Der Faktencheck zur Sendung vom 30.08.2021

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Coronapolitik im Bürgercheck: Was muss jetzt passieren?

Der Faktencheck zur Sendung vom 30.08.2021

Wie weiter in der Corona-Krise? Kommt noch ein Lockdown? Oder sogar die Impfpflicht? Quer durch Deutschland hat „hart aber fair“ die Fragen der Menschen zur Corona-Krise gesammelt und dazu, was sich jetzt ändern muss. Politiker und Experten im Studio stehen Rede und Antwort.

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Cihan Celik über Kinder und Long-Covid

Cihan Celik kann aktuell keine echte Strategie erkennen, wie Kinder vor einer Durchseuchung bewahrt werden sollen. Sollte dieser Weg jedoch tatsächlich beschritten werden, bedeute dies sehr viele Corona-Fälle bei Kindern, auch wenn nur 1,8 Prozent der Kinder selbst nach acht Wochen noch Symptome aufweisen.

Cihan Celik (li.) mit Volker Wissing und Janine Wissler 00:40 Min. Verfügbar bis 30.08.2022

Die Forschung ist sich weitgehend einig darüber, dass Kinder bei einer Corona-Erkrankung seltener schwere Verläufe durchmachen als Erwachsene. Das belegen auch Zahlen des RKI zu Krankenhauseinweisungen von Corona-Patienten. Demnach mussten zwischen März 2020 und Ende Juni 2021 rund 5.800 Kinder zwischen 0 und 18 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zum Vergleich: Über 264.000 Krankenhauseinweisungen entfielen in diesem Zeitraum auf Personen, die älter als 18 Jahre waren. Auch die Inzidenzen der Hospitalisierungen nach Altersgruppen scheint zu belegen, dass Jüngere seltener schwer erkranken. Rein rechnerisch mussten zwischen März 20 und Juli 21 von 100.000 Kindern im Alter von 1 bis 4 Jahren 34 ins Krankenhaus. In der Altersgruppe 5 bis 11 waren es 25 von 100.000. Demgegenüber stehen 180 von 100.000 Patienten, die zwischen 18 und 59 Jahre alt waren und in eine Klinik mussten. Bei den über 60-jährigen waren es sogar 770.

Auch der Vergleich der Todesfälle nach Altersgruppen belegt, dass Kinder weniger häufig schwer an Covid erkranken. Zwischen März 2020 und Juli 2021 starben insgesamt 14 Kinder, die zwischen 0 und 17 Jahre alt waren (Einige dieser Fälle werden laut RKI aber noch geprüft). Während in diesem Zeitraum von den mit Corona-Infizierten Patienten über 60 Jahre 8,8 Prozent starben, waren es laut RKI bei den Kindern zwischen 5 und 11 Jahren 0,002 Prozent.

Dennoch können auch Kinder unter Long-Covid-Folgen leiden. Wie groß das Long-Covid-Risiko für Kinder ist, darüber wird derzeit noch geforscht. Ein einheitliches Bild oder gar abschließende Erkenntnisse gibt es noch nicht. Ein Problem stellen dabei fehlende, klar definierte Kriterien für eine Long-Covid-Diagnose dar. Eine aktuelle Studie von Erika Molteni vom King´s College London hat ergeben, dass nur 1,8 Prozent der positiv auf Covid-19 getesteten Kinder auch noch acht Wochen nach Erkrankung mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Geruchsstörungen zu kämpfen haben. Bei Erwachsenen lag der Anteil bei 4,5 Prozent. Andere Untersuchungen, die das Fachmagazin “Nature“ zitiert, kommen zu etwas anderen Ergebnissen. Demnach zeigten Daten des nationalen Statistikamtes von Großbritannien, dass fast 10 Prozent der 2 bis 11-jährigen und 13 Prozent der 12 bis 16-jährigen auch fünf Wochen nach einem positiven Test noch von mindestens einem Symptom berichten. Allerdings ist auch hier der Anteil bei den Erwachsenen deutlich höher. 25 Prozent der 35 bis 59-jährigen berichten auch fünf Wochen nach einer Infektion noch von mindestens einer Beeinträchtigung.

Cihan Celik über Infektionen bei Geimpften und Ungeimpften

Cihan Celic räumt ein, dass sich auch Geimpfte mit Corona infizieren können. Ihm ist aber wichtig darauf hinzuweisen, dass dies sehr viel seltener geschieht als bei Ungeimpften.

Cihan Celik 00:37 Min. Verfügbar bis 30.08.2022

Da keiner der Impfstoffe eine hundertprozentige Wirksamkeit mit sich bringt, sind die Forscher nicht überrascht, dass sich auch doppelt Geimpfte mit Covid-19 infizieren. Diese so genannten Impfdurchbrüche werden vom RKI seit Beginn der Impfkampagne beobachtet. Das RKI spricht selbst von „wahrscheinlichen Impfdurchbrüchen“ und berücksichtigt dabei lediglich durch Tests bestätigte Infektionen von vollständig geimpften Personen, die Symptome aufweisen und deren letzte Impfung mindestens zwei Wochen her ist. Die Dunkelziffer kann also höher liegen. Dennoch belegen die aktuellen Zahlen, dass Impfdurchbrüche bei Geimpften deutlich seltener vorkommen als Infektionen von Ungeimpften. Seit der fünften Kalenderwoche haben sich rund eine Million Menschen mit Corona infiziert. In diesem Zeitraum gab es dagegen nur rund 18.300 wahrscheinliche Impfdurchbrüche, schätzt das RKI. Die Zahl dieser Durchbrüche wird allerdings steigen, da sich immer mehr Menschen impfen lassen. Darüber hinaus wird auch die nachlassende Impfwirkung zu mehr solcher Durchbrüche führen. Dass sie im Vergleich zu den Infektionen von Ungeimpften dennoch deutlich niedriger liegen, zeigt auch ein Vergleich der Zahlen der Krankenhauseinweisungen von Geimpften und Ungeimpften, der deutlich macht, dass Behandlungen nach Impfdurchbrüchen viel seltener nötig sind. Unter den rund 100.000 Covid-Patienten, die zwischen der 5. und 33. Kalenderwoche in eine Klinik mussten, gab es gerade einmal etwa 1.200 wahrscheinliche Impfdurchbrüche.

Cihan Celik über Impfbereitschaft beim Krankenhauspersonal

Cahin Celik ist mit der Impfbereitschaft des Krankenhauspersonals zufrieden. Die Impfquote beim Pflegepersonal sei sehr hoch.

"hart aber fair" - Gästerunde 00:09 Min. Verfügbar bis 30.08.2022

Die aktuellsten Daten zur Impfquote beim Krankenhauspersonal hat das RKI im Juli dieses Jahres veröffentlicht. Eine Befragung von über 26.000 Klinik-Beschäftigten im Frühling dieses Jahres, hatte ergeben, dass sich schon zu diesem Zeitpunkt 83 Prozent der Mitarbeiter mindestens einmal haben impfen lassen. 48 Prozent waren bereits vollständig geimpft. Dabei unterschied sich die Impfquote zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Von der Ärzteschaft waren 78 Prozent bereits vollständig geimpft. Beim Pflegepersonal waren es 61 Prozent. Am geringsten lag die Quote der vollständig geimpften mit 18 Prozent beim Verwaltungspersonal. Eine weitere Befragung fand in diesem Sommer statt. Die Ergebnisse sollen bald veröffentlicht werden.

Stand: 31.08.2021, 13:00