Lampedusa: Die Beileidsheuchler

Georg Restle am 07.10.2013

Lampedusa: Die Beileidsheuchler

Von Georg Restle

Die Toten von Lampedusa: Dieses Mal waren sie uns ein paar Schlagzeilen wert - und für einen kurzen Moment sieht es so aus, als wolle Europa nicht achselzuckend zur Tagesordnung übergehen. Nur: Was ist von einer kollektiven Beileidsbekundung zu halten, die jede Schuld von sich weist und am Ende die Flüchtlinge selbst für ihr Elend verantwortlich macht?

Flüchlingsunglück vor Lampedusa

Flüchlingsunglück vor Lampedusa

Seit Jahren schon nehmen Europas Regierungen die Toten im Mittelmeer billigend in Kauf, weil es ins Konzept eines abgeschotteten Kontinents passt. Ein Abschreckungsszenario, ausgeführt von einer Agentur namens Frontex, die offenen Auges geschehen lässt, dass Tausende in den Fluten des Mittelmeers verrecken. Vollzogen von einer Justiz, die einfachen Fischern hohe Strafen androht, wenn sie den Schiffbrüchigen zur Hilfe kommen. Es ist die große Perversion eines Europas, das denen die eiskalte Schulter zeigt, für deren Not es selbst mitverantwortlich ist. Ob Lebensmittelspekulationen oder Waffenhilfe für afrikanische Despoten: Für die europäischen Regierungen zählt Afrika vor allem als Rohstofflager; für die Menschen bleiben die Brosamen der Entwicklungshilfe - und die kalte See.

Für Juristen gibt es eine feine Linie, die die Grenze zwischen Fahrlässigkeit und Vorsatz zieht: Wer einen Taterfolg für möglich hält und ihn billigend in Kauf nimmt, handelt vorsätzlich. Und wer den Tod Tausender aus niedrigen Beweggründen billigend in Kauf nimmt, obwohl er zum Schutz dieser Menschen verpflichtet ist, ist de jure ein Massenmörder. Er sollte für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Und von Beileidsbekundungen Abstand nehmen.

Georg Restle

Stand: 07.10.2013, 18:50

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