"Mehr Personal in der Streife"

Wohnungseinbruch

Innenminister Jäger bilanziert Präventionskampagne "Riegel vor"

"Mehr Personal in der Streife"

Landesinnenminister Ralf Jäger präsentierte am Mittwoch (6.1.) in Düsseldorf, wie gut seine Präventionskampagne "Riegel vor! - MOTIV - Mobile Täter im Visier" bisher funktioniert hat. Die Ermittler aus den NRW-Großstädten hätten durch ihre enge Zusammenarbeit mit den Niederländern einige international agierende Einbrecherbanden gefasst. Trotzdem wurden im ersten Halbjahr 2015 in Düsseldorf mehr als 1700 Wohnungseinbrüche gemeldet. Die Polizeigewerkschaft sieht Jägers Ermittlungserfolge deshalb kritisch.

Wir sprachen mit Wolfgang Spies. Er ist Kriminalhauptkommissar und im Vorstand der Polizeigewerkschaft NRW mit Sitz in Düsseldorf.

WDR: Landesinnenminister Jäger setzt neben der besseren Vernetzung der Ermittler in seiner Kampagne "Riegel vor" vor allem auf die Mithilfe der Bürger im Kampf gegen Einbrecher. Was genau ist der Inhalt der Kampagne?

Wolfgang Spies: Sie fordert die Bürger auf, ihre Wohnungen besser zu sichern und verdächtige Personen sofort der Polizei zu melden und auch auf die Häuser der Nachbarn im Blick zu haben. Um die Nachbarschaft besser zu schützen.

WDR: Wie effektiv ist diese Strategie?

Wolfgang Spies: Sie ist ein wirksames Mittel. Aber wir können nicht die Herstellung der öffentlichen Sicherheit vom Bürger erwarten. Die Kampagne ist nur ein Baustein von vielen. Sie muss durch andere Maßnahmen ergänzt werden.

WDR: An welche Maßnahmen denken Sie?

Wolfgang Spies: Wir brauchen mehr Personal in der Streife, um die Täter tatsächlich abzuschrecken. Und auch in der Spurenauswertung, damit wir die Spuren am Tatort möglichst schnell auswerten können, um die Einbrecher zu schnappen. Außerdem brauchen wir eine Änderung der Bauordnung.

WDR: Inwiefern?

Wolfgang Spies

Wolfgang Spies

Wolfgang Spies: Es müsste gesetzlich geregelt sein, dass Neubauten direkt mit einem höheren Einbruchsschutz gebaut werden müssen. Ähnlich, wie wir es ja auch für den Brandschutz haben. Der Täter ist auf einen schnellen Einbruch aus. Sobald er auf Widerstände stößt, bricht er den Einbruch ab. Das müsste den Politikern endlich bewusst werden, dass wir mit solchen einfachen Maßnahmen viel erreichen könnten.

Das Interview führte Meriem Benslim.

Zahlen und Fakten

Einbruchsbrennpunkte sind bisher besonders Duisburg, Essen und Düsseldorf. Täglich kommen hier hin organisierte Einbrecherbanden, zum Beispiel aus den Benelux-Ländern. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden dadurch in Düsseldorf 1720 Wohnungseinbrüche gemeldet. Im gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf waren es sogar 10701.

Stand: 06.01.2016, 10:05