Vogelgrippe – 10 Jahre später

Vogelgrippe – 10 Jahre später

Vor 10 Jahren kam das Vogelgrippe Virus auch nach Deutschland. Experten fürchteten eine Pandemie, Bürger fürchteten sich vor Enten im Park. Heute ist das Virus in asiatischen Ländern weit verbreitet und es sterben auch Menschen an der Vogelgrippe.

Von Christina Sartori

Vor 10 Jahren: Viele Befürchtungen

Nach dem Auftauchen eines Falles von Vogelgrippe in Rumänien wird dort das Geflügel geschlachtet und vernichtet, hier in Bukarest am 14.10.2005

Vor zehn Jahren stieg die Zahl der an Vogelgrippe gestorbenen Vögel rasant

Zuerst war das Vogelgrippe Virus H5N1 2009 in Südostasien aufgetreten. Dort verbreitete es sich schnell unter Hühnern, Enten und anderem Geflügel. Manchmal starben auch Menschen daran. Beängstigend war die Tödlichkeit des Erregers: Sehr viele der Menschen, die sich mit H5N1 infiziert hatten, überlebten es nicht. Eine wichtige Fähigkeit besaß das Virus aber nicht: Es konnte nicht von einem Menschen zum nächsten Menschen übertragen werden. Alle Erkrankten hatten vorher engen Kontakt mit krankem Federvieh gehabt. Das war eine gute Nachricht, denn erst wenn ein Virus von einem Menschen zum nächsten „springt“, kann sich eine Pandemie entwickeln. Die schlechte Nachricht: Viren können neue Eigenschaften hinzugewinnen. Und so fürchteten Ärzte und Wissenschaftler weltweit den Tag, an dem H5N1 von einem Menschen auf andere Menschen übertragen würde. „Man kann das ja nicht wissen, ob das geschehen wird“, beschreibt die Wissenschaftlerin Dr. Silke Buda vom Robert Koch Institut (RKI) in Berlin die Situation, „aber auch die Weltgesundheitsorganisation hatte H5N1 als mögliche Bedrohung bezeichnet“.

Ängste der Bevölkerung

Archivbild: Den Flügel eines toten Wasservogels sammeln Bundeswehrsoldaten in Schutzanzügen

Bilder von Menschen in Schutzanzügen prägten die Berichterstattung über das Virus H5N1

Die Unsicherheit verbreitete sich auch in der Bevölkerung. Nachrichtenbilder von Menschen in Ganzkörper-Schutzanzügen, die ganze Herden von Hühnern einsammelten und keulten, taten ihr Übriges. Da der Erreger sich unter Geflügel schnell verbreitete, musste stets die ganze Herde getötet werden, sobald bei einem Tier H5N1 nachgewiesen wurde. So hoffte man, die Verbreitung des Erregers einzudämmen. Mit Erfolg: In Deutschland wurde dieses Vogelgrippe Virus schon seit Jahren nicht mehr nachgewiesen. Weltweit sieht es allerdings anders aus.

Das Virus zirkuliert immer noch

„In Europa wurde noch im vergangenen Jahr H5N1 in einzelnen Fällen bei Vögeln nachgewiesen“, weiß Dr. Buda vom RKI, "und in China, Indonesien und Vietnam zirkuliert das Virus im Geflügel“. In Ägypten ist es ein Problem: Dort scheint die Zahl der Vogelgrippe-Ausbrüche wieder zu steigen und es sind auch Menschen betroffen: Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, dass 2015 39 Menschen an der Vogelgrippe gestorben sind. „Das war besorgniserregend, deswegen wurde auch ein internationales Experten-Team dorthin geschickt, um das genauer zu untersuchen“, berichtet Dr. Buda.

Sie sind viele

Archivbild: Den Flügel eines toten Wasservogels sammeln Bundeswehrsoldaten in Schutzanzügen

Das Vogelgrippe-Virus ist nicht allein

H5N1 ist nicht alleine. Es gibt mehrere Vogelgrippe Viren, die H5N1 ähneln: Manche sind neu entstanden, manche sind aus H5N1 entstanden, in dem es sich verändert hat. Denn wie auch andere Grippeviren können Vogelgrippe Viren sich schnell verändern. Das ist es auch, was Wissenschaftler gerade Grippeviren mit Sorge betrachten lässt: Durch Veränderungen kann aus einem Virus, das „nur“ für Geflügel gefährlich ist, ein Erreger entstehen, der Menschen schwer erkranken oder sterben lässt und sich von Mensch zu Mensch verbreitet. „Es besteht kein Grund zur Panik“, betont Dr. Buda, „aber da muss man ein Auge drauf haben – und das tun wir auch, das tut auch die Weltgesundheitsorganisation.“

Stand: 15.02.2016, 12:25