Gegen das Gift des Nationalismus

Georg Restle am 14.12.2014

Gegen das Gift des Nationalismus

Von Georg Restle

"5.000 Menschen haben hier, mitten in der Stadt, Ende Oktober demonstriert. 5.000 Menschen, die sich Hooligans gegen Salafisten nennen. Keine Frage, mit wem wir es da zu tun haben: Mit einer braunen Suppe, in der sich ultrarechte Hooligans mit altbekannten Neofaschisten vereinen. Schlimm genug, dass sich hier Krawallbrüder im Geiste zusammengeschlossen haben.

Demonstration

Demonstration Du bes Kölle - Kein Nazis he op unser Plätz

Aber wir sollten uns nichts vormachen: Die Gefahr geht nicht von den 5.000 aus. Die Gefahr geht davon aus, dass für diese Nazis endlich ein Traum in Erfüllung geht. Dass sie in ihrem angeblichen Kampf gegen Salafismus plötzlich ein Thema gefunden haben, das weit in die Mitte der Gesellschaft reicht.

Einige der Leute, die hier im Oktober in Köln demonstriert haben, haben wir nämlich letzte Woche in Düsseldorf wieder getroffen. Und wir werden sie morgen in Bonn, Hannover oder Kassel wieder sehen, wo sie versuchen werden, neue Partner zu finden. Die altbekannten Nazis wollen eine Brücke schlagen zu denen, die sich allen Ernstes „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nennen. Darin besteht die Gefahr: Dass die ultrarechte Szene in Deutschland einen Resonanzboden findet – mitten in der Gesellschaft.

Dabei geht es ihnen gar nicht wirklich um den Kampf gegen islamistische Gotteskrieger. Im Gegenteil: Sie haben viel mit denen gemeinsam. Beide Lager, Islamisten und Rechtsextremisten, kämpfen gegen eine weltoffene Gesellschaft. Beide kämpfen gegen Religionsfreiheit. Beide kämpfen gegen liberale Grundwerte. Gegen Schwule und Lesben. Gegen eine freie Presse, die sich nicht mit ihren Zielen gemein macht. Das meinen sie nämlich wirklich mit „Abendland“: Ein modernes Kreuzrittertum im Kampf gegen eine liberale Gesellschaft. Ein Abendland, das nichts mit Toleranz zu tun hat, nichts mit Weltoffenheit und nichts mit Freiheit für Andersdenkende und -lebende.

Und ja, es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen den Hooligans von Köln und den aufgebrachten Bürger der Pegida. Diese Gemeinsamkeit ist ein kleines Wort; und das heißt „ABER“! Wir haben nicht gegen Muslime, ABER! Wir haben nichts gegen Europa, ABER! Wir haben nichts gegen Flüchtlinge, ABER!

Wer verstehen will, mit wem wir es hier wirklich zu tun haben, der muss auf die Sätze hinter dem ABER schauen.

Ob Hooligans oder Pegida, diese Leute eint ein Ziel: Sie wollen keine Einwanderer in Deutschland, die ihre eigene Kultur mitbringen – und schon gar keine, die aus Not zu uns kommen. Sie wollen nicht, dass auch der Islam zu Deutschland gehört. Sie wollen nicht, dass Menschen dieses Land bereichern, weil sie anders sind. Es geht ihnen eben nicht um den Kampf gegen Dschihadisten oder Islamisten, wie sie behaupten. Es geht ihnen auch nicht um ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Es geht ihnen im Kern um einen abendländisch verbrämten, chauvinistischen Nationalismus, der die Grenzen dicht machen will. Um ein deutsches Vaterland, in dem Einwanderung zum Gnadenakt wird für ein paar wenige, die uns nützlich sein können.

Aber wir sollten es uns nicht zu einfach machen. Wir sollten ganz genau hinschauen: Das sind nicht alles Nazis, die da demonstrieren. Das sind viele Bürger, die sich in ihren Ängsten vom demokratischen Establishment nicht mehr wahrgenommen fühlen. Aber das Gift des Nationalismus ist in ihre Köpfe eingesickert, weil ihnen eingeredet wird, dass Muslime dieses Land übernehmen wollen. Dass hinter jedem Muslim ein islamistischer Gotteskrieger steckt. Und dass wir uns dehalb abschotten müssen. Wer dieses Gift bekämpfen will. Wer nicht will, dass es sich weiter ausbreitet. Der darf nicht nur demonstrieren. Der muss diese Menschen aufklären. Der muss ihnen immer wieder sagen, dass wir von Einwanderung profitieren. Der muss ihnen sagen, dass Kriminalität vor allem mit Ausgrenzung zu tun hat. Der muss ihnen sagen, dass internationale Solidarität am Ende allen nützt. Und der muss ihnen sagen, dass gerade dieses Land nie wieder nationalistisch werden darf!

