40 Jahre Voyager: Mit Infos zur Menschheit im All

40 Jahre Voyager: Mit Infos zur Menschheit im All

Von Andreas Sträter

Weit, weiter, Voyager: Am 20. August 1977 wurde die erste von zwei Zwillingssonden gestartet. 40 Jahre später fliegen sie noch immer und liefern munter Daten.

Montage der Golden Record/ Start der Voyager-Sonde

Mission war zunächst nur für vier Jahre ausgelegt
Schon von Anfang an war klar: die beiden Sonden Voyager 1 und Voyager 2 gehen auf eine ganz große Reise – vorbei an den Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Als Voyager 2 am 20. August 1977 ins All geschossen wurde, war die Mission auf vier Jahre ausgelegt. Eine Lebensdauer für ein Raumfahrtzeug von 40 Jahren hätte man gar nicht planen können, erläutert Planetenforscher Gerhard Schwehm dem WDR. "Aber im Stillen hat man mit diesem Erfolg doch gerechnet."

Mission war zunächst nur für vier Jahre ausgelegt
Schon von Anfang an war klar: die beiden Sonden Voyager 1 und Voyager 2 gehen auf eine ganz große Reise – vorbei an den Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Als Voyager 2 am 20. August 1977 ins All geschossen wurde, war die Mission auf vier Jahre ausgelegt. Eine Lebensdauer für ein Raumfahrtzeug von 40 Jahren hätte man gar nicht planen können, erläutert Planetenforscher Gerhard Schwehm dem WDR. "Aber im Stillen hat man mit diesem Erfolg doch gerechnet."

Nie ist ein von Menschen erbautes Objekt weiter geflogen
Die Mission der kosmischen Überflieger gilt als eine der erfolgreichsten NASA-Unternehmungen aller Zeiten. Nie ist ein von Menschen erbautes Objekt weiter geflogen: Voyager 1, gestartet am 5. September 1977, ist so weit von uns entfernt wie 137 Mal der Abstand von der Erde zur Sonne. Die Sonde hat somit 20 Milliarden Kilometer zurückgelegt.

Aufenthaltsort: Zwischen Sonnensystem und interstellarem Raum
Haben die Sonden unser Sonnensystem bereits verlassen? "Wann das Sonnensystem zu Ende ist, ist eine Definitionsfrage", sagt die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeister. Im Übergang vom Reich der Sonne in den interstellaren Raum spielt das Magnetfeld der Sonne keine Rolle mehr. Auf diesem Weg gibt es mehrere Phasen: Termination Shock (Geschwindigkeit fällt auf Überschall), Heliosheath (Übergangsgebiet) und Heliopause (Sonnenwind spielt keine Rolle mehr). Seit Anfang 2013 befindet sich Voyager 1 in der Heliopause, während Voyager 2 noch im Heliosheath verweilt.

Infos über die Menschheit - zur Selbstreflexion
Voyager 1 führt eine Datenplatte (Voyager Golden Record) mit sich, auf der Bild- und Toninformationen erhalten sind. "Es ist eine Botschaft ins All", sagt die Bochumer Astronomin Hüttemeister. "Auf der Platte sind Informationen dazu gespeichert, wie Menschen aussehen und wo die Position der Erde ist." Dass die Sonde gefunden werde, sei sehr unwahrscheinlich: "Im großen interstellaren Raum ist die Sonde doch sehr klein." Die Hinterlassenschaften der Menschheit seien eigentlich gar nicht für außerirdische Existenzen gedacht: "Vielmehr bringen sie uns dazu, um über uns selbst nachzudenken."

Grußbotschaft an die Aliens in 55 Sprachen
Neben Bildern finden sich Audiodaten auf der Datenplatte. Geräusche wie Wind, Donner und Tierlaute sind ebenso auf die Platte gepresst worden wie Grußbotschaften in 55 Sprachen. Auch Jimmy Carter, damaliger US-Präsident, hat eine Grußbotschaft hinterlassen: "Dies ist ein Geschenk einer kleinen, weit entfernten Welt (...)." Kurt Waldheim, damaliger UN-Generalsekretär (rechts), richtete sich ebenfalls an Außerirdische: "Wir treten aus unserem Sonnensystem ins Universum auf der Suche nur nach Frieden und Freundschaft (...)."

