70 Jahre danach: Auschwitz und die Deutschen

Georg Restle am 27.01.2015

70 Jahre danach: Auschwitz und die Deutschen

Von Georg Restle

Es müsste ein großer Feiertag sein. 70 Jahre liegt die Befreiung von Auschwitz heute zurück – ein ganzes Menschenleben lang. 70 Jahre, in denen die Erinnerung blass geworden ist und nur noch in den wenigen Gesichtern der Überlebenden lebendig, die uns heute mahnen. Wir Nachgeborenen dagegen haben uns in einer abstrakten Erinnerungskultur eingerichtet, die das Grauen von Auschwitz in erträgliche Formen kleidet.

Stacheldrahtzaun in Auschwitz

Stacheldrahtzaun in Auschwitz

Keine toten Augen, keine ausgemergelten Körper, keine Spuren der schier unfassbaren alltäglichen Brutalität, mit der Millionen gefoltert und ermordet wurden.

Stattdessen Stelen, Kränze, Rituale. In dieser Abstraktion liegt die Distanzierung verborgen. Und in der geübten Pflichtschuldigkeit das Freimachen von Schuld. Nicht im Sinne einer unmittelbaren Schuld der heutigen Generationen. Aber im Sinne einer Schuld der unterlassenen Erinnerung.

Fast 60 % der Deutschen fordern endlich, endlich einen Schlussstrich. In dieser Zahl wird das Versagen einer deutschen Gesellschaft deutlich, die nicht mehr betroffen sein will. Die das Erklärbare ins Unerklärliche hüllt und das Beschreibbare ins Unbeschreibliche. Als hätten nicht Menschen gehandelt. Als gäbe es keine niedersten Instinkte, die aus Bürokraten Mörder und aus braven Bürgern Henkersknechte machten. Und immer wieder machen können.

Ja, es gibt diese Pflicht zur Erinnerung für jeden, weil Auschwitz eben auch zu Deutschland gehört; nicht nur zu seiner Geschichte, sondern auch zu seiner Identität. Der Ruf „Nie wieder Auschwitz!“ darf nie verklingen – nicht in diesem Land. Aber er muss aus unseren Herzen kommen, wo wir das Leid der Millionen unverhüllt in uns tragen. Oder wie es Marion Turski, einer der Überlebenden, gestern sagte: „Wenn jemand heute einen Rom, einen Juden, Bosnier, Türken, Israeli, Palästinenser, Christen, Moslem oder Ungläubigen demütigt, so ist es, als beginne Auschwitz von neuem“.

Stand: 27.01.2015, 17:43

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37 Kommentare

Neuester Kommentar von "Lorellay Reggentin", 29.07.2015, 11:45 Uhr:

http://de.wikimannia.org/Jugendamt Sehr geehrte Damen und Herren Ob wohl man in Ihrem Job,weiß darüber was Jugendamt in Wahrheit geworden ist - ist ab und zu notwendig es zu lesen, um nicht zu vergessen und von dem Weg nicht zu weichen.So kann man den armen Kinder - die Erfahrung mit dem Jugendamt gemacht haben, besser helfen,mit all dem Kraft was man sammeln muss. So werden Sie auch mir helfen können und im erste Stelle meinem Sohn der leidet sehr unter den Trennung. MfG Lorellay Reggentin Sehr geehrter Damen und Heeren - Meine frage ist - Was bedenken Sie gegen das Jugendamt zu Unternehmen der Zerstört die ganze Familien und psychisch ruiniert nicht nur Kinder,sondern auch,die Eltern die sich bemühen,ohne einen Einsicht zur gewinnen,um eigene Kinder aus Krallen des Jugendamtes zu holen.Manche Kinder wie auch Eltern,bringen sich dabei um,weil sie nicht in die Lage sind solche psychische Terror des jugendamtes zu ertragen.Was bedenken Sie gegen dieser Maschinerie - Jugenda ...

Kommentar von "marian", 21.06.2015, 18:49 Uhr:

"Vorstellungen der bigotten Pilgrim Fathers, die ...ihre Ansprüche sehr klar formuliert hatten. 1. Die Erde und alles darin sind Gottes. 2. Gott mag die Erde oder irgendeinen Teil davon seinem auserwählten Volk geben. 3. Wir sind sein auserwähltes Volk. Konsequenz: Expansionismus und eine vermeintlich schicksalhafte Bestimmung (...) beherrschten das Denken und Handeln der Siedler wie der Präsidenten" Wertz in seinem buch weltbeherrscher über d usa; auffallend die übereinstimmung mit israelischer sicht auf palästina, vor allem unter 3.

Kommentar von "Miriam S", 18.06.2015, 13:20 Uhr:

und das Ende des Gedichtes und der Sicht eines "HEILIGEN Landes" Ihr verteidigt leere Straßen, markiert sind sie mit frischem Blut; euer Verbrechen kennt keine Maßen, ihr züchtet Hass und Wut...

