Der Aufstieg der AfD – Sind die Medien schuld?

Georg Restle am 26.09.2017

Der Aufstieg der AfD – Sind die Medien schuld?

Von Georg Restle

Es ist eine Debatte, die seit zwei Tagen an Schärfe zunimmt: Die Medien sind schuld, heißt es jetzt: Am Aufstieg der AfD, an ihrem Wahlerfolg; überhaupt daran, dass Deutschland nach rechts gerückt ist. Ein seltsames Schwarzer-Peter-Spiel ist das – gespielt vor allem von Politikern und Politikerinnen der ehemals Großen Koalition.

Mikrofone verschiedener Fernsehsender stehen am 13.02.2017 im Thüringer Landtag in Erfurt vor dem Parteilogo der AfD

Der Aufstieg der AfD und DIE Medien

Als hätte die Regierungspolitik nichts damit zu tun. Als hätte allein die Berichterstattung über ein evidentes Phänomen in Deutschland dieses Phänomen erst geschaffen oder richtig groß gemacht.

Wer so argumentiert irrt mehrfach: Erstens gibt es DIE Medien nicht. Zweitens lässt sich die Dynamik rechts-nationalistischer Bewegungen und Parteien weltweit beobachten, völlig unabhängig von der jeweiligen Medienlandschaft. Und drittens verbietet sich ein solches Argument, jedenfalls soweit es die Unterschlagung einer gesellschaftlichen Realität nahelegt.

Nein, am Aufstieg der AfD sind nicht vor allem die Medien schuld. Und trotzdem gibt es Grund zur Selbstkritik. Dabei geht es vor allem um das „Wie“ der Berichterstattung. Und hier gab es einen entscheidenden Wandel, der viel mit der Kölner Silvesternacht zu tun hatte. Überrascht von der Dynamik der Kölner Ereignisse schworen sich Journalisten im ganzen Land plötzlich darauf ein, die Dinge endlich „beim Namen zu nennen“ und die Sorgen von Pegida & Co. ab sofort "ernst zu nehmen". Dabei schlug das Pendel von einer tendenziell flüchtlingsaffinen Berichterstattung weit auf die andere Seite aus – getrieben von einem schlechten Gewissen, man habe bisher zu vieles zu schön geredet oder geschrieben. Aus "Refugees welcome!" wurde "Criminal refugees!".

Das Resultat: Plötzlich wurden aus Einzelfällen gesellschaftliche Phänomene. Plötzlich schien es, als sei die drohende Gruppenvergewaltigung durch Zuwanderer ein reales Sicherheitsrisiko in Deutschland, obwohl dies keine Polizeiliche Kriminalstatistik hergibt. Der Fehler: Oft wurde nicht mehr eingeordnet, auch weil man sich nicht den Vorwurf gefallen lassen wollte, damit Straftaten zu verharmlosen. So entfalteten die Bilder schrecklicher Einzeltaten eine ungebremste Kraft, die Ängste schürte und Fremdenfeindlichkeit gedeihen ließ.

Ja, wir Journalisten haben eine Mitverantwortung für das gesellschaftliche Klima in diesem Land. Und deshalb gibt es vor allem drei Regeln, die wir beherzigen sollten: Nichts verschweigen, Phänomene einordnen und Panikmache vermeiden. Eigentlich sind das Selbstverständlichkeiten. Aber damit wäre schon viel geholfen, gerade in diesen Zeiten!

Stand: 26.09.2017, 17:00

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66 Kommentare

Neuester Kommentar von "Schneider", 06.12.2017, 14:24 Uhr:

Genau wie die journalistischen Medien am Aufstieg der AfD eine Mitschuld tragen, tragen unsere Medien aus den „Guten Wertegemeinschaften“ (NATO-Länder) eine Mitschuld daran dass unser Nachbarland in der Bevölkerung als „Erzfeind“ angesehen wird. Unsere journalistischen Medien sind auf dem Weg den in vorherigen Diktaturen wirkenden Propagandaministerien gleich zu tun. Täglich nur noch Hetze, Beschuldigungen sowie Beschreibungen dass Russland ein Feindesland von uns sei. Warum senden unsere Medien noch fast jede Nacht ihre Reportagen über den 2. Wektkrieg wenn sie selber ein Bestreben zeigen uns in einen 3. Weltkrieg zu hetzen?

