Zisterzienser in Heisterbach

Zisterzienser in Heisterbach

Von Thomas Köster

Im Mittelalter gehörten die Zisterzienser zu den einflussreichsten Orden. In Deutschland gründeten sie in der Eifel und im Rheinland besonders früh ihre Klöster. Vom Werdegang des Klosters Heisterbach bei Königswinter erzählt jetzt eine Schau im Siebengebirgsmuseum.

Abteiruine Kloster Heisterbach

Mit 85 Metern Länge war die Abteikirche der Zisterzienser im Tal des Heisterbachs im 13. Jahrhundert eine der größten des Rheinlands: größer noch als der – damals noch romanische – Dom. Von den Ausmaßen zeugt heute nur noch eine Ruine, die ein beliebtes Ausflugsziel ist und heute zum Ordensbesitz der Celitinnen gehört.

Mit 85 Metern Länge war die Abteikirche der Zisterzienser im Tal des Heisterbachs im 13. Jahrhundert eine der größten des Rheinlands: größer noch als der – damals noch romanische – Dom. Von den Ausmaßen zeugt heute nur noch eine Ruine, die ein beliebtes Ausflugsziel ist und heute zum Ordensbesitz der Celitinnen gehört.

Im zehn Kilometer entfernten Siebengebirgsmuseum in Königswinter versucht eine Ausstellung nun, die einstige Bedeutung des 1237 von zunächst zwölf Mönchen gegründeten Klosters Heisterbach wieder aufleben zu lassen. Zum Beispiel mit computersimulierten Darstellungen des imposanten Innenraums. So kostbar sah er allerdings erst nach 1500 aus.

Am Anfang war der Orden der Zisterzienser dem benediktinischen Grundsatz "Bete und arbeite" verpflichtet. In Kloster Heisterbach gingen die Mönche ihrem ritualisierten Tagwerk deshalb abgeschieden und bescheiden nach. Von dieser kargen Zeit zeugt der Abtsstab des Abtes Randulf (um 1130/50) aus dem Kloster Himmerod in der Eifel, von wo aus die Abtei Heisterbach 1189 gegründet wurde. In seiner schlichten Schönheit steht er inzwischen zusammengeschraubt in einer Vitrine.

In den ersten Jahrzehnten der Abtei gehörte der Prior Cäsarius von Heisterbach (um 1180-1240) zu den Bewohnern (hier in der Initiale einer illuminierten Handschrift). Er machte unter anderem mit "Wundergeschichten" als Autor von sich reden – etwa jene vom Mönch, der beim nächtlichen Chorgebet einzuschlafen pflegte: "Eines nachts kam der Gekreuzigte vom Altar herab, weckte den Schlafenden und schlug ihn mit solcher Kraft gegen das Kinn, dass er innerhalb von drei Tagen starb."

Auch die Welt wurde von den Zisterziensern schließlich eingelassen: Ab 1317 war die Abtei an 100 Tagen für Männer und Frauen geöffnet. Anziehungskraft für Wallfahrer hatten vor allem die zahlreichen Reliquien – auch wenn die Tunika des seligen David von Himmerod eher lokale Bedeutung hatte. Wichtiger waren da schon die Partikel vom Kreuz Christi in ihrem wertvollen Behältnis (Leihgabe des Diözesanmuseums Limburg). 

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts konnten die Gläubigen das spätgotische Bildprogramm des "Heisterberger Altars" eines unbekannten Kölner Meisters bestaunen, dessen Tafeln heute in alle Winde verstreut sind. Im Siebengebirgsmuseum steht leider nur ein schwarzweißes Miniaturmodell. Dafür darf man Mönch spielen und seine Flügel aufklappen.

Groß wurde der Orden der Zisterzienser im 12. Jahrhundert durch Bernhard von Clairvaux (1090-1153) – und durch eine päpstliche Urkunde, die Ablassgelder erlaubte. Während des Barock wurde auch der Innenraum durch Skulpturen und Gemälde bereichert. Vom frühen Glanz des Klosters zeugt dieses priesterliche Gewand mit dem blutbesprenkelten Körper des Gekreuzigten …

… von später Pracht eine mit Silberfäden durchwirkte Kasel aus dem 18. Jahrhundert, die fast schon asiatisch wirkt. Sie gehörte Pater Johann Aloys Olzem, der das Kloster nach dessen Auflösung im Zuge der Säkularisierung 1803 als letzter Mönch verließ und danach noch weiter als Priester tätig war.

Nach der Entweihung veräußerte der Bergische Staat zunächst alle beweglichen Ausstattungsgegenstände, die von der Bevölkerung erworben wurden. Weniges blieb im Besitz der Mönche, die als Priester weiterzogen. So diese Kelche, die rheinauf- bzw. rheinabwärts wanderten - und jetzt für die Ausstellung wieder zusammenfanden.

Aus der Klosterkirche wurde zeitweise eine chemische Fabrik. 1809 ging die Abtei an einen Steinehändler, der sie abtrug. Das Material wurde in der Umgebung verbaut. Was blieb, ist jene Ruine, die in der Romantik zum Sehnsuchtsort avancierte und die bis heute besteht (Carl Schlickum, "Heisterbach im Winter", um 1845, aus der Bonner Sammlung RheinRomantik).

Zur Popularisierung trug Wolfgang Müllers Ballade "Der Mönch von Heisterbach" bei, in der ein an der biblisch belegten Zeitlosigkeit Gottes zweifelnder Mönch zur Strafe buchstäblich aus besagter Zeit fällt. Die Ballade wurde ihrerseits wieder visualisiert – etwa durch Max Ernsts Vater Philipp. Sein in Königswinter ausgestelltes Aquarell aus Privatbesitz war laut Aussage des Sohnes Initialzündung für die eigene Malerei.

Im Rahmen dieser Popularisierung ließen sich Rheintouristen zunächst von Eseln, später auch von einer eigens eingesetzten Bahn zur Ruine ziehen und in neu entstandenen Hotels und Restaurants beherbergen und verköstigen. Auch diesen Teil der Geschichte erzählt die Ausstellung im Siebengebirgsmuseum anhand von zahlreichen Devotionalien nach.

Die Faszination der Heisterbacher Abteiruine jedenfalls besteht bis heute – und das auch bei Menschen, die mit der religiösen Besinnlichkeit der mittelalterlichen Zisterziensermönchen wohl nichts am Hut haben dürften. Wie das Band-Foto der Sauerländer Power-Metal-Combo "Orden Ogan" am Ende der historischen Tour im Siebengebirgsmuseum beweist.

Und wie es drinnen, als die Abteikirche noch bestand, ausgesehen haben könnte, zeigt ein Blick in ein gewaltiges Modell, das ein Realschuldirektor zu Beginn des 19. Jahrhunderts von seinen Schülern anfertigen ließ. Es steht in der ständigen Sammlung des Hauses, die sich mit der ökonomischen, kulturellen und alltäglichen Geschichte der Region beschäftigt. Und auch die lohnt einen Besuch.

"Zisterzienser in Heisterbach. Was war – Was ist – Was bleibt" ist noch bis zum 5. November 2017 im Siebengebirgsmuseum in Königswinter zu sehen. Es ist die perfekte, aufs Rheinland fokussierte Einstimmung auf die große Schwesterausstellung "Die Zisterzienser" im LVR Landesmuseum Bonn, die die Bedeutung des Ordens ab 29. Juni 2017 im "Europa der Klöster" verortet. Im Bild: Wolfgang Sahlmanns "Der Mönch von Heisterbach" (2005/2009).

Stand: 16.05.2017, 09:00 Uhr