Putins Ukraine - Europas Versagen

Georg Restle am 04.03.2014

Putins Ukraine - Europas Versagen

Von Georg Restle

Vielleicht ist es ja ganz einfach: Politischer Stratege trifft auf Chaotentruppe; Russlands Präsident auf die versammelte europäische Außenpolitik - wobei letzteres schon der reinste Euphemismus ist. Putins Plan ist klar: Kein Fußbreit der EU jenseits der bestehenden EU-Außengrenzen im Osten: Weder in Georgien, noch in Moldawien - und schon gar nicht in der Ukraine.

Wladimir Putin

Wladimir Putin

Die Krim als Faustpfand, wie zuvor schon Transnistrien, Abchasien und Südossetien - pseudo-autonome russische Enklaven am Rande Europas, von denen kaum jemand in Deutschland wissen dürfte, wo sie überhaupt liegen.

Europas Außenpolitiker dagegen? Geblendet vom scheinbar demokratischen Aufbruch auf dem Maidan, hinter dem sich ein brauner Sumpf von Nationalisten und Faschisten auftut, die mit europäischen Werten eben soviel gemeinsam haben wie die Dynamo Kiew-Ultras mit einer schwulen Hochzeitsgesellschaft. Und ausgerechnet Klitschko und Timoschenko als Verbündete Europas! Ein Boxer, der vor Koalitionen mit rechtsextremen Nationalisten nicht zurück schreckt und die ehemalige Gasprinzessin: Zu Heroen erklärt von BILD und Kanzlerin - mit großem Misstrauen betrachtet von den wahren Demokraten in der Ukraine. Wer hinter der hektischen europäischen Maidan-Diplomatie der letzten Wochen einen klugen Plan vermutet, muss sich nur die Geschichte der europäischen Außenpolitik anschauen, für die der Osten Europas allenfalls als europäische Schmuddelecke taugte. Eine Strategie für Osteuropa? Fehlanzeige! Das rächst sich jetzt - und die gespenstische Waffenruhe auf der Krim ist auch Resultat dieses europäischen Versagens.

Ganz ehrlich: Ich bin froh, nicht in Putins Russland zu leben, sondern in der Mitte Europas. Ich möchte keine Staatspropaganda, die täglich dem Präsidenten huldigt, kein Pseudoparlament, in dem Opposition als Gnadenakt eines autokratischen Herrschers verstanden wird und keine Gesetze, in denen jede regierungskritische Demonstration als Haftgrund taugt.

Aber wer Osteuropa dauerhaft demokratisieren will, darf nicht allein auf die Überzeugungskraft europäischer Grundwerte vertrauen. Er muss die demokratischen Kräfte in Kiew oder Minsk tatkräftig unterstützen, junge osteuropäische Eliten auch hierzulande fördern und sich wirtschaftlich engagieren, ohne auf schnellen Profit zu setzen. Und vor allem: Er muss Russlands Interessen ernst nehmen. Denn ohne das größte Land Europas geht es nicht - ob es uns gefällt oder nicht

Georg Restle

Stand: 15.07.2014, 18:50

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22 Kommentare

  • 22 F.G. 05.02.2018, 16:49 Uhr

    Westliche Politiker u. Journalisten, insbesondere diejenigen welche sich der links-grün-68er Ideologie zugehörig fühlen sollten sich mal ernsthaft mit der Geschichte der Sowjetunion u. den Ostblockstaaten beschäftigen. Vieles von dem was dem russischen Präsidenten vorgeworfen wird ist bei unseren Politiker scheinbar eine kopierwürdige Politik. Die Politiker der NATO-Staaten sollten sich aus den früheren Ostblockstaaten herauszuhalten. Es ist falsch zu versuchen die „Interessensphäre“ nach Osten hin auszuweiten. Die Art v. Politik ist schon bei Napoleon, Kaiserreich u. dem 3. Reich ein Unglück gewesen. Es ist ungerecht führende Politiker der früheren Sowjetstaaten mit Geld u. Wohlstand zu locken um folgend diese Staaten in den westlichen Block zu ziehen. Die wiederholenden Behauptungen dass die Völker es wollen sind Lügengebilde. Bis auf der Krim ist in keinem Staat eine Referendum durchgeführt worden. Ob Georgien, Ukraine usw., die westliche Politik ergab nur Unruhen u. Krieg.

  • 21 M. 28.01.2018, 21:08 Uhr

    Auch hier in den westlichen Medien gibt es massiv Propaganda. Zudem wurde scheinbar der Maidanputsch aus NATO-Staaten, vorwiegend USA inszeniert sowie erheblich finanziert (das könnte, da US-Politiker es in den Medien offiziell zugegeben haben inzwischen jeder politikinteressierte Bürger wissen). Meiner Meinung nach wurden die gelobten „Europäischen Grundwerte“ mit der Osterweiterung der EU und NATO aufgegeben. Einige Politiker der früheren Ostblockländer drängten meiner Meinung nach vorwiegend deswegen in die EU und NATO um unter dem Schutz der NATO an Russland, Deutschland Rache zu üben und Russland zu provozieren. Vermutlich im Interesse der USA weil es für viele Politiker sowie Oligarchen in den USA unerträglich scheint wenn Deutschland und Russland eine engere Freundschaft pflegen.