Kommentar von "Hans", 04.12.2017, 08:29 Uhr:

Sind keine Einzelfälle, sondern wir sehen eine Fallhäufing Z.B. hier. Hollenstedt und Buchholz sind nicht weit von einander entfernt. Der bewaffnete Angrif war "früher" eine absolute Ausnahme. Meldungen vom Wochenende: Hollenstedt: Unbekannter Flüchtling zieht Ägypter Cuttermesser durch das Gesicht! Buchholz: Marokkaner sticht auf einem Parkplatz einen 34-jährigen Buchholzer nieder! Die PKS mag die Gruppenvergewaltigung nicht bestätigen. Die deutsche nicht, aber die schwedische. Letztere weist aus, daß Beteiligte und Verdächtige zu fast 100% junge Leute arabischer/orientalischer Herkunft sind. 9 von 10 Fällen sind Einheimische. Die Kurve steigt gleichmäßig an mit dem Beginn der Zuwanderung nach Schweden. Ungefähr 1976. Der Zusammenhang ist eineindeutig

Kommentar von "Grün, B.", 02.12.2017, 15:46 Uhr:

Mit Verlaub, etwas ist bei den Links-Grün-68ern nicht in Ordnung. In Hannover ist eine Versammlung von AfD-Politiker und schon demonstrieren wieder einmal rund 5000 links-grün-68er Nachläufer gegen die AfD. Es kam mal wieder zu Ausschreitungen. Es wurden Barikaden errichtet u. mit Flaschen u. Pflastersteine auf Polizisten geworfen (u.Polizisten werden wieder beschimpft). Es gab wieder Verletzte. A. Plakate standen Sprüche geschrieben in etwa wie „Toleranz anstatt Hetze“. Diese grünorientierten Randalierer sollten mal ihren Verstand einschalten u. überlegen wer denn hetzt. Nicht die so von den links-grün-68er Nachläufer so verhassten AfD-Leute hetzen sondern sie selber hetzen gegen Andersdenkende und tolerieren keine andere Meinung als die ihrer ideologieschen Hassprediger aus links-grün-68er Szene. Was wollen denn die Demonstranten? Wollen sie die AfD-Politiker so behandeln wie die Nazis ihre politischen Feinde behandelten? Wir leben hier in einer Demokratie, nicht in einer Diktatur.

Kommentar von "Friedlich Leben", 26.11.2017, 22:38 Uhr:

Ob die AfD vom Volk in den Bundestag gewählt wurde oder nicht, das ist vor den politischen Zukunftsaussichten unerheblich. Es gibt wichtigere Themen für unser Leben. Ein Thema sollte sein, „wann hören Politiker der CDU / SPD und der Grünen endlich damit auf aggressiv gegen Russland zu hetzen“. Ob dieses im Auftrag von US-Eliten geschieht dass kann ich nicht bewerten, jedoch haben unsere Politiker diese derzeitige kriegstreibende Politik gegen Russland zu beenden. Der „Kalte Krieg“ muss beendet werden damit er nicht den Anfang einen „Heißen Krieges“ mündet. Kommt es aufgrund dieser Hetz- Aggressionspolitik und der Mobilmachung gegen Russland zum Krieg, dann denkt hier niemand mehr an Erneuerung von Kindergärten und schnelleres Internet. Die Parteien „Die Linke“ u. die Partei „AfD“ waren bisher die einzigen Parteien welche eine verbesserte, friedensfördernd Politik mit Russland wünschten. Leider bisher auch viel zu leise, ansonsten hätten sie eine höhere Stimmenzahl erziehlt. Schade.

Kommentar von "B.", 23.11.2017, 11:32 Uhr:

Man kann sich die Frage stellen ob in unserem Land überhaupt noch das Volk zur Wahlurne bestellt werden brauchte. Das Volk gibt zwar Politiker und Parteien ihre Stimme, doch wer nach der Wahl regiert, das wird entgegen der vielfältigen Meinungen nicht vom Volk bestimmt sondern von Politiker mehrerer Parteien. Wer eine Regierungsmacht erhält, das machen die Politiker von Parteien in Koalitionsverhandlungen unter sich aus. Es werden Parteien unabhängig von ihrem Wahlergebnis ausgeschlossen, es werden Behauptungen laut „mit denen sprechen wir nicht“, es werden Parteien mit anderer politischen Meinung als die derzeitig modische behetzt und bekämpft und es werden Parteien in die Regierng geholt welche gerade mal die 5 % - Hürde überschreiten. Anschließend wird behauptet „Das ist der Wille des Volkes“ (hatte sich ein damalige Führer nicht ähnlich ausgedrückt?). Das klingt gleich wie Könige in einer Monarchie behaupten „Ich regiere im Willen Gottes und von Gottes Gnaden“.

Kommentar von "Friedlich Leben", 23.11.2017, 11:17 Uhr:

Selbstverständlich darf niemand dem hiesigen Blogbetreiber eine Thema vorgeben. Doch wundert es mich dass hier im Blog das Thema Wahl, Große Koalition, Jamaika-Koalition vom Blogbetreiber total gemieden wird. Besteht eine Angst davor dass hier Meinungen eingegeben werden welche nicht dem allgemeinen Trend entsprechen, wie zum Beispiel das Thema Außenpolitik? Schon im Wahlkampf wurde das Thema Außenpolitik, insbesondere das derzeitige feindliche Verhältnis zu Russland, wie kann eine Freundschaft zu Russland wiederhergestellt werden, Ukraine, millitärische Mobilmachung der NATO gegen Russland usw. ausgelassen als hätte es unter den Parteien ein Gebot gegeben das obrige Thema zu meiden. Ein Thema „Feindschaft gegen Russland“ durfte und darf offensichtlich nicht diskutiert werden. Obwohl hier die größte Gefahr für ein Überleben unseres Landes/Erde besteht. Wir brauchen kein Thema Kindergärten, Schulen, Integration wenn die Politiker/Journalisten uns in einen Weltkrieg führen.