Dass hier heute in Köln 15.000 Menschen auf der Straße sind, ist ein Anfang. Es ist ein großherziges Statement gegen einen engstirnigen und engherzigen Nationalismus. Wenn ich das hier sehe, bin ich froh, in dieser Stadt leben zu dürfen. Du bes Kölle. Du bes super-tolerant. Weiter so!"

Stand: 15.12.2014, 13:41

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7 Kommentare

Neuester Kommentar von "Anonym", 22.05.2015, 10:49 Uhr:

Gleich nach Ihrem Beitrag zu den interviewunwilligen Politikern haben Sie mich lernen lassen, warum sich diese "Volksvertreter" Ihnen nicht mehr zu einem Interview stellen. Ihr darauf folgender Beitrag zu den Flüchtlingen und dem Verhalten der "Einheimischen" hier dazu, hat mir deutlich gemacht, warum diese Politiker bei Ihnen blockieren. Vielleicht liegt es doch auch daran ,dass Sie tatsächlich mit einem sehr einseitigen Blick die Probleme in Ihrem Magazin schildern. Und ich dachte immer, bei Ihnen ist diese blinde Fremdenverehrung, die alle weiteren damit entstehenden Probleme hier einfach nur verneint, nicht Ihre Sache, weil Sie ja auch die Probleme, die hinter einem Thema stehen, durchleuchten, anmahnen und benennen. Aber nix ist. Schade, einen wirklich objektiven, diskussionsfähigen Journalismus, der alle Seiten offenlegt, der ist auch bei Ihnen längst verloren gegangen. Auch bei Ihnen wird nur gebetsmühlenartig das Problem der Flüchtlinge im Allgemeinen, unsere Verantwortung ...

Kommentar von "Stefan Krefeld" , 07.01.2015, 19:06 Uhr:

D`r Adenauer un d`r Milliowitsch werden von oben zuschauen und sich freuen, dass in Kölle dem Rechten Gespenst erneut Einhalt geboten wird. Die Frage ist, wie viel von den Pegida-Märschen hat seine Wurzeln im Berliner Politik-Getriebe. Merkels Gehetze gegen "die Griechen" dürfte doch noch in den Ohren klingen. "Wir haben genug für die bezahlt!..." glaubt mindesten jeder Dritte im Lande. (Ist überhaupt ein Cent geflossen?) "Wer betrügt, der fliegt!!!" War das nicht der Schlachtruf der CSU??? Schieben Sie sich mal zwei Weißwürste in den Mund und Rufen: "Ausländer Maut!" Der Lärm im Bierzelt lässt schnell was anderes in den Ohren ankommen. Merkel faselt von "Willkommenskultur" während die CSU-Granden den Satz vollenden: "...Aber nur in den Abschiebe-Zellen!!!" Wenn man Kriminelle abschieben soll und nie wieder hinein lassen soll, dann ist für Herrn Hoeneß aber die Autobahn A45 schon hinter der Abfahrt Alzenau zu Ende. Die Gleichen die erstere Forderung aufstellen, jubeln mit "R ...

Kommentar von "Gernot T." , 17.12.2014, 19:17 Uhr:

llkommenskutlur aufdiktiert zu bekommen, die zukünftig der Unterdrückung meiner eigenen Nachkommen dient. Ich wehre mich mit Händen und Füßen gegen Asylbewerberunterkünfte in meiner Nähe. Es muss endlich eine Einwanderungsänderung beschlossen werden nach Vorbild Amerikas und Neuseelands. Wohin diese Muslimendienerei geführt hat, sieht man doch jeden Tag - wenn man denn auch will...

