Der Faktencheck zur Sendung vom 22.02.2021

Hart aber fair

Sommer der Unsicherheit: Echter Urlaub nur mit Impfung?

Der Faktencheck zur Sendung vom 22.02.2021

Lockdown ohne Ende – ist jetzt die Zeit, trotzdem den Urlaub zu planen? Welche Chancen auf Strand und Meer gibt es dieses Jahr? Was ist mit Ostern? Und wird es echte Urlaubsauswahl erstmal nur für diejenigen geben, die schon geimpft sind?

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Andreas Bovenschulte über Sterberisiko bei älteren Menschen

Andreas Bovenschulte sagt, bei einer Corona-Erkrankung von 85- oder über 90-jährigen liege das Sterberisiko bei zehn oder 15 Prozent. Bei 30 jährigen liege das Risiko dagegen mit einem Prozent oder weniger deutlich darunter.

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Andreas Bovenschulte

Das Corona-Virus ist für ältere Menschen besonders gefährlich. Neben Bewohnern von Pflegheimen und Krankenhauspersonal werden die über 80-jährigen daher als erste geimpft. Wie hoch das Risiko an Corona zu sterben tatsächlich ist, hat kürzlich der Stuttgarter Mathematik-Professor Christian Hesse genauer berechnet. Hesse analysierte zahlreiche Daten und Studien, um herauszufinden, wie sich das Sterberisiko mit zunehmendem Alter entwickelt. Hierzu ermittelte er zunächst unabhängig von einer Corona-Infektion das allgemeine Sterberisiko. Demnach ist die Gefahr, innerhalb eines Jahres zu sterben, bei jungen Menschen naturgemäß deutlich geringer und verdoppelt sich durchschnittlich alle sieben Jahre, so Hesse. Der Mathematiker fand bei seinen Berechnungen heraus, dass die Sterblichkeit bei 20-jährigen Corona-Infizierten bei gerade einmal 0,006 Prozent und damit nur leicht über dem natürlichen Sterbe-Risiko liegt.

Ein ganz anderes Bild aber zeigt sich bei älteren Corona-Infizierten. Mit 90 Jahren liegt die Corona-Sterblichkeit laut Hesse bei 28 Prozent – das sind zehn Prozentpunkte mehr als die allgemeine Sterblichkeit bei Menschen in diesem Alter. Das heißt, ein 90-jähriger mit Corona-Infektion hat eine Wahrscheinlichkeit von 28 Prozent, innerhalb eines Jahres zu sterben. Hesse veranschaulichte das mit dem Alter wachsende Risiko in einem Interview mit dem SWR, in dem er für unterschiedliche Altersgruppen das Sterberisiko der Grippe mit dem von Corona verglich. “Wenn man ein Jugendlicher ist oder um die 20 etwa, dann ist es weniger gefährlich als Grippe. Aber meine Berechnungen haben gezeigt, dass schon um die 35 in dieser Altersklasse die Infektionssterblichkeit durch Corona genauso groß ist wie die bei Grippe“, sagt Hesse. Wenn man dagegen 80 Jahre oder älter ist, dann sei es weitaus gefährlicher. “Man kann sagen, dass ab 80 eine Corona-Infektion von dem Sterberisiko genauso hoch ist, wie bei einem akuten Herzinfarkt“, so der Mathematiker.

Norbert Fiebig über Umsatzeinbußen seiner Branche

Norbert Fiebig sagt, die Reisebranche verzeichne durch die Corona-Beschränkungen Umsatzrückgänge von 90 Prozent.

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Norbert Fiebig

Zahlreiche Branchen kämpfen seit vielen Monaten mit herben, teils existenzbedrohenden wirtschaftlichen Einbußen. Neben der Gastronomie, der Veranstaltungs- und Kulturbranche oder dem Einzelhandel ist auch die Reisebranche stark betroffen. Das statistische Bundesamt hat sich die Zahlen der Branche genauer angeschaut. Demnach lagen die Umsätze von Reisebüros, -veranstaltern und anderen Reservierungsdiensteistern zwischen Januar und September 2020 um 61 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark fiel der Umsatzrückgang demnach im 2. Quartal 2020 aus. Die Reisebranche musste zwischen April und Juni einen Rückgang ihrer Umsätze von 91 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften. Zwar hatte sich der Rückgang der Umsätze im dritten Quartal ein wenig abgeschwächt – dennoch lag er zwischen Juli und September immer noch bei 75 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2019. Der Rückgang der Gästeübernachtungen aus dem In- und Ausland macht die Krise der Branche besonders anschaulich: Alleine in den Sommermonaten Mai bis Oktober zählten die Hotels, Pensionen und andere Anbieter mit rund 210 Millionen Übernachtungen 31 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Betrachtet man nur die Gäste aus dem Ausland, so sank die Zahl der Beherbergungen aufgrund von Reisebeschränkungen in diesem Zeitraum sogar um 68 Prozent auf rund 17 Millionen.

Manuel Andrack und das Wandern mit Kindern

Manuel Andrack sagt, der Deutsche Wanderverein empfiehlt für das Wandern mit Kindern eine Streckenlänge von 1,5 mal dem Alter des Kindes. Er selbst bevorzugt die Faustformel “Alter des Kindes ist gleich die Länge der Strecke“.

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Manuel Andrack

Tatsächlich findet sich die Faustformel des Deutschen Wandervereins in den zahlreichen Wanderratgebern am häufigsten wieder. Demnach sollte zum Beispiel ein sechsjähriges Kind eine Wanderstrecke von neun Kilometern durchaus bewältigen können. Natürlich kommt es bei einer Wanderung auch auf die Beschaffenheit der Route an. Sind also etwa viele Höhenmeter zu bewältigen, sollte dies in die Berechnung einfließen. Der Deutsche Wanderverein rät, 100 Höhenmeter als einen Wanderkilometer zu berücksichtigen.

Ein wenig differenzierter gestalten sich die Empfehlungen des Deutschen Alpenvereins (DAV). Der DAV nimmt vor allem die Wanderzeit in den Blick. Für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und einem ihrem Alter angemessenen Terrain sollte eine Gehzeit von vier Stunden nicht überschritten werden. Dabei sollten ausgiebige und abwechslungsreiche Pausen eingelegt werden. Bis zu fünf Stunden traut der DAV den sechs- bis zehnjährigen zu. Anspruchsvoller können die Routen und die Gehzeiten dann bei den zehn- bis 14-jährigen gestaltet werden: Sechs bis sieben Stunden seien hier durchaus machbar – mehr aber nicht, rät der DAV.

Stand: 23.02.2021, 09:30