Vom falschen Wilhelm und einer erfundenen Insel

Vom falschen Wilhelm und einer erfundenen Insel

Jeder kennt den Spruch: Verlass dich nicht allein auf Wikipedia. Denn immer wieder fällt die Online-Enzyklopädie mit Fehlern auf. Zum 15-jährigen Bestehen haben wir besonders schöne Falschmeldungen zusammengetragen.

Karl Theodor zu Guttenberg

Freiherr zu Guttenberg, einst Verteidigungsminister, hat viele Vornamen. Wilhelm gehört nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen auch Wilhelm rein. Der Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber aus dem Online-Lexikon. Es ist die wohl bekannteste Fälschung im deutschsprachigen Wikipedia. Welch ein Zufall, dass Guttenberg später ausgerechnet wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetreten ist.

Freiherr zu Guttenberg, einst Verteidigungsminister, hat viele Vornamen. Wilhelm gehört nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen auch Wilhelm rein. Der Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber aus dem Online-Lexikon. Es ist die wohl bekannteste Fälschung im deutschsprachigen Wikipedia. Welch ein Zufall, dass Guttenberg später ausgerechnet wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetreten ist.

Ein kleines Land mit vielen Parteien: Im Kosovo sollte es 2008 fünf Parteien geben, die so überhaupt nicht existierten. Darunter waren die Democratic Republic Party, Union of Kosovo Party und Peoples Party of Kosovo. Sechs Jahre konnten sich entsprechende Einträge halten, ehe sie gelöscht wurden. Der Verfasser wurde blockiert.

Außen braun und pelzig/stachelig, innen grün und süß: Die Kiwifrucht stammt aus China und hat einen Liebhaber, der ihr einen falschen Namen verpasste. In einem inzwischen geänderten englischsprachigen Artikel hieß es, die Frucht habe mehrere ältere Namen, darunter auch "hairy bush fruit". Auch hier blieb der Fehler oder Hoax sechs Jahre unentdeckt.

Das nennt man üble Nachrede oder Verleumdung: Der US-Journalist John Seigenthaler musste 2005 feststellen, dass ihm in Wikipedia eine Verwicklung in die Morde an John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.

Von Johann Sebastian Bach bis Ludwig van Beethoven: Deutschland ist ein Land der Komponisten. Doch Gottfried Eschenbach hat es nie gegeben, lediglich auf wikipedia.

Auch dies ist eine freie Erfindung. Porchesia soll eine Insel heißen, die vor der Küsten Syriens und des Libanons liegt. Arabisch, Englisch und Griechisch wird dort gesprochen. 350.000 Einwohner leben dort - so weit die Legende oder eher gesagt: so weit der frühere Wikipedia-Eintrag. Denn die Insel gibt es nicht. Es wäre auch ein Wunder, sollte diese Insel, die doppelt so viele Bewohner hat wie Rhodos (Bild), dermaßen unbekannt wäre.

Auch Politiker und Unternehmen nutzen Wikipedia, um ihr Image aufzupolieren oder unliebsame Passagen zu manipulieren. Microsoft etwa löschte kritische Zeilen über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen. Ähnlich arbeitetet die Initiative Bundesedit, die auf Twitter Textänderungen durch öffentliche Stellen publik macht.

Der Romanistikprofessor der Universität Bamberg, Martin Haase, hat mehrere wissenschaftliche Arbeiten über die Online-Enzyklopädie verfasst. Er hält die Qualität trotz der Fehler ingesamt für ziemlich gut. "Es hängt natürlich vom Thema und den Beiträgen ab. Aber da meist viele Augen auf die Artikel schauen, gerade bei strittigen Fragen, kann man schon von einer hohen Verlässlichkeit ausgehen", meint Haase.

Stand: 15.01.2016, 06:30 Uhr