Der Faktencheck zur Sendung vom 07.09.2020

HAF-Gäste

Vergiftete Beziehungen: Wie umgehen mit Putins Russland?

Der Faktencheck zur Sendung vom 07.09.2020

Vergiftet, erschossen: Wie gefährlich leben Kritiker von Wladimir Putin? Herrscht im Kreml ein skrupelloser Mann, der Feinde aus dem Weg räumt, Nachbarn bedroht? Darf man deshalb mit Putin nicht verhandeln? Oder geht Wirtschaft vor Moral, müssen wir uns mit Russland arrangieren?

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Annalena Baerbock über Gasimporte aus Russland

Annalena Baerbock spricht sich für ein Ende von Nord Stream 2 aus. Die EU sei schon heute viel zu abhängig von russischem Gas. 40 Prozent des Gases für die EU würden aus Russland importiert.

Annalena Baerbock mit Peter Altmaier 00:27 Min. Verfügbar bis 07.09.2021

Das ist richtig. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat wurden im Jahr 2019 38,3 Prozent des Erdgases aus Russland importiert. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil nahezu konstant geblieben. Zweitgrößter Gaszulieferer für die EU ist Norwegen mit einem Anteil von 24,5 Prozent. Deutschland ist seit vielen Jahren auf russisches Gas angewiesen. Entsprechend hoch ist der Anteil der russischen Gasimporte. Laut Bundesnetzagentur bezog Deutschland im Jahr 2018 knapp 35 Prozent seines Gases aus Russland.

Wladimir Kaminer über "blutrünstige" Monarchinnen

Wladimir Kaminer meint, in der Geschichte habe es genauso viele “blutrünstige“ weibliche Monarchinnen gegeben wie männliche.

Wladimir Kaminer 00:13 Min. Verfügbar bis 07.09.2021

In ihrer Absolutheit ist diese Aussage nur schwer haltbar, saßen doch in der europäischen Geschichte deutlich mehr männliche Monarchen auf Thronen als Frauen. Dennoch hat es in der Geschichte immer wieder auch mächtige Frauen gegeben, die nicht davor zurückschreckten, missliebige Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Ein prominentes Beispiel ist Elisabeth I von England, die im 16. Jahrhundert Maria Stuart fast 19 Jahre festsetzen ließ, weil Maria Stuart sich weigerte, auf den Anspruch der englischen Krone zu verzichten. Auf Drängen ihrer Regierung verurteilte Elisabeth I Maria Stuart schließlich zum Tode und entledigte sich somit ihrer Konkurrentin.

Skrupellose Herrscherinnen gab es auch außerhalb Europas. So trug die Königin von Madagaskar, Ranavalona I den Beinamen „Die Grausame“. Nach dem Tod ihres Mannes bestieg sie im Jahr 1828 den Thron und ließ nur wenige Tage später die engsten Verwandten ihres verstorbenen Mannes töten. Sie verwies Europäer des Landes und verbot unter Androhung der Todesstrafe das Christentum. In einer Arbeit über Madagaskar für die Heinz-Kühn-Stiftung beschreibt der Historiker und Journalist Oliver Junker den autoritären Führungsstil Ranavalonas: “ Mehrere zehntausend Menschen fielen während ihrer 33-jährigen Herrschaft dem tangena zum Opfer, einer Giftprobe und effizienten Methode zur Ausschaltung politischer Gegner.“

Auch die sagenumwobene ägyptische Herrscherin Kleopatra soll vor Mord nicht zurückgeschreckt haben. Ihre eigene Schwester Arsinoe stellte für Kleopatra eine potenzielle Konkurrentin um die Macht dar und soll von Marc Anton ermordet worden sein – im Auftrag Kleopatras. Österreichische Forscher entdeckten im Jahr 2009 das weibliche Skelett einer jungen Frau. Sie vermuten, dass es sich dabei um die ermordete Schwester Kleopatras handelt.

Stand: 08.09.2020, 11:33