"Styropor"-Ersatz aus Pflanzenstärke

Maisstärke

"Styropor"-Ersatz aus Pflanzenstärke

Große Elekrogeräte sind in der Regeln in Styropor verpackt, sie sollen ja nicht beschädigt werden beim Transport. Umweltfreundlich ist das nicht. Forscher haben jetzt eine Art Styropor aus Pflanzenstärke entwickelt - biologisch abbaubar.

Den Unterschied kann man hören. Herkömmliches Styropor quietscht und knistert in den hellsten Tönen, wenn man mit den Fingern darüberstreicht. Der vom Fraunhofer Institut in Oberhausen entwickelte Styropor- Ersatz hört sich deutlicher dunkler an. Das liege an der dichteren Struktur, sagt der Wissenschaftler Stefan Kabasci. "Das können wir bei der Herstellung einstellen, ob wir dichtere Materialien haben möchten oder lockere, die dann leichter sind, aber auch wieder ein bisschen weicher werden."

Styroporersatz aus Maisstärke

Styropor immer noch beliebtes Verpackungsmaterial

Im Unterschied zum Styropor ist die Alternative aus Pflanzenstärke auch anti-statisch. Das heißt, kleine Kügelchen, die man plötzlich überall an den Händen hat und kaum wieder loswird, gibt es hier nicht. Entdeckt haben die Wissenschaftler das neue Verpackungsmaterial, als sie mit besonders stärkehaltigen Pflanzen experimentiert haben. Die haben sie aufgeschmolzen und mit Zusatzstoffe versehen. Heraus kam so ein feines Granulat aus Pflanzenstärke. Der Durchmesser beträgt nicht mehr als zwei bis drei Millimeter, was der Größe herkömmlicher Styropor-Partikel entspricht. Mit einer sogenannten Plattenpresse, lassen sich die Partikel zu einer festen Platte aus Pflanzenstärke pressen.

Umweltfreundliches Material hat nicht nur Vorteile

Gelbe Säcke voller Styropor vor Müllcontainern

Entsorgung ist ein Problem bei Styropor

Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis die Wissenschaftler erstmals einen Prüfkörper produzieren konnten, der einer Styropor-Verpackung nahe kommt. Allerdings gibt es auch einige Nachteile im Vergleich zum Styropor. Die Platten aus Pflanzenstärke fallen zusammen, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. Das ist einerseits zwar ein Vorteil, denn die Platten sind so schnell biologisch abbaubar. Andererseits dürfen die Platten natürlich nicht vorzeitig nass werden. Ein anderer Nachteil ist, dass bisher noch keine größeren Teile gefertigt werden können. Daran arbeiten die Wissenschaftler im Fraunhofer Institut zurzeit noch, sagt Stefan Kabasci. "Es ist bislang mit Styropor immer noch einfacher möglich, komplexere, größere Bauteile herzustellen." Es gebe zwar die Möglichkeit, die Formen aus mehreren Teilen zusammenzusetzen. Das sei aber deutlich aufwändiger. "Bei Styropor", sagt Kabasci, "kann ich es im Moment in einem Herstellschritt in komplexen Geometrien erzeugen." Soweit sind die Forscher noch nicht. "Daran werden wir noch die nächsten Jahre arbeiten müssen."

Mit Stempeln Platz für Handys schaffen geht schon

Bis zu drei Zentimeter dick können die Platten aus Pflanzenstärke bisher werden. Mit einem Stempel können die Ingenieure auch verschiedene Vertiefungen erzeugen - zum Beispiel für das Handy, das später in die Verpackung kommen soll. Und bisher sieht alles danach aus, dass auch der Preis für das biologisch abbaubare Verpackungsmaterial konkurrenzfähig sein wird. In einem Folgeprojekt mit der Firma Loick Biowertstoff sollen zusätzlich Anwendungen beispielsweise im Automobilbau gefunden werden. "Ziel soll es damit sein, das Gewicht von Fahrzeugaufbauten, Transportfahrzeugen zu vermindern, was dann ja auch wieder zur Energieeinsparung bei den Fahrzeugen führt."

Anders als die teure Mineralwolle, kann Polystyrol in Brand geraten.

Styropor brennt auch gut

Wenn dann das Verpackungsmaterial oder die Leichtbaustrukturen aus Pflanzenstärke später entsorgt werden müssen, ist das viel einfacher und günstiger als die Entsorgung von Styropor. Unter fließendem Wasser lösen sich die gepressten Stärkepartikel wieder und können so einfach durch den Abfluss runtergespült werden.

Autor des Radiobeitrags ist Dirk Groß-Langenhoff.

Stand: 19.04.2017, 13:24