Aus für Dortmunder Filiale

Rolltor mit Warnbarke vor einem Karstadt-Eingang

Reportage: Bangen um 148 Arbeitsplätze

Aus für Dortmunder Filiale

Von Helge Toben (dpa)

Gemutmaßt hatte man es schon länger, am Dienstag (10.11.2009) wurde es traurige Gewissheit: Das Karstadt-Technikhaus in der Dortmunder Innenstadt wird Anfang kommenden Jahres schließen - genau wie fünf weitere Filialen im Bundesgebiet.

148 Beschäftigte hoffen, dass es in einer anderen Filiale weitergeht für sie, vielleicht in einem der beiden anderen Dortmunder Häuser, nur wenige hundert Meter entfernt. "Sozialverträglich" soll die Schließung über die Bühne gehen, sagt eine traurige Verkäuferin. Mehr weiß sie noch nicht und will auch eigentlich gar nicht darüber sprechen.

"Plötzlich ist der Tod da"

Die Stimmung ist gedrückt an diesem verregneten Novembertag, an dem der Karstadt-Slogan "Schöner shoppen in der Stadt" in der Kampstraße Nr. 1 nur noch höhnisch klingt. Wahlweise versteinert oder gequält blicken die Angestellten. Nur wenige wollen mit der Presse reden. "Etwas deprimiert" sei er, sagt ein Verkäufer ironisch. "Dass was passiert, wussten wir schon, aber dass es so schnell kommt, wussten wir nicht. Man weiß, dass man stirbt und plötzlich ist der Tod da", meint er. Er habe bei Karstadt gelernt und arbeite schon mehr als 20 Jahre für das Unternehmen. Er hofft nun, dass seine Abteilung im Haupthaus unterkommt - und er mit ihr.

Manche wollen es nicht wahrhaben

Abteilung Haushaltsgeräte: Eine Verkäuferin räumt Küchenmaschinen in die Regale, ein Kollege berät ein Ehepaar über Kaffee-Vollautomaten. Den Kunden gegenüber lassen sie sich nichts anmerken. Und trotzdem sitzt der Schock tief: "Eigentlich habe ich nicht so damit gerechnet", sagt eine Verkäuferin. Auch sie hat bei Karstadt gelernt. Wie es nun weitergeht, weiß sie nicht. Einige wollen den Beschluss noch gar nicht wahrhaben: "Wir schließen nicht", sagt ein Verkäufer trotzig. Er habe die Hoffnung, dass es doch noch anders komme. Ein Kassierer meint: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Nicht alle verlieren ihren Arbeitsplatz

Viele Fremdfirmen sind mit eigenen Angestellten vertreten. Eine Beschäftigte des Deko-Artikel-Händlers "Depot" fürchtet derweil nicht um ihren Arbeitsplatz. Sie werde ohnehin bald versetzt. Auch ein Beschäftigter eines Rasierapparateherstellers ist gelassen: "Es geht weiter für mich - in einem anderen Haus", sagt er und hantiert weiter mit einem Staubwedel. Anders eine Leiharbeiterin im Restaurant: "Sicher bin ich dann auch raus", fürchtet sie.

Ein Angebot weniger

Auch die Kunden sind nicht begeistert. Es sei "schade, sehr schade", sagt eine 71-Jährige aus Dortmund, die gerade mit vollen Tüten voller Spielsachen für die Enkel und Papierwaren für sich selbst aus dem Warenhaus kommt. "Hier kann man noch einigermaßen Qualität kaufen." Eine 54-Jährige meint: "Das ist nicht gut." Sie kauft bei Karstadt gerne Kurzwaren: Nähgarn, Knöpfe, Schnürsenkel. In ihrem Vorort gebe es gar keine Geschäfte mehr, die so etwas führten.

Experten: Das Ende war abzusehen

Beim Einzelhandelsverband Westfalen-Münsterland ist man nicht überrascht. "Das hat man schon erwartet", sagt Geschäftsführer Thomas Schäfer. Das Haus habe nicht die allerbeste Lage. "Es ist bitter für die Mitarbeiter." Und ein Leerstand sei nicht schön für die Innenstadt. In dieser Größenordnung sei eine Immobilie nicht so ohne weiteres zu vermieten. Schließungsgefahr für das Sport- und das Haupthaus, beide in besten Lagen, sieht er nicht. "Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen."

Stand: 10.11.2009, 14:04