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Corona und kein Ende: Wie groß ist der ganze Schaden?

Der Faktencheck zur Sendung vom 06.12.2021

Long Covid – das ist Leid, oft ohne Ende. Was ist bekannt über diese Folgen von Corona? Und nimmt die ganze Gesellschaft langfristig Schaden, weil die Politik kraftlos wirkt und die Verzweiflung bei den Bürgern wächst? Die Diskussion nach der Dokumentation zum Thema!

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Eckart von Hirschhausen über Mangel an Pflegekräften

Eckart von Hirschhausen sagt, in etwa zehn Jahren würden in Deutschland 500.000 Pflegekräfte fehlen.

Eckart von Hirschhausen

00:16 Min. Verfügbar bis 06.12.2022

Eine solche Prognose hat auch die Bertelsmann-Stiftung in ihrem Themenreport “Pflege 2030“ abgegeben. Allerdings ist diese Untersuchung bereits fast zehn Jahre alt. Damals gingen die Autoren von einer Steigerung der Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 um rund 50 Prozent aus. Für eine solche Entwicklung berechneten die Wissenschaftler bis 2030 den Bedarf von 500.000 zusätzlichen Vollzeitpflegekräften.

Neuere Untersuchungen prognostizieren nicht ganz so große Lücken beim Personalbedarf für die pflegerische Versorgung. Besorgniserregend sind die Zahlen aber dennoch. So geht die Barmer in ihrem gerade erschienenen “Pflegereport 2021“ davon aus, dass bis zum Jahr 2030 mehr als 180.000 Pflegekräfte fehlen werden. Auch, weil bis dahin mit insgesamt rund sechs Millionen Pflegebedürftigen gerechnet wird – über eine Million mehr als bisher angenommen. Darüber hinaus geht der Barmer-Report davon aus, dass in weniger als zehn Jahren etwa drei Millionen Pflegebedürftige ausschließlich von Angehörigen gepflegt werden – das wären rund 630.000 mehr als noch im Jahr 2020. Das Deutsche Krankenhausinstitut kommt in einem Gutachten für die Deutsche Krankenhausgesellschaft zu ähnlichen Zahlen. Der Untersuchung aus dem Jahr 2019 zufolge werden im Jahr 2030 187.000 zusätzliche Pflegevollzeitkräfte benötigt. Alleine für die ambulante Pflege erwarten die Autoren einen Bedarf von weiteren 73.000 Fachkräften. Das sind fast 50 Prozent mehr als 2019. Für Krankenhäuser seien zusätzliche 63.000 Vollzeit-Pflegekräfte nötig, für die stationäre Pflege 51.000. Auch das IW Köln prognostizierte vor drei Jahren bereits einen enormen Mehrbedarf alleine für die Altenpflege. Nach Berechnungen der Forscher werden bis zum Jahr 2035 - je nach Entwicklung des allgemeinen Gesundheitszustandes – bis zu 150.000 weitere Fachkräfte für Pflegeleistungen benötigt.

Uwe Janssens über Organspenden in Spanien und Deutschland

Uwe Janssens will in der Corona-Pandemie eine starke “Ich-Bezogenheit“ bei den Deutschen erkannt haben. In Spanien sei dies völlig anders. Dies zeige sich auch daran, dass die Bereitschaft zur Organspende in Spanien viel höher sei als bei uns.

Uwe Janssens (re.) mit Nelson Müller

00:24 Min. Verfügbar bis 06.12.2022

Die Spanier zählen seit vielen Jahren zu den großzügigsten Organspendern weltweit. Bezogen auf den Anteil der Organspender pro eine Million Einwohner lag Spanien im vergangenen Jahr nach Angaben des internationalen Registers für Organspenden und Transplantationen (IRODaT) mit 37,9 weltweit nur knapp hinter den USA (38) auf Rang zwei. Die Bereitschaft der Deutschen zur Organspende liegt dagegen bei gerade einmal 10,4 pro einer Million Einwohner. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland damit nur auf Rang 32. Ein Jahr zuvor lag Spanien mit 49,61 Organspendern pro einer Million Einwohner noch mit deutlichem Abstand auf Platz eins des Rankings vor den USA (36,88) und Kroatien (34,63).

Fakten-Service

Die Redaktion der Reportage “Hirschhausen – Corona ohne Ende?“ hat eine hilfreiche Linkliste zu “Long-Covid“ zusammen gestellt. Hier finden Betroffene Anlaufstellen und können sich einen Überblick über die Krankheit und Therapiemöglichkeiten verschaffen.

Stand: 07.12.2021, 10:25 Uhr