30 Jahre nach Tschernobyl: Nie vergessen!

Georg Restle am 26.04.2016

30 Jahre nach Tschernobyl: Nie vergessen!

Von Georg Restle

Es waren gespenstische Tage im Frühjahr 1986; die ersten Nachrichten aus der Ukraine beängstigend: Ein Atomkraftwerk in einem Ort, den bis dahin niemand kannte, war explodiert. Irgendwo weit weg, jenseits des eisernen Vorhangs. Weit weg von Deutschland jedenfalls - und doch so nah. Nach schwerem Regen wärmte hier die Sonne wieder - niemand ahnte, niemand informierte darüber, dass die Regenwolken die Radioaktivität aus Tschernobyl längst bis weit nach Mitteleuropa getragen hatten.

Ein rostendes Riesenrad in der ukrainischen Stadt Pripjat im Sperrgebiet nahe dem Reaktor von Tschernobyl im Jahr 2013

Die ukrainischen Stadt Pripjat im Sperrgebiet bei Tschernobyl

Wir schwammen in den Seen, aßen das frisch geerntete Gemüse und hatten keine Vorstellung davon, welche Dramen sich zweitausend Kilometer östlich abspielten: Arbeiter, die auf dem noch glühenden Reaktor ihr Leben zerstörten, Zehntausende auf der Flucht aus der Todeszone: Bilder, die im deutschen Fernsehen erst viel später zu sehen waren; Bilder einer Jahrtausendkatastrophe, die von Menschen gemacht wurde. Es vergingen Tage, Wochen, bis die deutsche Regierung endlich warnte; bis klar wurde, was wirklich geschehen war in Tschernobyl. Und immer wieder verharmloste der deutsche Innenminister die Folgen des bis dahin größten Unfalls der Atomgeschichte, der nun kein anzunehmender mehr war, sondern ein tatsächlicher.

Heute noch leiden und sterben Tausende an den Folgen von Tschernobyl; darunter viele der sogenannten "Liquidatoren" und Kinder, die ich vor fünf Jahren in der Ukraine besucht habe. Aber nicht nur dort: Auch in Deutschland sterben Menschen an den Folgen des radioaktiven Fallouts, auch wenn nie eine Statistik darüber geführt werden wird, und auf keinem Todesschein je "Tschernobyl" stehen wird.

Deshalb muss auch 30 Jahre danach an Tschernobyl erinnert werden: Damit nie wieder bezweifelt wird, dass es keine "friedliche Nutzung der Atomkraft" gibt. Damit die Verharmlosung der Möglichkeit und der Folgen solcher atomaren Katastrophen für immer ein Ende hat. Und damit die Opfer von Tschernobyl nicht vergessen werden - nicht hier und nicht dort.

Stand: 26.04.2016, 16:00

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

Regeln fürs Kommentieren

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

Wie lautet der erste Buchstabe des Wortes "Baum"?

Warum stellt das Erste diese Fragen?

5 Kommentare

Neuester Kommentar von "Anonym", 23.12.2016, 20:13 Uhr:

Erst recht darf es keine militärische Nutzung von "Atomkraft" (Atombomben) geben. Doch leider arbeiten unsere Politiker derzeitig in vergleichbarer Weise in Richtung Krieg wie es Politiker vor den beiden Weltkriegen taten; und deren Unterstützer, die journalistischen Medien versuchen täglich die Bevölkerung auf einen Krieg einzustellen. Wann endlich werden diese beiden Berufsgruppen im Land ihre Energie wieder in Richtung Friedensschaffung aufwenden. Das friedliche Leben so festigen dass die Menschen sich des Lebens freuen können und keine Sorgen davor haben müssen ihr Leben durch einen Krieg zu verlieren. Über Jahrzehnte wurde in unserem Land durch Demonstrationen gegen Atomkraftwerke gekämpft doch in den letzten Jahren scheinen alle mit der Atombombenlagerung und der Erneuerung dieser schrecklichen Waffen einverstanden zu sein (scheinbar auch die Grünen); und das obwohl es jedem klar sein müsste dass im Fall eines Krieges diese Lagerstätten als erstes durch solche schreckli ...

Kommentar von "Alexander", 22.11.2016, 22:00 Uhr:

Eine sehr interessante Sendung und auch wichtig in Bezug auf das Allgemeinwissen. Darum verstehe ich nicht warum ich plötzlich diese Sendung nicht zeitversetzt anschauen kann bzw. aufnehmen kann, um die vielen Informationen nach und nach oder mit Pausen zu "verdauen". Mein Fernseher meldet mir, dass die Sendung einen Kopierschutz hat. Bei solch einer Sendung finde ich es nicht angebracht. Auch fühle ich mich dadurch ins Zeitlater des alten analogen Fernsehens zurückversetzt, wo kaum was möglich war. Hier scheinen mir die digitalen Möglichkeiten für restriktive Regeln gebraucht zu werden. Schade.

Kommentar von "Realo Ost", 26.05.2016, 20:15 Uhr:

Nur in Japan scheinbar nicht. Denn die Japaner haben trotz des Unglücks wieder ein neues Kernkraftwerk gebaut, oder liege ich da falsch? Wie auch woanders, gleich hier nebenan in Europa, an der Kernenergie fest gehalten wird. Bloß wir Deutsche retten die Welt... Ehrlich - glauben Sie, die Wolke macht deswegen um uns gutmenschliche Umweltschützer einen Bogen, wenn in England ein Störfall eintreten wird oder noch schlimmer, in Belgien? Wäre es nicht besser, man würde EU-weit die Sicherheitsauflagen enorm verstärken, als dieses allgemeine Verbot anstreben? Wir Bürger tragen doch letztendlich die total überhöhten Kosten für den Atomausstieg. Keine andere Regierung, als die deutsche, mutet ihrem Volk zukünftig solche hohen Strompreise zu! Man kann sich nur noch wundern, wie viel sich der deutsche Michel gefallen lässt. Der nimmt in 10 Jahren sogar noch einen Kredit auf für die Zahlung der unsäglich gestiegenen Fixkosten. Ehrlich - so blöd schätze ich tatsächlich unsere "Warmduscher" ein ...

Kommentar von "Miriam S", 01.05.2016, 13:46 Uhr:

"Heute noch leiden und sterben Tausende an den Folgen von Tschernobyl; darunter viele der sogenannten "Liquidatoren" und Kinder, die ich vor fünf Jahren in der Ukraine besucht habe. Aber nicht nur dort: Auch in Deutschland sterben Menschen an den Folgen des radioaktiven Fallouts, auch wenn nie eine Statistik darüber geführt werden wird, und auf keinem Todesschein je "Tschernobyl" stehen wird." und sie werden auch leiden unter den Folgen eines Gaus der Meiler in Belgien, denn wir haben fast immer Windströmung von Westen her und die Meiler dort sind völlig marode. man sollte auch das nicht vernachlässigen in allen Debatten um Sicherheit...etc...

Kommentar von "Hendrik", 27.04.2016, 20:14 Uhr:

"Atomenergie ist ungefährlich und billig" Weder noch. Zum Linkthema hatte Monitor schon berichtet. Das es schlussendlich so krass für den Steuerzahler endet, dürfte selbst den letzten Atombefürworter überraschen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/atomausstieg-der-letzte-sieg-der-atomindustrie-kommentar-a-1089591.html