Virologen: Bislang keine Gefahr für Deutschland

Tigermücke

Ausbruch des Zika-Virus

Virologen: Bislang keine Gefahr für Deutschland

Von Benjamin Esche

Das Zika-Virus hat in Südamerika bereits Millionen Menschen infiziert. In NRW gibt es nun auch den ersten Fall. Doch Experten sehen noch keine Gefahr für Deutschland. Schwangere sollten aber Reisen in Epidemie-Gebiete meiden.

Nachdem bei einer Frau aus Köln das Zika-Virus festgestellt wurde, ist der in Süd- und Mittelamerika grassierende Erreger damit erstmals in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden. Das Gesundheitsamt in Köln teilte am Donnerstag (28.01.2016) mit, dass das Virus bereits vor einer Woche im Blut der Kölnerin gefunden wurde. Die Frau sei vor Kurzem in Haiti gewesen und habe sich möglicherweise dort angesteckt. Sie wurde in eine Hamburger Spezialklinik gebracht. Mittlerweile hat das Gesundheitsamt Köln Entwarnung gegeben.

"Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln", sagt Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und Experte der Gesellschaft für Virologie (GfV). "Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird", so Drosten weiter. Die wenigen hierzulande registrierten infizierten Personen hatten die Erkrankung direkt aus anderen Ländern eingeschleppt.

Zika-Virus grassiert in Südamerika

Seit dem Frühjahr 2015 hat sich das Zika-Virus in Südamerika stark ausgebreitet. Besonders in Brasilien haben sich seitdem Millionen Menschen angesteckt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen rund 20 Länder betroffen sein. Übertragen wird das Zika-Virus über die Gelbfiebermücke und die asiatische Tigermücke, die auch für das Dengue-Fieber verantwortlich sind. Ob der Erreger auch über das Blut oder beim Geschlechtsverkehr übertragen werden kann, wird von Wissenschaftlern gerade erforscht. Bisher wurden zwei entsprechende Fälle nachgewiesen.

virus-zika

Brasilien kämpft gegen die Ausbreitung des Zika-Virus

Typisch für eine Infektion mit Zika-Viren sind Fieber, knotiger Hautausschlag, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie eine Bindehautentzündung. Da es sich auch um grippeähnliche Symptome handelt, wissen die meisten Menschen nicht, dass sie sich angesteckt haben. Mittels Blutuntersuchung lässt sich eine Infektion feststellen. Nach zwei bis sieben Tagen klingen die Anzeichen aber wieder ab. Eine Impfung gegen das Virus gibt es bislang nicht.

Zika-Virus Grafik

Schädelmissbildungen bei Neugeborenen durch Zika-Virus?

Besonders gefährlich ist das Zika-Virus allerdings für Schwangere. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass es zu Schädelmissbildungen bei Neugeborenen – der sogenannten Mikrozephalie – führen kann. Das brasilianische Gesundheitsministerium meldet mehrere Tausend Verdachtsfälle von Mikrozephalie im Zusammenhang mit dem Zika-Ausbruch. Doch nicht alle Fälle bestätigen sich. Die WHO spricht nur von 600 Verdachtsfällen. Virologe Drosten hält die Anzahl für besorgniserregend, warnt aber gleichzeitig vor voreiligen Rückschlüssen: "Wir wissen beispielsweise, dass es nicht bei jedem Kind, dessen Mutter in der Schwangerschaft eine Zika-Virusinfektion durchgemacht hat, zu Fehlbildungen kommt."

Zika-Virus und erkranktes Baby

Das Zika-Virus soll bei Neugeborenen für Fehlbildungen sorgen

Das Auswärtige Amt rät Schwangeren von vermeidbaren Reisen ins Epidemie-Gebiet ab. Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) versucht zu beschwichtigen: "Das ist zwar ein großer Ausbruch, aber es betrifft die tropischen Gebiete der Welt." Europa sei davon grundsätzlich nicht betroffen. Doch die Epidemie hat nun auch die WHO auf den Plan gerufen, die in einer Dringlichkeitssitzung am Montag (01.02.2016) prüfen will, ob ein internationaler Gesundheitsnotfall vorliegt. Bei der WHO geht man davon aus, dass das Virus in den kommenden Monaten drei bis vier Millionen Menschen in Süd- und Mittelamerika infizieren könnte.

Mikrozephalie

Eine Mikrozephalie ist eine Schädelmissbildung, bei der der Schädel im Vergleich zum Normalzustand zu klein ist. Mikrozephalie geht meistens auch mit einer geistigen Behinderung einher. Die Ursachen der Missbildung liegen oft in der Fehlentwicklung des Gehirns oder im vorzeitigen Verschluss aller Schädelnähte, die im Rahmen genetischer Defekte oder schädigender Einflüsse während der Schwangerschaft entstehen.

Zika-Infektion nur ein Mal möglich

Warum das Zika-Virus gerade jetzt so heftig ausbricht, ist bislang nicht geklärt. Aggressiver sei das Virus nicht geworden, meint Susanne Glasmacher vom RKI: "Bei Dengue gab es ein ähnliches Phänomen, bei dem Südamerika lange Zeit nicht betroffen war und dann nach dem ersten Auftreten eine weite Ausbreitung erfahren hat." Das Zika-Virus wird nun auch von Wissenschaftlern hinsichtlich eines Zusammenhangs mit dem Guillain-Barré-Syndrom untersucht. Besonders in Brasilien und El Salvador wird ein sprunghafter Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms gemeldet.

Für Christian Drosten von der Gesellschaft für Virologie ist wichtig, dass die Erforschung des Zika-Virus und die Entwicklung einer Impfung nun im Fokus stehen. Zu diesem Zweck hat die Europäische Union gerade zehn Millionen Euro Forschungsgelder ausgelobt. Hoffnung macht dem Virologen, dass Zika einen wichtigen Unterschied zu Dengue aufweist: "Anders als beim Dengue-Virus kann sich der Mensch nur einmal im Leben mit Zika-Viren infizieren, danach ist er immun." Es sei also denkbar, dass eine Phase der Virusausbreitung eine immune Bevölkerung hinterlässt und dies dazu führt, dass sich die Epidemie von selbst eindämmt.

Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine entzündliche Nervenerkrankung. Betroffen sein können dabei die Nervenbahnen, die vom Rückenmark zu den Muskeln oder anderen Organen ziehen, sowie solche, die von der Haut und anderen Organen zum Rückenmark ziehen. Die Krankheit beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen und kann zu Taubheitsgefühl und Lähmung der Gliedmaßen führen. In schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, was eine künstliche Beatmung der Betroffenen erfordern kann. Auslöser des Guillain-Barré-Syndroms sind Infektionen durch verschiedene Erreger.

Stand: 29.01.2016, 12:00