Warum wir nicht in die Vergangenheit reisen werden

Stephen Hawking

Warum wir nicht in die Vergangenheit reisen werden

  • Physiker Stephen Hawking glaubt nicht an Besucher aus der Zukunft
  • Reisen in die Zukunft laut Relativitätstheorie theoretisch möglich
  • Praktisch müsste der Mensch dafür allerdings schneller als das Licht fliegen können

Wer eine Party plant, verschickt die Einladung immer davor. Macht Sinn, die Freunde sollen ja die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Stephen Hawking einer der einflussreichsten Physiker unserer Zeit hat es im Juni 2009 genau umgekehrt gemacht. Er hat einen standesgemäßen Raum angemietet, Champagner und Buffet bereitgestellt – die Einladung hat er jedoch erst danach verschickt. Trotzdem hat der Physiker auf Besucher gewartet.

Die Zeitmaschine

Zeitmaschine in der Verfilmung mit Roy Taylor

Das klingt einigermaßen verrückt. Für Hawking war das jedoch ein Versuch zum Thema Zeitreisen. "Die Einladung zur Party steht auf Papier, das viele Tausend Jahre überstehen soll. Sollten Menschen irgendwann, in ferner Zukunft, durch die Zeit reisen können, könnten sie sich entscheiden, der Einladung zu folgen. Sie könnten zurück in die Vergangenheit reisen und die Party stürmen", so Hawking. Es sollte die außergewöhnlichste Party der Welt werden. Und wurde die einsamste. Für Hawking war damit klar, dass die Menschheit niemals eine Zeitmaschine bauen wird.

Wie findet man eigentlich Zeitreisende?

WDR 5 Leonardo - Hintergrund | 14.03.2015 | 10:38 Min.

Download

Theorie 1: Neue Zeitlinien?

Reist ein Mensch in die Vergangenheit, könnte ein sogenanntes Paralleluniversum entstehen. Die Zeit, aus der er kommt, läuft weiter – ohne Veränderungen, als hätte es nie eine Zeitreise gegeben. Aber in der Zeit, in der er ankommt, entsteht von diesem Moment an ein neuer, eigenständiger Zeitstrahl, verändert durch seine Zeitreise. Die Idee kommt aus der Physik der Quantenmechanik.

Die Rückseite eines durchsichtigen Ziffernblattes

Die Vergangenheit lässt sich verändern. Aber es entstehen Widersprüche, auch bekannt als Großvater-Paradoxon. Was passiert, wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit verändert, zum Beispiel zu seinem Großvater reist, als der noch ein junger Mann ist und ihn umbringt? Der Opa würde nie Opa, da er keine Kinder bekäme. Und der Zeitreisende würde niemals geboren werden. Das heißt, er könnte auch nicht durch die Zeit reisen und den Opa umbringen. Aber wer hätte dann ihren Opa getötet.  – Ein Paradoxon.

Theorie 2: Zeitreisende können die Vergangenheit nicht verändern.

Die Zeit läuft vielleicht auch nur in eine Richtung – der Zukunft entgegen. Der Zeitreisende kann beobachten, aber nichts verändern. Für den Astronom und Blogger Florian Freistetter die spannendste Theorie. "Die Tatsache, dass die Zeitreise in die Vergangenheit so schnell zu solchen Paradoxien führt, ist entweder ein Zeichen dafür, dass Zeitreisen in die Vergangenheit nicht möglich sind, dass die Natur sowas nicht erlaubt", sagt der Wissenschaftler. Möglich sei aber auch, dass wir bei Reisen in die Vergangenheit, dort nichts tun können, was eine Paradoxie erzeugt. "Wenn man probieren würde, seinen Großvater umzubringen, dann würde irgendwas dazu führen, dass man es nicht tun kann." So zumindest die Theorie.

Wie Einstein auf die Relativitätstheorie kam

Einstein und die Relativitätstheorie

Zeitreisen und Relativitätstheorie

Was funktionieren könnte, sind Reisen in die Zukunft. Allerdings hat die Sache einen Haken, sagt Andreas Müller, Astro-Physiker an der TU München. "Da kommt Einsteins Relativitätstheorie ins Spiel. Wenn wir so schnell werden könnten wie das Licht, dann ist das wirklich so, wie es in den Science Fiction-Filmen dargestellt wird."

Ein Arzt misst den Blutdruck einer Frau

Wenn schon, dann eine coole Zeitmaschine

Aber selbst, wenn wir es schaffen würden, schneller als das Licht zu fliegen, gibt es einen weiteren Haken. Die Zeitreisenden in der Realität setzen sich nicht in einen roten Ledersessel, geben bequem das Zieldatum ein, ziehen am Hebel und finden sich mit einem Ruck in einer anderen Zeit wieder. Zeitreisende hätten auch kein stilvolles Auto mit Flügeltüren wie in "Zurück in die Zukunft". Aber was dann?

Reisen in die Zukunft theoretisch möglich

Eine Rakete hebt vom Boden ab

Ohne Raumschiff geht es nicht

Ohne den Umweg über Raumschiff und Weltall wird es nicht gehen, meint Florian Freistetter. "Wenn ich jetzt mit einem Raumschiff sehr schnell von der Erde wegfliegen würde und dann umdrehe und sehr schnell wieder zurückkomme, ist für mich weniger Zeit vergangen, als für die Erde." So kann ein Raumfahrer je nach Geschwindigkeit zehn Jahre unterwegs sein mit dem Raumschiff und auf der Erde sind vielleicht 1000 Jahre vergangen oder 100.000 Jahre. "Wenn ich dann ankomme", so Freistetter, "dann bin ich in der Zukunft aus meiner Sicht gesehen."

Dieser Effekt von Bewegung und Gravitation auf die Zeit ist vor 45 Jahren das erste Mal anschaulich nachgewiesen worden. Damals wurde eine Atomuhr in einem Flugzeug um die Welt geflogen, die andere blieb am Boden. Am Ende des Fluges wichen die Uhren voneinander ab – wenn auch nur um etwas mehr als 200 Milliardstel Sekunden. Jetzt müssen wir nur noch ein Raumschiff bauen, das schneller als das Licht fliegen kann, um die Theorie in der Praxis zu testen.

Autor des Radiobeitrags ist Antje Kießler.

Stand: 10.03.2017, 11:27