Musik: Von Johann Sebastian Bach bis Chuck Berry
Die Zwillingssonden haben 90 Minuten Musik im Gepäck: Den Song "Johnny B. Goode" der Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry (rechts), dazu klassische Musik von Johann Sebastian Bach (links), Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven sowie Klänge aus Australien, Bulgarien, Japan, Polynesien oder Peru – alles auf den goldenen Datenträger gepresst.

Ein Meilenstein für die Planetenforschung
Das Hauptziel der Mission war die Erforschung von Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. "Das Ganze ist auch als Grand Tour im Sonnensystem bekannt", erläutert Astronomin Susanne Hüttemeister. "Es funktionierte nur, weil die Planeten günstig zueinander standen." In den 70-er Jahren hatte es Priorität, möglichst nah den Planeten vorbei zu fliegen, um sie möglichst gut im Detail charakterisieren zu können: "Heute ist es wichtig, herauszufinden, wie das Sonnensystem entstanden ist und der Frage nachzugehen: Gibt es noch andere Orte, wo Leben entstanden sein könnte?", sagt Weltraumforscher Gerhard Schwehm.

Auf Kuschelkurs mit Neptun und Uranus
Die Menschheit hat nie wieder eine Sonde zu Uranus und Neptun (links) geschickt. "Deshalb stammen die besten Bilder, die wir von diesen Eisriesen haben, von Voyager 2", sagt Astronomin Susanne Hüttemeister. Die engste Annäherung an den Uranus war am 24. Januar 1986, an den Neptun am 25. August 1989.

Raumfahrtzeuge beheben Fehler im eigenen System
Die Voyager-Sonden zählen zu den ersten Sonden, deren Elektronik so aufgebaut ist, dass sie eigene Fehler selbst entdecken und auch damit umgehen können. "Das ist heute Standard bei den vergleichsweise viel komplizierteren Systemen und der größeren Rechnerleistung an Bord der Raumsonden", erläutert Schwehm, der in Bochum extraterristrische Physik studiert hat. Die Sonde muss sich auch selbst reparieren können, weil die Signale etwa 17 Stunden brauchen, bis sie die Erde erreichen.

Instrumente werden 2030 ausgeschaltet
Die NASA sagt voraus, dass sie im Jahr 2030 die Instrumente abschalten muss, damit noch genügend Energie verbleibt, um die Sonden zu betreiben. "Man kann dann keine wissenschaftlichen Messungen mehr durchführen, nur noch das Raumfahrzeug am Leben halten", sagt Schwehm. Die Energie der Voyager-Sonden basiert auf dem Zerfall von Plutonium mit einer Halbwertzeit von 87,7 Jahren. Das heißt: Jedes Jahr stehen für die Bordsysteme vier Watt weniger zur Verfügung.

Sonden fliegen immer weiter und weiter
Die Sonden werden immer weiter und weiter fliegen, da sie ja durch nichts mehr abgebremst werden. "Bis sie unser Sonnensystem endgültig verlässt, dauert es noch einige Zeit", erklärt Weltraumforscher Gerhard Schwehm. Das nächste Ziel wäre die Oortsche Wolke. Bis die Voyager-Sonden dort ankommen werde es etwa 300 Jahre dauern. "Bis sie diese durchquert hat werden nocheinmal einige tausende Jahre vergehen", sagt Schwehm. In noch fernerer Zukunft wird die Sonde am Stern Alpha-Centauri (Bild) vorbei driften.

In aller Ewigkeit in der Milchstraße
Die beiden Voyager-Sonden wurden dazu auserkoren, vielleicht in aller Ewigkeit die Milchstraße zu durchwandern. "Außer sie werden irgendwann vielleicht von jemandem Intelligenten aufgelesen, der die goldenen Scheiben enträtselt und erfährt, dass weit entfernt eine hochentwickelte Kultur existiert", sagt Gerhard Schwehm: "Oder existiert hat."

Stand: 19.08.2017, 06:00 Uhr