Stauforscher: "Schein-Baustellen erhöhen die Aggression der Fahrer"

Stau auf der A1 in Köln

Stauforscher: "Schein-Baustellen erhöhen die Aggression der Fahrer"

  • Künstliche Baustellen sollen Verkehr auf der A1 abbremsen
  • Stauforscher: Kein Platz mehr für Rettungsgassen
  • Alternative Lösungsansätze

WDR: Die Bezirksregierung Köln überlegt, durch künstliche Baustellen schwere Unfälle auf der A1 zu reduzieren. Wie stehen Sie zu dieser Idee?

Michael Schreckenberg

Stauforscher Schreckenberg, Uni Duisburg-Essen

Michael Schreckenberg: Fake-Baustellen sind vollkommener Unsinn, weil sie zu weniger Akzeptanz echter Baustellen führen und die Aggression der Fahrer erhöhen. Baustellen bremsen Raser zwar ab, führen aber dazu, dass der normale Fahrer stärker gefährdet wird, vor allem in der Dunkelheit, bei Regen oder einer tief stehenden Sonne.

WDR: Was würde passieren, wenn es in einem künstlichen Engpass zu einem Unfall kommen würde?

Schreckenberg: Das wäre ein Problem, weil es keinen Platz gibt, auf die Seitenstreifen auszuweichen. Es besteht keine Möglichkeit, eine Rettungsgasse zu bilden.

WDR: Fest steht aber, dass die A1 vor dem Leverkusener Kreuz ein Unfallschwerpunkt ist. Vor dem Einrichten einer regulären Baustelle hatte es Anfang des Jahres zwei tödliche Unfälle gegeben.

Schreckenberg: Das stimmt, dort gibt es ein Problem. Ich habe mir in einer Untersuchung die Todesfälle im Großraum Köln auf der Autobahn angesehen. Bei bis zu 60 Prozent der Unfälle spielte wahrscheinlich die Smartphone-Nutzung eine Rolle, das ist ein gravierendes Problem. Die Nutzung von Whats App bei 150 Stundenkilometern auf der Autobahn kann definitiv tödlich enden.

WDR: Welche Lösungen gibt es denn noch, um die Unfallgefahr auf unseren Autobahnen zu senken?

Schreckenberg: Es ist wichtig, mit klaren Hinweisen zu arbeiten und etwa vor Stau-Enden besser zu warnen. Vor allem dort und in Staus passieren schwere Unfälle, nicht aber auf gut ausgebauten Strecken.

Das Interview führte Andreas Sträter

Stand: 06.05.2017, 06:00