  • 20 Maria A. am 2.07.14 10:20 30.07.2014, 18:38 Uhr

    Herr Redakteur! Sie sind wirklich ein Sonderfall - denn was in diesen Wochen uns Mediennutzern zugemutet wird, das ist bald nicht mehr zu übertreffen! Bei MDR hat man (natürlich nicht zum Bloggen nutzbar) einen Beitrag über TROLLE geschaltet. Und da wird lang und breit philosophiert, woran man derartige Kommentare erkennt und - natürlich wieder voll mit Bezug auf die Ukraine-Krise! Der Mainstreamjournalismus des MDR ist nicht mehr zu toppen - jetzt erklären die ihre eigene unobjektive Vorgehensweise noch anhand angebl. bezahlter Trolle irgendwelcher Genres...Eine objektive Meinungsäußerung ist nahezu unmöglich geworden bei diesem Sender - es wird zensiert, dass man glaubt, es sei die SED wieder am Ruder. Außerdem gibt es KEINERLEI Beiträge im Blog zum beängstigenden Terror der ISIS - sowieso nie zu dem brandaktuellen Geschehen in den islamischen Ländern. Bleibt bei der ARD wenigstens an den Tatsachen - man kann euch nicht genug Beifall zollen, dass ihr diesen Blog geschaltet habt! ...

  • 19 Frank am 29.06.14 16:09 30.07.2014, 18:37 Uhr

    Der russische Diktator Wladimir Putin ist der gefährlichste Politiker Europas seit Jahrzehnten, aber die Nato hat ihm klare Grenzen aufgezeigt und das war auch richtig so! Der illegale Einmarsch von Putin auf der Krim hat den Konflikt in der Ukraine überhaupt erst ausgelöst. Putin ist damit für sämtliche Todesopfer dieses Konflikts verantwortlich. Die Sanktionen der westlichen Länder haben Russland hart getroffen und wenn Putin in der Ukraine einmarschieren würde, dann würde der Westen so schwere Sanktionen gegen Russland verhängen, dass dieses Land in wenigen Jahren am Ende wäre. Die politische Führung in Moskau muss akzeptieren, dass die Zeiten der Sowjetunion schlichtweg vorbei sind. Die Wahlen in der Ukraine haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Menschen dieses Landes in eine freie und selbstbestimmte Zukunft ohne russische Fremdherrschaft gehen wollen. Das ist auch das gute Recht der Menschen dieses Landes. Ich könnte mir die Ukraine eines Tages sehr gut in der EU und in der N ...

  • 18 Boleslawsky Ralph am 26.06.14 10:21 30.07.2014, 18:37 Uhr

    Herr Reslte, man mag von russland halten was man will: Nicht Russland hat seit 1945 irgend einen Krieg angefangen, sondern die USA und ihre NATO-Helfershelfer inklusive Deutschland. Mit welchen Folgen: zerstörte Länder wie Irak, Libyen, Syrien. Nicht Russland hat die Atombomben eingesetzt, sondern die USA. Damit sind es für mich die USA und die NATO, die andere Länder mit Krieg überfallen, um ihre Weltanschauung durchzusetzen. Wer ist hier also verabscheuungswürdig ?

  • 17 Wladislaw Safronoff am 1.05.14 11:54 30.07.2014, 18:36 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte Fragen - wieso ich für Putins-Propaganda meine Steuergelder ausgeben soll? Wenn ich auf ARD-WDR Seite Link zu solchen Blogs sehe: http://www.wdrblog.de/monitor/archives/2014/03/putins_ukraine_-_europas_versa.html , wo ich diese Sätze lesen kann: "Europas Au�enpolitiker dagegen? Geblendet vom scheinbar demokratischen Aufbruch auf dem Maidan, hinter dem sich ein brauner Sumpf von Nationalisten und Faschisten auftut, die mit europ�ischen Werten eben soviel gemeinsam haben wie die Dynamo Kiew-Ultras mit einer schwulen Hochzeitsgesellschaft." Es ist eine Beleidigung für MEHRHEIT von Ukrainer! - Von deutschen Steuergeldern finanziert - Dann kann ich ja genauso "Stimme Russlands" lesen...

