Wächter im Orbit liefern Daten für die Ernte

Computerbild zeigt den Umweltsatelliten Sentinel-1A in der Erdumlaufbahn

Wächter im Orbit liefern Daten für die Ernte

Von Andreas Sträter

  • Esa schickt 2017 vier Satelliten ins All
  • "Sentinel 2B" liefert Daten für Land- und Forstwirtschaft
  • Alle zehn Tage wird die gesamte Welt abgedeckt
  • Daten sind für alle frei verfügbar

Das Jahr 2017 steht bei der europäischen Weltraumagentur Esa im Zeichen der Erdbeobachtung. Am 7. März soll der erste von vier Satelliten vom Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana aus ins All geschossen werden, erläutert Robert Meisner, Sprecher des Esa-Erdbeobachtungsprogramms im italienischen Frascati. Der Satellit "Sentinel 2B" beobachtet mit seinen Spezialkameras vor allem die Landflächen, um so der Land- und Forstwirtschaft wichtige Daten zu liefern.

700 bis 800 Kilometer über unseren Köpfen

"Der Satellit deckt alle zehn Tage die gesamte Welt ab", erklärt Meisner. Seit etwa zwei Jahre fliegt schon Schwestersatellit "Sentinel 2A" in 700 bis 800 Kilometern Entfernung über unsere Köpfe hinweg, um die Erde von oben zu beobachten. Durch das Zusammenspiel der Satelliten stehen Forschern nun doppelt so viele Daten zur Verfügung.

Daten aus unzugänglichen Ecken

Sanddünen der Rub al-Khali-Wüste auf der Arabischen Halbinsel

Sentinel 2A-Aufnahme der Rub al-Khali-Wüste auf der Arabischen Halbinsel

Besonders interessant sind die Daten aus unzugänglichen Gebieten, etwa aus großen Nadelwäldern, Feuchtgebieten, Wüsten oder riesigen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ziel der Beobachtung aus dem Orbit sei es, Veränderungen auf der Erde zu erkennen, sagt Meisner. "So lassen sich die Bilder zum Beispiel für Erntevorhersagen nutzen", erläutert Meisner.

Landwirte können Dünger und Wasser besser anpassen

"Die Daten können Unterschiede innerhalb großer Felder aufzeigen, sie liefern Anhaltspunkte über den Nährstoffgehalt oder Wassergehalt im Boden." Landwirte könnten auf dieser Grundlage ihre Düngermenge und die Bewässerung gezielter anpassen.

Spezialkameras für Pflanzen

Die Kameras in dem Satelliten sind spezialisiert auf Natur-Aufnahmen, insbesondere von Pflanzen. Einige Licht-Kanäle können das grüne Chlorophyll der Pflanzen besonders gut reflektieren. Das lässt exakte Aussagen über den Vegetationszustand zu.

Satelliten erkennen großflächige Abholzungen

Tonga

Landwirtschaftliche Strukturen prägen den Inselstaat Tonga in Polynesien

Gerade die Landwirtschaft könnte davon profitieren, dass es bald mehr verfügbare Daten dieser Art geben wird, die schnelle Veränderungen dokumentieren. Weniger schnell vollzieht sich der Wandel in Wäldern. Sollte es aber zum Beispiel in unzugänglichen Waldregionen ein gravierendes Baumsterben oder Abholzungen geben, kann sofort eingegriffen werden.

Drei weitere Satelliten-Starts in 2017 geplant

  • "Sentinel 5P" beobachtet die Atmosphäre und liefert Erkenntnisse über Schadstoffe, wie zum Beispiel Ozon, Stickoxide oder Feinstaub. Geplanter Start ist Ende Juni/Anfang Juli 2017, heißt es bei der Esa.
  • "Sentinel 3B" liefert Daten über die Bewegungen der Ozeane. Über die Daten lassen sich Aussagen zur Verschmutzung der Meere oder über die Chrolophyllverteilung machen. Der Satellit wird voraussichtlich im Herbst 2017 ins All geschickt.
  • "Aeolus" wird gegen Ende des Jahres in die Umlaufbahn gebracht und wird als wissenschaftlicher Satellit erstmals Daten über die Verteilung der Winde liefern.

EU-Programm "Copernicus"

Alle "Sentinel"-Satelliten gehören zum EU-Programm "Copernicus". "In dem Moment, in dem wir die Satelliten abschießen, gehören sie der Europäischen Kommission", sagt Meisner und ergänzt: "Formal gehören auch die Daten der EU, sie sind aber für alle frei verfügbar."

Stand: 06.03.2017, 06:00