immer wieder gebrochen wird, doch ein gebrochenes „Völkerrecht“ immer nur auf Gegenseiten vermutet wird.