NRW will Bürgschaftsantrag schnell prüfen

Opel-Mitarbeiter montiert Motorteile

Massiver Stellenabbau in Bochum

NRW will Bürgschaftsantrag schnell prüfen

Bei Opel in Bochum sollen knapp 1.800 Stellen wegfallen. Das teilte der Vorstand am 9.2.2010 in Frankfurt mit. Gleichzeitig legte er einen Bürgschaftsantrag vor: Danach müsste NRW für 150 Millionen Euro gerade stehen.

Wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag (09.02.2010) in Berlin erklärte, hat der US-Autohersteller General Motors (GM) einen Antrag auf Staatshilfen über 1,5 Milliarden Euro gestellt. In die Pflicht würden dann auch die Länder mit Opel-Standorten genommen; NRW müsste rund ein Zehntel der Summe, also 150 Millionen Euro, aufbringen. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sagte, man wolle diesen Bürgschaftsantrag schnell bearbeiten. "Wir werden diesen Antrag sehr konstruktiv, sehr sorgfältig, aber auch so schnell wie möglich prüfen." Die Opel-Mitarbeiter sollten nach Monaten des Bangens und Hoffens endlich eine zukunftsfeste Perspektive bekommen.

Bochum am stärksten betroffen

Am Dienstagvormittag hatte GM einen Sanierungsplan vorgelegt. Danach will das Unternehmen bis 2014 rund elf Milliarden Euro investieren, um Opel und Vauxhall zu sanieren, Gleichzeitig gab der Opel-Vorstandsvorsitzende Nick Reilly bekannt, dass in Europa 8.300 der 48.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. 1.799 Stellen sollen in Bochum abgebaut werden, womit der Standort in Deutschland am stärksten betroffen ist. Stellenstreichungen in Vertrieb und Verwaltung soll es hier einem Opel-Sprecher zufolge aber nicht geben.

Rüttgers: Klares Bekenntnis zum Standort Bochum

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erklärte, der Plan enthalte noch eine Reihe von offenen Fragen, etwa "der Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beteiligung". Er werde wie auch der Antrag auf Bürgschaften jetzt zusammen mit der Europäischen Union geprüft. "Die Länder, in denen es Opel-Standorte gibt, werden zusammen mit dem Bund diesen Prozess gemeinsam begleiten", sagte Rüttgers. Er wertete den Sanierungsplan insgesamt aber als "klares Bekenntnis zum Standort Bochum". Der angekündigte Stellenabbau liege im Rahmen dessen, was Nick Reilly ihm zugesagt habe, sagte Rüttgers dem WDR während seiner USA-Reise in Washington. Er hofft auch, dass es in Bochum ein zweites Standbein im Bereich der Elektromobilität geben wird.

Die Opel-Pläne sehen bisher vor, dass das Modell Zafira ausschließlich in Bochum gebaut wird - allerdings in "angepasster Kapazität", wie Reilly sagte. Zudem soll die Produktion der F13-Getriebe auslaufen und durch die Produktion des F17-Getriebes ersetzt werden. Aufgrund der aktuellen Marktprognosen müsse Opel seine Kapazitäten in Europa um 20 Prozent reduzieren. Europaweit sei deshalb ein Abbau von 8.300 Stellen nötig. Wann mit dem Stellenabbau begonnen werde, teilte Reilly nicht mit.

IG Metall lehnt Sanierungsplan ab

Opel-Mitarbeiterballt die Faust

Opel-Mitarbeiterballt die Faust

Die IG Metall kritisierte Reillys Plan und kündigte an, diesen abzulehnen: "Wir wollen, dass Opel unterstützt wird, wenn ein entsprechendes Konzept vorliegt. Aber den Plan, den wir kennen, werden wir so nicht unterstützen, insbesondere nicht durch Beiträge der Arbeitnehmer", erklärte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild am Dienstag in einer Mitteilung. Der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Oliver Burkhard forderte gemäß der gemeinsamen Erklärung, der Plan solle auch nicht durch Beiträge des Bundes und der Länder unterstützt werden.

Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Werks, Rainer Einenkel, begrüßte die Aussagen Reillys, weil nun die Unsicherheiten über eine Schließung des Bochumer Werks vom Tisch seien. Die geplante Schließung der Getriebeproduktion in Bochum wolle man jedoch nicht akzeptieren. Hier seien noch Gespräche mit der Geschäftsführung nötig.

Stand: 09.02.2010, 22:45