Der Faktencheck zur Sendung vom 12.04.2021

Hart aber fair

Showdown der Kandidaten – verstolpert die Union das Kanzleramt?

Der Faktencheck zur Sendung vom 12.04.2021

Laschet oder Söder – die Union entscheidet über die Kanzlerkandidatur. Wie erfolgreich kann ein Kandidat sein, dessen Kür schon so holprig abläuft? Und wer ist groß genug, um aus dem Schatten von Angela Merkel treten zu können?

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Herbert Reul über vergangene Kandidaten-Nominierungen der Union

Ein Gespräch zwischen den Parteivorsitzenden von CDU und CSU wäre für Herbert Reul das bevorzugte Verfahren, um sich auf einen Kanzlerkandidaten zu einigen. Reul erinnert daran, dass ein anderes Verfahren – nämlich die Wahl von Franz-Josef Strauß durch die Bundestagsfraktion - der Union auch nicht zum Sieg bei den Bundestagswahlen verholfen hat.

Herbert Reul (li.) mit Lars Klingbeil und Kristina Dunz 00:34 Min. Verfügbar bis 12.04.2022

Mehrfach in der Geschichte von CDU und CSU war es die Bundestagsfraktion, die darüber entscheiden hat, mit welchem Kandidaten die Union in das Rennen um die Kanzlerschaft zieht. 1963 nominierte die Fraktion gegen den Willen von Konrad Adenauer Ludwig Erhard zum Kandidaten. 1966 kam es in der Unionsfraktion zu einer Kampfabstimmung zwischen mehreren CDU-Bewerbern. Nachdem der damalige Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier seine Nominierung zurückgezogen hatte, stellten sich der baden-württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger, der Fraktionschef der Union, Rainer Barzel sowie Bundesaußenminister Gerhard Schröder zur Wahl. Kiesinger setzte sich am Ende im dritten Wahlgang mit 137 Stimmen gegen Schröder und Barzel durch und wurde im Dezember 1966 schließlich zum Bundeskanzler der ersten Großen Koalition der Bundesrepublik gewählt.

Zu einem unionsinternen Duell zwischen CDU und CSU um die Kandidatur sollte es allerdings erst 13 Jahre später im Jahr 1979 kommen. Für die Kandidatenkür gab es damals wie heute kein festgelegtes Verfahren. Als größere Schwesterpartei behielt sich der Vorsitzende der CDU ein erstes Zugriffsrecht für den Kandidaten vor. So auch der damalige CDU-Vorsitzende Helmut Kohl, der den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht vorschlug. Gegen ihn trat der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß an. Beide Parteien einigten sich darauf, den Kandidaten durch die Bundestagsfraktion bestimmen zu lassen. Nach einer hitzigen mehrstündigen Debatte setzte sich Strauß am Ende mit 135 von 237 Stimmen gegen Albrecht durch. Für die Kanzlerschaft sollte es allerdings nicht reichen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Union mit 44,5 Prozent zwar die stärkste Fraktion im Bundestag, die SPD (42,9 Prozent) unter Bundeskanzler Helmut Schmidt entschied sich jedoch für die Fortführung der Sozialliberalen Koalition mit der FDP (10,6 Prozent).

Stand: 13.04.2021, 11:09