Dürener CDU-Bürgermeisterkandidat unter Druck

CDU-Politiker Thomas Floßdorf sitzt und schaut auf

Dürener CDU-Bürgermeisterkandidat unter Druck

Von Michael Esser

Ein alter Strafbefehl wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung bringt den Dürener CDU-Bürgermeisterkandidaten in Bedrängnis. Ein unbekannter Mail-Schreiber hat eine Kopie des Strafbefehls anonym veröffentlicht.

Auch hat er Flugblätter in Düren verbreitet. Der unbekannte Absender, der sich selbst "Hans Wurst" nennt, will dem CDU-Kandidaten ohne Frage schaden. Die Geschichte ist dennoch wichtig für die Kommunalwahl.

Geschädigte äußert sich nicht

Um die Sache gab es jahrelang nur Gerüchte. Jetzt hat die anonyme Mail Klarheit geschaffen - mit der Kopie eines Strafbefehls wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt. Der wurde 2015 gegen den CDU-Politiker Thomas Floßdorf rechtskräftig.

Danach hat er seine damalige Lebensgefährtin erheblich geschlagen und verletzt. Die Folge - eine Vorstrafe und 3.000 Euro Geldbuße. Weitere 10.000 Euro wurden später in einem Zivil-Vergleich gezahlt. Die geschädigte Frau will sich nicht mehr äußern. Floßdorf sagte auf die Frage, welchen Stellenwert das damalige Geschehen für ihn hat:

"Gestatten Sie mir zunächst eine Vorbemerkung. Als Familienvater und als Christ lehne ich jegliche Form von Gewalt ab. Darauf aufbauend möchte ich Ihre Frage wie folgt beantworten: Ich habe damals 2015 in einer für mich sehr persönlich schwierigen Situation diesen Strafbefehl akzeptiert. Auch deswegen weil daraus für mich im persönlichen Führungszeugnis keine Konsequenzen und Eintragungen erfolgt sind."

Partei schweigt zu Mails

Nach dem Vorfall 2015 zog sich Floßdorf für Monate aus der aktiven politischen Arbeit zurück und ließ seine Ämter als Dürener CDU-Vorsitzender und stellvertretender Bürgermeister ruhen - offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Zu Anfang dieses Jahres nun wählte die Dürener CDU ihren Vorsitzenden, den sie in der Zwischenzeit mehrfach in diesem Amt bestätigt hatte, zum Bürgermeisterkandidaten der Partei.

Mehr als 94 Prozent stimmten in der Aufstellungsversammlung für ihn. Zu der Entwicklung jetzt schweigt die CDU. Der Kreisvorsitzende ließ nach mehreren Anfragen mitteilen, man nehme grundsätzlich keine Stellung zu anonymen Mails. Auch die CDU-Frauenunion wollte nichts sagen.

Anonyme Mails wurden breit verteilt

Die anonyme Nachricht macht seit gut zwei Wochen in Düren die Runde. Allein im Rathaus sollen an die 80 Personen die Mail erhalten haben. Sie ging an Einrichtungen im Sozialbereich, der Arbeitswelt, Medien, Politik und Privatleute. Hinter den Kulissen ist sie Thema Nummer eins, erzählen Insider. In den sozialen Medien gibt es Andeutungen. Öffentlich aber wird nicht darüber gesprochen.

Auch die Frauen-Organisationen in Düren schweigen. So etwa das städtische Frauenbüro und andere Gruppen. Der Verein "Frauen helfen Frauen" sagte, man sehe die Hauptaufgabe zuallererst darin, Frauen in akuter Gewalt zu helfen - und nicht anonyme Mails zu bewerten. Vor allem aber wolle man sich nicht instrumentalisieren lassen.

Strafbefehl kein Ausschlussgrund

Der städtische Wahlausschuss hat nun - wie gesetzlich vorgeschrieben - die Bürgermeisterkandidatur von Floßdorf und der vier anderen Bewerber für das Bürgermeisteramt in Düren geprüft. Die Mail des anonymen Absenders, der sich selbst "Hans Wurst" nennt, spielte dabei keine Rolle.

Rein rechtlich ist der Strafbefehl kein Ausschlussgrund. Floßdorf selbst verweist darauf, dass sein Führungszeugnis "lupenrein" sei. Er sieht sich weiter uneingeschränkt als Bürgermeister geeignet, erklärte er gegenüber dem WDR:

"Seit 16 Jahren bin ich im Rat der Stadt Düren, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und stellvertretender Bürgermeister und habe in diesen Funktionen gezeigt, was ich politisch leisten kann. Auch deswegen haben die Mitglieder der CDU, Frauen und Männer, mich zum Bürgermeisterkandidaten mit 94,1 Prozent der Stimmen gewählt. Weil sie darauf vertrauen, dass ich in Düren viel erreicht und viel vorhabe."

Parteien äußern sich

Doch in der Politik rumort es nicht mehr nur unter der Oberfläche. Erste Stimmen in der SPD bezweifeln, ob der 43-Jährige als Bürgermeister noch Vorbild sein kann, "insbesondere auch deshalb, weil dieses Amt mit der Leitung einer öffentlichen Behörde einhergeht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand mit dieser Vorgeschichte in einem so sensiblen Bereich wie der Kinder- und Jugendhilfe die Aufsicht führen kann", teilte die Fraktionsvorsitzende Dagmar Nietan mit.

Auch Grünen-Politikerinnen fragen sich, wie man politisch mit einem Bürgermeister Floßdorf zusammen arbeiten kann. Die stellvertretende Bürgermeisterin Carmen Heller-Macherey (Grüne) erinnerte an die Geleitworte, die ihr der noch amtierende Bürgermeister Paul Larue (CDU) bei ihrer Amtseinführung mit auf den Weg gab.

"Als ich damals stellvertretende Bürgermeisterin wurde, hat der Herr Larue mir gesagt, ich bin jetzt Tag und Nacht eine Person des öffentlichen Lebens. Und ich denke, dieses Amt sollte auch entsprechend der Würde des Amtes ausgefüllt werden und das halte ich in diesem Fall für problematisch."

Strafanzeige gestellt

Thomas Floßdorf und sein Rechtsanwalt haben gegen den anonymen Mail-Schreiber Strafanzeige gestellt. Wegen des politischen Hintergrundes der Ereignisse ermittelt jetzt die Staatsschutzabteilung der Polizei. Neben den rechtlichen Aspekten ist nun die Frage, wie die Wähler und Wählerinnen diese Geschichte beurteilen.

Bürgermeisterkandidat unter Druck

00:38 Min. Verfügbar bis 07.08.2021 Von Michael Esser

Stand: 07.08.2020, 19:24