Der Faktencheck zur Sendung vom 21.08.2017

"Hart aber fair" - Gäste

Faszination Adel – wie wichtig sind Geld und Herkunft für den Erfolg?

Der Faktencheck zur Sendung vom 21.08.2017

Die Deutschen begeistern sich für Prinzessinnen und Königshäuser. Aber was  fasziniert uns so am Adel und an den Oberen Zehntausend?  Schottet sich diese Oberschicht ab? Und wie schwer wird der soziale Aufstieg, wenn man nicht in die richtige Familie geboren wurde? 

Eine Talkshow ist turbulent. Auch in 75 Minuten bleibt oft keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt "hart aber fair" nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Umfragen zur Monarchie in Deutschland

Michael Hartmann und Eduard Prinz von Anhalt hatten wohl beide unterschiedliche Umfragen zur Monarchie in Deutschland im Sinn. 90 Prozent seien gegen ein deutsches Königshaus, sagt Hartmann. Für den Prinzen von Anhalt zu hoch gegriffen. Er spricht von einer Ablehnung von 60 Prozent.

Umfragen zur Monarchie sind hierzulande besonders bei großen royalen Ereignissen beliebt. Die Tendenz in allen Umfragen ist eindeutig. Die große Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen einen König oder eine Königin für Deutschland aus. Die aktuellste Umfrage stammt vom Meinungsforschungsinstitut YouGov. Anlässlich des bevorstehenden 90. Geburtstages von Queen Elisabeth II sprachen sich im April 2016 72 Prozent gegen ein deutsches Königshaus aus. 16 Prozent konnten dieser Idee etwas abgewinnen. Ähnlich war das Ergebnis einer YouGov-Umfrage beim Staatsbesuch der Queen ein Jahr zuvor. Zum gleichen Anlass gab es jedoch auch eine Forsa-Umfrage für den “Stern“, bei der die Ablehnung einer Monarchie in Deutschland noch größer war. In der Forsa-Umfrage lehnten 88 Prozent der Befragten die Idee eines Monarchen für Deutschland kategorisch ab. Nur neun Prozent fanden die Vorstellung reizvoll.

Eine Umfrage in der sich anlässlich des Deutschland-Besuchs von Prinz William und seiner Frau Kate lediglich 60 Prozent der Deutschen gegen eine Monarchie aussprechen, konnten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht finden. Wir arbeiten weiter daran und vervollständigen dies gegebenenfalls an dieser Stelle.

Michael Hartmann über Schulkarrieren

Für Michael Hartmann ist nicht nur das Bildungssystem für die ungleichen Aufstiegschancen von Kindern verantwortlich. Der Soziologe sagt, vor allem die finanziellen Verhältnisse im Elternhaus seien ausschlaggebend für den schulischen Werdegang. So gingen Kinder von Müttern, die nicht in Armut leben, viermal häufiger aufs Gymnasium als Kinder von Müttern aus ärmeren Verhältnissen – trotz gleichen Bildungsniveaus der Mütter.

Das stimmt. Michael Hartmann bezieht sich auf eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2005. Das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS e.V.) kommt schon damals zu dem Schluss, dass oft die finanzielle Situation der Eltern für den schulischen Erfolg der Kinder ausschlaggebend ist. “Bei gleich gutem Bildungsniveau der Mutter (d.h. mindestens Realschulabschluss) sind die Chancen nicht-armer Kinder mehr als viermal höher als die Chancen armer Kinder, auf ein Gymnasium zu kommen“, so die Autoren der Untersuchung. Sie kommen außerdem zu dem Schluss, dass die Chancen auf eine Laufbahn am Gymnasium für nicht-arme Kinder auch bei gleich schlechtem Bildungsniveau der Mutter (maximal Hauptschulabschluss) mehr als doppelt so hoch sind als bei Kindern aus armen Verhältnissen.

Stand: 13.06.2017, 12:32