Kommentar von "Gernot T." , 16.12.2014, 21:00 Uhr:

Herr Restle, Sie sollten wissen, dass die Dosis das Gift macht. Belladonna kann durchaus Leben retten - nicht nur nehmen. Und so muss auch in Deutschland etwas Nationalismus erlaubt sein - denn wir sind durchaus leistungsfähige und spendenbereite Bürger! Wir müssen uns nicht ständig einschleimen bei anderen Nationen und selbstverleugnen, Herr Restle, nur um die und unsere Grünen und Linken zu beglücken, diese Seelenverkäufer. Ich bin stolz auf die Lebensleistung meiner Großeltern und Eltern, habe über 40 Jahre lang durchgehend gearbeitet. Nebenbei noch Haushalt und Hausbau gemanagt, war für andere Menschen da und spendete immer für Afrika. Das reicht meiner Meinung zu, um dieses Schleimspurgekrieche, was man medial einfordert, zu beenden. Ich will, dass meine Kinder und Enkel in einem friedlichen und offenen Deutschland leben können. Und das ist mit muslimischer Mehrheit nicht gegeben. Diese Menschen stehen für Rückständigkeit und Unbelehrbarkeit. Ich verwahre mich dagegen, eine Wi ...

Kommentar von "Südsachse" , 15.12.2014, 21:35 Uhr:

..eiligenschein ehrenhalber" belohnt werden, so wie die sich für alle Sozialtouristen der Welt engagieren. Das macht aber dem blöde blökenden Steuerschaf keine Freude mehr - immer nur rackern, während sich in den Parallelgesellschaften Abscheu gegen uns Deutsche breit macht und die bereits in offener Aggression ausgelebt wird. Dort sitzen die wahren Rassisten, der wahre kommende Faschismus in Deutschland. Also, so lange es noch so heißen wird - denn man bemüht sich mit besten Kräften, es unter anderen Ethnien aufzuteilen, unterstützt von Grünen und Linken, die sogar als Schwule daran glauben, dass ihr Paradies dann so weitergeht... Also, wälzen Sie sich weiter mit Niedecken in der eigenen Schleimspur - aber kleben Sie ja nicht fest, Herr Restle - die Karawane zieht nämlich weiter...

Kommentar von "Südsachse" , 15.12.2014, 18:49 Uhr:

Heute früh die Schocker-Nachricht aus Sydney über die Geiselnahme von unschuldigen Menschen in einem Cafe durch einen Salafisten. Vorhin ein salbungsvoll geschönter Beitrag vom MDR über Bushidos schlagkräftige "Eheargumente". DER Bushido, dem unsere wohltätigen Gutmenschenprediger den Integratonspreis gegeben hatten - trotz brutaler Texte seiner Songs... In Syrien schlachten brutale Männer im Zeichen des Islams Menschen ab, seit Jahren übrigens in Afrika bereits Muslime Andersgläubige, sogar Nonnen oder Mitglieder von Hilfsorganisationen. Und hier in Europa gibt es seit Jahren brutale Vergewaltigungen von Minderjährigen durch muslimische Zuwanderer, sowie andere, auch viele weitere Straftaten - zu viele im Verhältnis gesehen. Und da wundert sich der Herr Restle über Pegida-Demos? Ja - wo lebens denn, Herr Journalist? Genau dort, wo die Schönen und Reichen in geschützten Villengegenden wohnen, sowie solche Betroffenheitsjauler wie der Niedecken, der ab nächstes Jahr wohl mit dem "H ...

Kommentar von "Hugo Trotz" , 15.12.2014, 17:49 Uhr:

Es ist doch seltsam: Sie haben die Demonstranten bei verschiedenen Demos wieder getroffen und regen sich darüber auf? Dabei waren Sie doch auch mehrmals unterwegs, oder? Beanspruchen Sie nur das Recht, dahinzuziehen, wo es für Sie "lohnende Aktionen" gibt? Das ist absolut typischer Radikalenpopulismus - bei rechten, wie linken, Fanatikern tief verankert. Gensuso wird draufgedroschen, wenn man in einer Gruppe ist und zwei Hools auf dem Nachhauseweg von der Demo "erwischt", die man abgrundtief ablehnt. Da kennt man keine Gnade - da ist nix mehr die Rede von weltoffen und Toleranz... Ihr seid alle untragbar in der Demokratie - die widerlichen Linksautonomen wie die verbohrten Rechten!