Kommentar von "Marc", 21.11.2017, 18:20 Uhr:

Zunehmend öfter ist zu hören, zu lesen dass sich die SPD einer „Großen Koalition“ verweigert. Doch wer verweigert sich eigentlich? Wer genau hinschaut der wird erkennen dass sich der SPD-Vorsitzende Schulz verweigert für eine „Große Koalition“. So langsam werden aber auch Stimmen innerhalb der SPD laut dass das Diktat (selbstverständlich von SPD- Leuten anders ausgedrückt) vom Parteivorsitzenden Schulz drei Minuten nach der Wahl dass die SPD nun in Opposition geht unglücklich war. Dieser Mann hatte doch ohne Parteimitglieder zu fragen diktatorisch entschieden dass die SPD in Opposition geht. Eigentlich bräuchte sich die SPD im Fall einer Neuwahl nicht aufstellen zu lassen, sie will ja nicht mehr regieren. Nach meiner Meinung ist der Politiker Schulz der für die SPD falsche Kanzlerkandidat und der falsche Partei Vorsitzende. Die SPD hat doch noch andere Politiker wie nur zwei Beispiele Gabriel und Olaf Scholz, warum laufen die SPDler dem Politiker Schulz so unterwürfig nach?

Kommentar von "B. S.", 21.11.2017, 17:41 Uhr:

Betreff Bundestagswahl hört man immer wieder „Mit der Wahl hat das Volk entschieden“, so sprach auch der Bundestagspräsident (abgedruckt heute in Medien). Doch hat das Volk eine Möglichkeit durch die Wahl darüber zu entscheiden welche Politiker in einer Bundesregierung regieren? Das kann man bei klarer Überlegung verneinen. Welche Politiker, welche Parteien nach einer Bundestagswahl regieren das machen die Politiker der Parteien ohne das Volk, ohne das Volk zu fragen unter sich aus. Es werden um regieren zu können Parteien mit ins Regierungsboot geholt welche durch das Volk bei der Wahl nur eine geringe Stimmenzahl bekamen; so die Grünen mit noch nicht einmal 9%. Kommt es später zu einer „gestückelten Regierung“ vieler Parteien, so wie auch das wieder als „der Wille des Volkes“ bezeichnet oder „das Volk hat so entschieden“. Das ist vergleichbar mit einer Monarchie, hier wird behauptet dass es „der Wille Gottes“ ist dass der König oder Kaiser die Regierungsmacht hat.

Kommentar von "M.", 20.11.2017, 16:36 Uhr:

Zum Scheitern der Verhandlungen „Jamaika“ gedacht: Der von mir so eingeschätzte „Diktator Schulz“ hat seiner Partei eine folgende Opposition diktiert, auch im Fall einer Neuwahl. Somit braucht die SPD sich im Fall einer Neuwahl auch nicht als wählbare Partei auf die Wahlzettel aufführen zu lassen denn sie will im Gegensatz zu den anderen Parteien ja nicht in eine zukünftige Regierung. Irgendwie denkwürdig, da wird in der SPD, einer Partei welche sich soziales, demokratisches und republikanisches Denken im Leitbild verankerte innerhalb der Partei diktatorisch regiert. Nur eine einzige Person, der Politiker Schulz bestimmt am Wahlabend dass die Partei folgend unser Land nicht mitregieren will. Kein anderer Politiker der Parteiführung wagt es diesem starrsinnigen „Führer“ zu widersprechen, noch schlimmer, sie alle segnen scheinbar dem Parteivater sein Diktat ab. Meiner Meinung nach sollte dieser uneinsichtige Mann endlich zurück in den Hintergrund der Partei treten.

Kommentar von "Lieber, Gabriel", 20.11.2017, 14:01 Uhr:

Oh, schon wieder eine gute Meinung in der Zeitschrift Stern. Erst v. Tagen ein realistischer Blick a. die durch die USA herbeigezogene Krise Ukraine und nun die Meinung einer Journalistin über die SPD und ihrem starrsinnigen Führer Politiker Schulz. Dieser Mann scheint diktatorische Züge in sich zu beherbergen dass er schon am Wahlabend nach Verkünden des Wahlergebnis der Partei herrisch diktierte dass diese nun in Opposition gehen wird. Der nun neue Bericht im Stern drückt fast identisch meine Meinung aus in dem sie sie sich für eine Regierungskoalition CDU/CSU und SPD mit Politiker Gabriel an der Spitze ausdrückt. Kritiker, welche behaupten dass es unter der bisherigen Großen Koalition keine Opposition gab sollten mal rechnen ob es unter der CDU, CSU, FDP, Grüne incl. Bündnis 90 mehr Opposition gibt. Nach meiner Rechnung mal nicht. Zudem hat die letzte Wahl klar ergeben dass die Große Koalition weiterbestehen sollte. Die grüne Partei wollten nur zwischen 8 u. 9 % d. Wähler.

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