Ideen für den Verkehr der Zukunft

PKW und ein Motorrad unterwegs auf der Bundesstraße 236 bei Schmallenberg

Ideen für den Verkehr der Zukunft

Von Conny Crumbach

  • Weniger Autos durch "Ride Sharing"
  • Fließender Verkehr durch autonomes Fahren
  • Vorfahrt für vollbesetzte PKW

Ride-Sharing

Es gibt zu viele Autos. Das ist das Grundproblem der aktuellen Verkehrsplanung. Eine Lösung dafür könnte das "Ride Sharing" sein - vor allem in Zeiten des digitalen Wandels, meint der Mobilitätsexperte Frederic Rudolph vom Wuppertal Institut. "Menschen könnten sich via App ganz leicht zusammenfinden und gemeinsam pendeln."

Als Beispiel nennt Rudolph Anbieter wie "Uber". Darüber bieten in vielen europäischen Städten Privatleute ihre Fahrdienste an - aber eher als Taxi-Ersatz und Geschäftsmodell. Der Dienst sei darum sehr umstritten, erklärt Rudolph.

Frederic Rudolph

Frederic Rudolph ist Mobilitätsexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

In NRW gibt es auch nicht kommerzielle Angebote wie das Pendlernetz, aber sie werden eher selten genutzt, beobachtet Rudolph. Solche Angebote sollten beworben und ausgebaut werden - auch Arbeitgeber könnten zum Beispiel eine Mitfahr-App für ihre Mitarbeiter einrichten, schlägt er vor.

Elektroautos

"Sie lösen das Verkehrs-Problem nicht", sagt der Experte. Denn auch Elektroautos sind oft nur mit einer Person besetzt - und verursachen darum genausoviel Stau wie Autos mit Verbrennungsmotoren.

Automatisiertes Fahren

Im Gegensatz zu Elektroautos könnte der Einsatz von vollautomatisierten Autos tatsächlich zu weniger Stau führen. "Faktoren wie Stress oder Stop-and-Go durch unterschiedliche Geschwindigkeit würden wegfallen", sagt Frederic Rudolph.

Der Verkehr würde durch eine einheitliche Geschwindigkeit besser fließen. Vielleicht würden autonom fahrende Autos auch eher dazu einladen, sie als Fahrgemeinschaft zu nutzen, denn die Frage, wer fährt, würde sich dann nicht mehr stellen.

Vorfahrt für vollbesetzte Autos

"High-occupancy Vehicle (HOV) Lanes" gibt es unter anderem in den USA und den Niederlanden. Auf diesen Fahrstreifen dürfen nur Autos fahren, in denen mindestens zwei - oft aber auch mindestens drei Personen sitzen.

"Das ist ein sehr gutes Modell, um Menschen davon abzubringen, ihr Auto immer nur alleine zu nutzen", kommentiert Frederic Rudolph das Konzept und hofft auf eine Einführung in Deutschland.

Radschnellwege

"Viele Menschen, die gerne schnell Auto fahren, fahren auch gerne schnell mit dem Rad", hat Fredric Rudolph bei den Recherchen für seine Doktorarbeit herausgefunden. "Radschnellwege könnten für viele Menschen eine Alternative zum Auto sein", sagt Rudolph.

Radfahrer sind in Mülheim an der Ruhr auf dem Radschnellweg RS1 zu sehen

Der Radschnellweg Ruhr

Der Ausbau dieser Wege ist aus seiner Sicht extrem wichtig. Und: Mit einem guten Rad - oder einem E-Bike könnten Distanzen von mehr als zehn oder zwanzig Kilometern pro Strecke von vielen Pendlern problemlos und zügig zurückgelegt werden.

Homeoffice

Wer zu Hause arbeitet, braucht kein Auto für den Arbeitsweg. Auch Mobilitätsexperte Frederic Rudolph legt schon mal einen Homeoffice-Tag ein. Er weiß aber aus Forschungsergebnissen, dass es für die Arbeitsabläufe in großen Unternehmen oder auch Instituten sehr wichtig ist, dass die Mitarbeiter sich sehen und auch mal ein "Flurgespräch" führen. "Homeoffice kann darum nur eine Begleitmaßnahme zur Lösung des Verkehrsproblems sein", sagt Rudolph.

Umnutzung von Straßen

"Wenn man es schafft, dass irgendwo weniger Autos fahren, muss der gewonnene Platz auf der Straße gleich für den Radverkehr oder Fußgänger umgewidmet werden", rät Frederic Rudolph - sonst kommen die Autos schnell wieder zurück. Umgekehrt geht es aber auch. "Wenn man einzelne Straßen in der Stadt für den Autoverkehr sperrt, kann das in der Umgebung zu weniger Verkehr führen", so Rudolph.

Stand: 06.04.2017, 06:00