Kommentar von "Miriam S", 17.06.2015, 16:24 Uhr:

Fortsetzung des Gedichtes von G.Banzer "Ihr tötet immer jede Hoffnung, die geboren wird in dunkelster Nacht; durch euch erstickt meine Schöpfung, sogar frisches Leben habt ihr umgebracht. Meine Kinder sind keine Pesach-Lämmer, die ihr schlachtet mit Freude und Spott. Für den Frieden seid ihr kein Hoffnungsschimmer, ich will nicht mehr sein euer Gott. Trotz der Sonne hellen Strahlen, macht ihr ihnen den Tag zu Nacht; durch eure schmerzhafte Qualen in meinem Namen habt ihr dies vollbracht! Menschen behandelt ihr wie Viecher, aber mit Viechern geht ihr humaner um. Nun steht ihr da als Helden, ihr Sieger, all eure Moral ist mir zu krumm. Gelöscht habt ihr am Altar die Kerzen, die der Verlorene als Hilfe sah; für ihn seid ihr die Quelle der Schmerzen, ihr tut ihm an, was einst euch geschah. Damals unter der Verbrecherbande, die vergessen haben jedes Recht; eure Eltern richteten sie zugrunde, euer Unterricht war doch nicht schlecht! Ihr verteidigt ...

Kommentar von "Miriam S", 02.06.2015, 19:45 Uhr:

Georg Banzer zu Israel Suche nicht nach Gott, dem einen, ihn findest du nicht in diesem Land. Er ist ausgewandert, um zu weinen, hier hat der Tod alles in der Hand. Gott wohnt in Höhlen, in den Bergen, ganz vereinsamt und allein; er will nicht mehr sehen die Werke, die ihr macht, tagaus, tagein. Ihr habt ihm gebrochen das Herze, aus dem strömt Liebe und Leben; ihm gabt ihr als Dank nur Schmerzen, unschuldige Seelen an euren Händen kleben. Und den vielen armen Kindern nahmt ihr das letzte Brot; Kugeln gabt ihr ihnen in den Mündern, im Leben schauten sie in euch den Tod. Das Grüne, das Hoffnung brachte, in tiefstem Elend und schlimmster Not, habt ihr verbrannt und es krachte, der Friede, den ich euch bot. Damals auf dem Sinai Berge eure Not war noch nicht vorbei; eure Großen waren vor mir wie Zwerge, jetzt seid ihr Obermeister der Quälerei. Ihr tötet immer jede Hoffnung, die geboren wird in dunkelster Nacht; durch euch erstickt meine Schöpfu ...

Kommentar von "Daniel K", 01.06.2015, 19:08 Uhr:

Steinmeier hat seinen "Fauxpas" korrigiert: ist nach Israel gereist, aber anschließend auch nach Gaza und äußerte sich dort entsetzt über den Zustand in den Israel diesen Küstenstreifen gebombt hat.. Netanjahus Reaktion darauf bleibt ab zu warten...

Kommentar von "Daniel K", 31.05.2015, 08:47 Uhr:

Ist so was mit Herr und Hund... Jedenfalls übergeht man in Berlin den Affront Israels gegen den deutschen Aussenminister mit Schweigen: Steinmeier wollte sich über die Lage der Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien informieren und besaß "die Frechheit" unterwegs nicht bei Netanjahu vorbeizuschauen; das ging ja nun gar nicht!deshalb bekam er kein Überflugsrecht: "Stattdessen musste zuerst zypriotischer Luftraum angeflogen werden, um dann in einer Art U-Turn in Richtung Amman abzudrehen - insgesamt ein Umweg von rund 600 Kilometern."(t-online)

Kommentar von "marian", 16.05.2015, 09:52 Uhr:

heute begegnete mir jemand von den ahnungslosen: der mir voller entsetzen über seine erkenntnis berichtete, dass es in Israel so etwas wie das silikon-valley gäbe, in dem am laufenden band an der weiterentwicklung von waffen geforscht würde und gipfel des zynismus, dass diese waffen am lebenden objekt getestet würden, die kriege mit den nachbarn seien ja nichts anderes als solch ein testfeld.... man hat im laufe der zeit vom großen bruder gelernt (hiroshima und nagasaki, vietnam, irak...) und was die brutalität auf dem schlachtfeld angeht, bereits von den nazis

Kommentar von "Miriam S", 12.05.2015, 18:53 Uhr:

*lach* Daniel: heute ist das Herrchen selbst im Zoo aufgetaucht und hat seinen kleinen Kläffer in einen andern Zoo geschickt...und dort wedelte der Knirps freudig bellend mit dem Schwänzchen...

Kommentar von "Daniel K", 12.05.2015, 13:41 Uhr:

Sollte es ihr echt um die Einhaltung des Völkerrechtes gehen im Zusammenhang mit der Kri ... (leider abgeschnitten...) notwendige Ergänzung: Sollte es ihr echt um die Einhaltung des Völkerrechtes gehen im Zusammenhang mit Grenzverletzungen und Annexionen, dann ist es zumindest merkwürdig zu nennen, dass ihr solche "Verbrechen" nie bei ihrem Freund Netanjahu auffielen...Netanjahu hat nach seiner Wiederwahl bekanntlich zynisch u.unumwunden vor der Weltöffentlichkeit seinen Willen zum "weiter so" von sich gegeben: d.h.: Er wird keine "2-Staatenlösung dulden und die Okkupation ganz Palästinas nicht aufgeben und weiterhin die Annexion der Westbank betreiben.Auch bei Verbrechen" gegen das Völkerrecht sind eben aus Merkels Sicht manche gleicher....

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