Wahlkampf der Alternative für Deutschland

Bundestagswahlkampf Alternative für Deutschland in Düsseldorf

Ohne Euro nach Berlin

Wahlkampf der Alternative für Deutschland

Von Peter Schneider

Ein bisschen Polemik, ein bisschen Vorlesung - die Alternative für Deutschland (AfD) will den bürgerlichen Parteien Stimmen abjagen, hat aber noch mit ihrem Image zu kämpfen. Ein Besuch beim Wahlkampfauftritt am Montagabend (02.09.2013) in Düsseldorf.

Die Inszenierung in den Rheinterrassen ist professionell: Erst bringt ein kurzes Video mit den Pateibotschaften die etwa 1.500 Besucher in Stimmung, dann wird es im Saal dunkel und im Licht eines Scheinwerfers wird der Parteivorsitzende Bernd Lucke unter dem Beifall seiner Parteifreunde zur Bühne geleitet. Es ist Wahlkampf und wer sich hier am Montagabend (02.09.2013) mit viel Effekt inszeniert, will den bürgerlichen Parteien im Bundestag das Leben schwer machen. Die Alternative für Deutschland (AfD) liegt in den Prognosen bei etwa drei Prozent. Tendenz steigend. An diesem Abend in Düsseldorf wird vom NRW-Spitzenkandidaten Alexander Dilger sogar ein zweistelliges Ergebnis für den 22. September für möglich gehalten.

Mitglieder aus dem rechten Spektrum

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Die Strategie der AfD ist klar: Protestwähler will man gewinnen, die Wähler, die bislang CDU und FDP gewählt haben und mit der Politik der Regierungskoalition unzufrieden sind. Dabei läuft die Partei allerdings Gefahr, Stimmen und Mitglieder auch im rechtspopulistischen Spektrum zu rekrutieren. Doch den Vorwurf, die AfD könnte ein Sammelbecken für Rechtspopulisten werden, weist Lucke entschieden von sich. Bundesweit hat die AfD gut 15.000 Mitglieder, in Nordrhein-Westfalen, dem größten Landesverband, sind es 2.700. Darunter sollen sich auch ehemalige Mitglieder der rechtspopulistischen Partei "Die Freiheit" befinden.

Für den AfD-Bundesvorsitzenden Lucke kein Problem. Er ist sicher, dass es sich dabei um "ganz normale Bürger" des gemäßigten Flügels der "Freiheit" handelt. "Da haben vielleicht ein paar ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit", sagt er. Da müsse die AfD aufpassen, eine Unterwanderung der AfD sehe er überhaupt nicht. Wenn so ein "versprengtes Mitglied" schräge Ideen hat, habe das schließlich keinen Einfluss auf die Beschlüsse der Partei, so Lucke. Diese Leute würden parteiintern isoliert. In Bayern und Niedersachsen gebe es bereits entsprechende Parteiausschlussverfahren. Und in NRW? "Mir ist persönlich niemand bekannt, der in NRW aus der 'Freiheit' zur AfD gewechselt ist", so der Düsseldorfer Bundestagskandidat Ulrich Wlecke - der selbst von 1989 bis zu seinem Austritt 1992 Mitglied der Republikaner war, später der CDU beitrat, danach bei den Freien Wählern war, bevor er 2013 in die neugegründete AfD eintrat.

Züge einer Vorlesung

Bundestagswahlkampf Alternative für Deutschland in Düsseldorf

Bereits am Morgen hatte Lucke in einem Lokal in der Düsseldorfer Altstadt seine Politik bei einem Pressefrühstück präsentiert. Es ist einer von vielen Terminen, die der Hamburger Volkswirtschafts-Professor an diesem Tag in der Landeshauptstadt absolviert. Die Medien auf der einen Seite, die Parteifreunde auf der anderen: Viel Zeit zum Luftholen bleibt da nicht. Und so sieht man Lucke das Programm auch an, als er Abends seine Rede in den Rheinterrassen hält.

Dennoch sitzen viele Pointen - vor allem beim Hauptthema des Vortrags: der seines Erachtens vollkommen misslungenen Rettung des Euro durch die Bundesregierung. Schwarz-Gelb wirft er vor, die Wähler zu belügen und keine Ahnung von Wirtschaftspolitik zu haben. Das hat teilweise Schärfe, ist polemisch zugespitzt, hat aber manchmal auch verschwörungstheoretische Züge. Und nicht immer kann Lucke seine Profession verbergen - dann erhält die Wahlkampfrede Züge einer VWL-Vorlesung.

Innere Sicherheit als Thema entdeckt

Bundestagswahlkampf Alternative für Deutschland in Düsseldorf

Neben dem Profil als Eurokritiker besetzt Lucke seit kurzem verstärkt das Thema Innere Sicherheit. Erst vor gut einer Woche war er auf einer Wahlkampfveranstaltung auf der Bühne angegriffen worden. Seitdem begleiten ihn Bodyguards, und auch die Polizeipräsenz vor dem Veranstaltungssaal ist ungewöhnlich groß. Lucke ist sicher, dass "linke Gruppierungen" hinter dem Angriff stecken und nimmt dies zum Anlass, von der Polizei ein offensiveres Vorgehen zu fordern. Es könne nicht sein, dass der Staat autonome Gruppen und kriminelle Strukturen dulde, obwohl sie wiederholt durch Straftaten auffielen, kritisierte er. In Düsseldorf blieb es an diesem Tag ruhig. Weder beim Demonstrationszug der AfD durch die Düsseldorfer Innenstadt, an dem nach Angaben der Polizei 300 Menschen teilnahmen, noch bei der Wahlkampfveranstaltung sei es zu Störungen gekommen, so die Polizei.

Kritik an Wahlforschern

Lucke ist guter Dinge, dass er am 22. September Mitglied des Bundestags ist. Doch was dann? Auf keinen Fall werde man dort mit Parteien zusammenarbeiten, die an der Euro-Rettungspolitik festhalten, gibt er zu Protokoll. Eine Abkehr vom derzeitigen Rettungskurs wäre für seine Partei Grundvoraussetzung für jede Kooperation, sagte Lucke und stellt klar: "Wir sind kein Mehrheitsbeschaffer."

Viel Geld steht den Eurokritikern für den Endspurt im Wahlkampf nach eigenen Angaben nicht zur Verfügung. Großspender seien aber die Ausnahme, sagte Lucke. "Diese Gerüchte, dass wir Millionen von irgendwelchen Hintermännern bekämen, da ist überhaupt nichts dran." Darum gingen an den Rheinterrassen auch Parteimitglieder mit blauen Sparschweinen durch die Reihen - Euros sammeln für den Einzug ins Berliner Parlament.

Stand: 03.09.2013, 01:07

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