Würzig, süßlich und sehr speziell

Ein Messdiener schwenk Weihrauch

Weihrauch-Wissen zu Weihnachten

Würzig, süßlich und sehr speziell

Von Andreas Sträter

Zur Weih-Nacht gehört in vielen Kirchen auch der Weih-Rauch. Für viele ist er ein festlicher Duft, für andere ein Anschlag auf ihre Atemwege. Was Weihrauch überhaupt ist und welche Wirkungen er hat, haben wir Fachleute gefragt.

Weihrauch ist in Kirchen immer ein duftendes Zeichen dafür, dass es sich um ein besonderes Fest handeln muss. Zu Weihnachten, Ostern oder zu Prozessionen wird Weihrauchharz auf glühende Kohlen gelegt. Früher war die Verwendung von Weihrauch in jedem katholischen Hochamt und bei der eucharistischen Andacht vorgeschrieben. "Heute kann Weihrauch immer verwendet werden, muss aber nicht", erläutert Thomas Throenle, Sprecher des Erzbistums Paderborn, gegenüber dem WDR. In vielen Gemeinden werde er aber vor allem zu den Hochfesten eingesetzt. Der Weihrauch stehe dabei für den "Wohlgeruch Gottes", der mit dem Gebet aufsteige, so Throenle. "Weihrauch ist ein Zeichen der Verehrung und Anbetung Gottes, aber auch für Umkehr und Reinigung." Soviel zur religiösen Bedeutung. Wir sind dem Weihrauch wissenschaftlich nachgegangen.

Was ist Weihrauch überhaupt?

Weihrauch bezeichnet den Rauch, der beim Verbrennen von Harz des Weihrauchbaums entsteht, erläutert Botanik-Professorin Gertrud Lohaus von der Bergischen Universität Wuppertal. Der Weihrauchbaum zählt zur Familie der Balsambaumgewächse. Durch Anritzen der Baumstämme fließt ein weißlich-gelber Saft heraus, der dann trocknet und sich in perlenartiger Form auf der Rinde des Baumes absetzt, erklärt der Tübinger Pharmakologe Professor Hermann Ammon. Diese Perlen werden auch als "Tränen" bezeichnet. Bäume produzieren Harz als Wundverschluss, um sich gegen Fraßfeinde zu schützen.

Woraus besteht das Weihrauch-Harz?

"Das Weihrauch-Harz enthält Harzsäuren und ätherische Öle, also starke Geruchsstoffe, wie sie auch in Nadelbäumen vorkommen", erläutert die Wuppertaler Pflanzenforscherin Lohaus. Hinzu kommen aromatische Verbindungen: "Ähnlich wie Terpentin als Lackverdünner", vergleicht sie.

Wie viele Weihraucharten gibt es?

Der Weihrauchbaum gehört zu der Pflanzenfamilie Boswellia. Ein gewisser Herr Boswell war wohl der Erste, der diesen Pflanzen einen Namen gegeben hat. "Von diesen Bäumen gibt es mindestens neun verschiedene Arten, die allerdings immer wieder dasselbe Harz in unterschiedlicher Qualität produzieren", erläutert Hermann Ammon.

Wo wächst Weihrauch?

Weihrauch

Weihrauch-Frau im Oman

Der Weihrauchbaum wächst in den Wüsten von Somalia, Saudi-Arabien, Äthiopien und Indien, erläutert Weihrauchforscher Ammon. Die meist verwendete Art – Arabischer Weihrauch (Boswellia sacra) – wächst im Oman auf der Arabischen Halbinsel und in Nordost-Afrika.

Wie wirkt Weihrauch?

Weihrauch ist ein Jahrtausende altes Arzneimittel. "Seine Anwendung lässt sich in das alte Ägypten sowie in die ayurvedische Medizin Indiens zurück verfolgen", sagt Ammon. Unter dem Namen Olibanum war Weihrauch auch ein Arzneimittel des Mittelalters bis in die Neuzeit. In der modernen Medizin sei der Weihrauch in Deutschland im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten, da keine wissenschaftlichen Studien eine gesundheitliche Wirksamkeit nachweisen konnten. Das hat sich inzwischen geändert. Einige Studien hätten in Tierversuchen entzündungshemmende Wirkungen nahe gelegt, erläutert der Tübinger Professor. Als Nahrungsergänzungsmittel wird Weihrauch nicht in verbrannter Form wie in der Kirche verwendet, sondern in Form von Extrakten. Denn diese enthalten die wirksamen Bestandteile des Weihrauchs, so Ammon.

Woran könnte es liegen, dass einige Menschen den Geruch von Weihrauch lieben, andere ihn aber gar nicht mögen?

"Wir Menschen können Gerüche nicht im Gehirn verarbeiten, ohne sie zu bewerten", erklärt die Botanikerin Lohaus. Mit dem Geruch von Weihrauch in der Nase verbinde jede Person automatisch Gefühle. "Das ist ähnlich wie bei Duftlampen oder Nahrungsmitteln, die stark aromatisiert sind und viele ätherische Öle enthalten", ergänzt die Pflanzenforscherin. Einige ätherische Weihrauch-Substanzen finden sich auch in Parfüms wieder.

Hat Weihrauchgeruch in der Kirche einen Einfluss auf den Kreislauf?

Weihrauchforscher Ammon sagt, der Duft von Weihrauch habe keinen Einfluss auf den Kreislauf. Wie bei einem Parfüm sei auch der Weihrauchgeruch Geschmackssache. Es gebe allerdings schon Kirchenbesucher, die sagen, ihnen würde von Weihrauch schlecht, sagt Thomas Throenle, Sprecher beim Erzbistum Paderborn. "Aber das ist sicher eine Minderheit." In einer kleinen Kapelle sollte Weihrauch nicht zu intensiv eingesetzt werden. In einem Dom oder einem sehr großen Gotteshaus hingegen fielen größere Mengen kaum auf, so Throenle.

Führt Weihrauch zu erhöhten Feinstaub-Werten in Festgottesdiensten?

Viel Weihrauch wirkt sich auf die Feinstaubwerte aus. Ein Klimatologe der Universität Duisburg-Essen fand vor einigen Jahren heraus, dass die Feinstaub-Belastung in katholischen Kirchen an hohen Feiertagen den EU-Grenzwert kurzzeitig um mehr als das Vierfache übersteigen kann. Der Weihrauch, der an den hohen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern benutzt wird, kann den Wert auf bis zu 220 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter steigern. Der EU-Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm im Tagesdurchschnitt. Nicht nur der Weihrauch treibt die Werte dabei kurzzeitig hoch, sondern auch die vielen angezündeten Kerzen während der Festgottesdienste. Nur sind die Beteiligten dieser Belastung eben nur kurzfristig ausgesetzt.

Stand: 24.12.2015, 08:00