Der Faktencheck zur Sendung vom 02.11.2020

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Trump oder Biden - die freie Welt vor einer Jahrhundertwahl

Der Faktencheck zur Sendung vom 02.11.2020

Die letzten Stunden vor einer Wahl, die für die USA und die Welt historisch ist. Schafft Trump im Endspurt zumindest ein Patt – und was hätte das für Folgen? Oder hat Biden genug Kraft für einen Sieg und dafür, die gespaltene Weltmacht wieder zu versöhnen? Die Diskussion nach der Dokumentation zum Thema.

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

George Weinberg über Lebenserwartung USA und Deutschland

George Weinberg sagt, der Unterschied der Lebenserwartung in Deutschland und den USA betrage gerade einmal ein Jahr.

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George Weinberg

Das stimmt nicht. Sowohl Daten der Weltbank als auch Daten der OECD zeigen, dass die Lebenserwartung in Deutschland im Vergleich zu den USA um deutlich mehr als ein Jahr höher liegt. 2018 lag die Lebenserwartung in Deutschland laut Weltbank bei rund 80,9 Jahren. Für die USA geben die Statistiker eine Lebenserwartung von 78,5 Jahren an – ein Unterschied von immerhin 2,4 Jahren. Ähnlich groß sind die Differenzen, vergleicht man die Lebenserwartungen bei Frauen und Männern in den USA und in Deutschland. Frauen haben hierzulande eine Lebenserwartung von 83,3 Jahren, in den USA liegt sie bei 81,1 Jahren. Männer in Deutschland werden durchschnittlich 78,6 Jahre alt, in den USA 76,1 Jahre. Auch Statistiken der OECD bestätigen, dass die Lebenserwartung in Deutschland deutlich mehr als ein Jahr höher liegt, als in den Vereinigten Staaten: Der „Better Life Index“ der OECD gibt für Deutschland eine Lebenserwartung von 81,1 Jahren an – damit liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt von 80,2 Jahren. In den USA liegt die Lebenserwartung demnach bei 78,6 Jahren.

Christiane Lemke über Minderheiten und Corona

Christiane Lemke sagt, in den USA würden verhältnismäßig viele Angehörige von Minderheiten an Covid-19 sterben, weil sie sich keine Vorsorge leisten können und keine Krankenversicherung haben.

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Christiane Lemke

Zu dieser Erkenntnis gelangen auch die staatlichen Zentren für Krankheitskontrolle CDC. In einem Bericht heißt es, dass langjährige, systematische gesundheitliche und soziale Ungleichheiten dazu geführt haben, dass viele Menschen aus ethnischen Minderheiten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an Covid-19 zu erkranken und zu sterben. Es gebe zunehmend Hinweise darauf, dass einige Minderheiten überproportional von Corona betroffen sind, so die CDC. Sie machen eine ganze Reihe von Faktoren aus, die in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko an Corona zu erkranken stehen. So sei für Menschen aus ethnischen Minderheiten der Zugang zum Gesundheitswesen eingeschränkt, etwa weil Menschen aus diesen Gruppen seltener krankenversichert sind als weiße. Zudem seien Menschen, die Minderheiten angehören, häufiger in Arbeitsumgebungen tätig, in denen sie enge Kontakte zur Öffentlichkeit und Arbeitskollegen haben, was die Gefahr einer Infektion vergrößert. Weitere Gründe seien Ungleichheiten bei Bildung, Einkommen und Vermögen, so die Autoren des Berichts.

Christiane Lemke über Gesundheitskosten in der OECD

Christiane Lemke sagt, die USA gäben laut OECD mit am meisten für ihr Gesundheitssystem aus. Gleichzeitig schnitten sie bei der Lebenserwartung schlechter ab.

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"Hart aber fair" - Gästerunde

Es stimmt, dass unter den OECD-Staaten die Kosten für das Gesundheitswesen in den USA am höchsten liegen. Laut OECD machten die Ausgaben für das Gesundheitssystem der USA 16,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Pro Kopf ergaben sich im Jahr 2018 rein rechnerisch Ausgaben von 10.586 US-Dollar – das ist der Spitzenwert unter den Mitgliedsstaaten der OECD. Gemeinsam mit Frankreich belegt Deutschland mit einem Anteil von 11,2 Prozent des BIP den dritten Platz. Pro Kopf kostete das Gesundheitswesen in Deutschland demnach 5.986 US-Dollar. Bei der Lebenserwartung nimmt die USA unter den OECD-Staaten mit 78,6 Jahren einen Platz im unteren Mittelfeld ein (Platz 28 von 40 untersuchten Staaten). Deutschland steht mit Platz 24 (81,1 Jahre) in diesem Ranking ein wenig besser da. Die höchste Lebenserwartung unter den OECD-Staaten haben die Japaner mit 84,1 Jahren.

Stand: 03.11.2020, 11:10