  • 16 IchBinGegenPropaganda am 11.04.14 9:32 30.07.2014, 18:36 Uhr

    Leute macht euch nicht zu schnell ein Bild von diesen Geschichten! Dieser Author ist eindeutig voreingenommen, hat allem Anschein nach das typische westliche Bild(USA gut, Russland schlecht) Russlands im Kopf, und weiß ganz offensichtlich nicht über das Leben in Russland Bescheid! Ich finde es sehr schade, wie extrem man im Westen Propaganda betreibt, aber gleichzeitig in der Schule erzählt bekommt, die anderen Länder würden Propaganda betreiben. Der Author hier nennt keinerlei Querverweise und begründet noch nicht mal seine leeren Behauptungen. Schande über die westliche Politik(=Finanzdiktatur)

  • 15 Harry Hirsch am 10.04.14 21:32 30.07.2014, 18:36 Uhr

    Der Blog-Beitrag ist (fast) sehr gut! Extrem wichtig war die Klarstellung in dem einen Absatz, indem der Autor zeigt, dass er nicht zu den Schwarz-Weiß-Seher gehört, wie es sie heutzutage fast nur noch gibt. Und gerade dieser Absatz ist ja hier in der Kommentarspalte zum größten Kritikpunkt geworden. Völlig zu unrecht, wie ich finde! Denn dieser Absatz zeigt, dass der Autor Fehler auf BEIDEN Seiten sieht. Russland baut die Demokratie ab - und der Westen hat versagt. Beides stimmt!!! Nur "fast" sehr gut ist der Artikel, weil er immer noch (was auch bei den Putin-Fans üblich ist) die Rechtsextremen in den Vordergrund stellt. Es wird suggeriert, als seien sie die Strippenzieher hinter den Maidanprotesten. Aber das glaube ich einfach nicht! Nazis sind dafür bekannt, dass sie sich unter die Menge mischen, um im Chaos ihre Ziele durchzusetzen. Das bedeutet aber nicht, dass sie zur Menge gehören! Sie haben sie unterwandert! Dasselbe gilt für die Heckenschützen, wo jetzt rauskommt ...

  • 14 Uli am 10.04.14 16:41 30.07.2014, 18:35 Uhr

    Ich weiß wirklich nicht, warum die Bundesbürger erst heute aufwachen, denn die Berichterstattung im Fernsehen war eigentlich eindeutig genug. Die Kommentare waren absolut gegensätzlich zu den im Hintergrund gezeigten Bildern! Fazit: Der Bundesbürger denkt inzwischen so oberflächlich, dass er die tieferen Sichten der Wahrheit nicht mehr erkennt, obwohl sie deutlich vor Augen sind. "Friedliche" Demonstranten, die die "verbrecherische" Polizei mit Molotow-Cocktails bewerfen, ein Demonstrationszug gegen Putin in Russland mit zigtausend Demonstrierenden, wobei wir in Berlin bei unserer Demonstration gegen den Pflegenotstand nach genannten Zahlen deutlich weniger waren, in der sichtbaren Masse aber deutlich mehr!!!! Und das ließe sich noch esentlich weiter fortführen! Was mich vor allem an unserer Bundeskanzlerin stört, ist ihre Aussage, dass sie als Christ betet. Doch als Christ sollte sie wissen, dass Ehrlichkeit über politische Korrektness geht! Wir haben als Christen durchaus a ...

  • 13 akam am 10.04.14 11:03 30.07.2014, 18:35 Uhr

    darf nicht allein auf die Überzeugungskraft europäischer Grundwerte vertrauen --- welche werte meinen sie genau ? Bomben-werte in jugoslavien, vlt in Irak ? Lybien ? oder merkel-ünterstützung von faschisten in der ukraine ? es gibt genügend bilder im netz, wo sie mit den feinen herren zusammensitzt

  • 12 Zero-Cool am 30.03.14 6:30 30.07.2014, 18:34 Uhr

    Was, wenn auch die Chinesen mitmachen? Die Rhetorik der führenden westlichen Politiker und ihrer medialen Helferkaste gegenüber Russland und seinen Präsidenten ist brachial in diesen Tagen. Ist es die Trotzreaktion von Kindsköpfen, die sich kurz vor dem Sieg im Frontstaat Ukraine wähnten und dann plötzlich feststellen mussten, dass sie gerade eine Partie verloren hatten? Sicherlich auch. Aber galt nicht Wladimir Putin bereits vor den Demonstrationen auf dem Maidan in der hiesigen Presse als personifizierter Beelzebub? Wurde nicht bereits vor der Olympiade von Sotschi die westliche Propaganda auf Pussy-Riot-Modus hochgeschaltet? So oder so – die Mischung aus Brachialrhetorik, gekränkter Eitelkeit und wilden Drohungen kann sich verselbständigen und wechselseitig hochschrauben. Schon möchte „der Westen“ Russland „durch Wirtschaftssanktionen in die Knie zwingen“. Ein jetzt eben notwendiger Feldzug könnte das werden, mit anderen Mitteln geführt, ein „Wirtschaftskrieg“ eben. Und ...