Radioaktives Ruthenium in Deutschland entdeckt

Auch die DWD-Messstation am Kahlen Asten kann Radioaktivität messen

Radioaktives Ruthenium in Deutschland entdeckt

Von Maximilian Doeckel

  • Radioaktives Ruthenium in Deutschland nachgewiesen
  • Konzentration ist niedrig - keine Gefahr
  • Ruthenium hat seinen Ursprung vermutlich im Ural

Zunächst kann einem ein bisschen mulmig werden, zugegeben: Messstationen in Deutschland messen seit etwas mehr als einer Woche eine leicht erhöhte Radioaktivität. Ruthenium 106 ist dafür verantwortlich - der Deutsche Wetterdienst fand den Stoff an mehreren Messstationen überall in Deutschland. Auch in den Nachbarstaaten wird das Ruthenium gefunden. Das Problem: Keiner weiß, wo es herkommt.

Sorgen machen muss sich wegen des Rutheniums zunächst einmal niemand. Die Konzentration ist extrem gering. Das Bundesamt für Strahlenschutz zieht den Vergleich: Selbst wenn man diese leicht belastete Luft über den Zeitraum einer ganzen Woche einatmet, ist die daraus resultierende Strahlenbelastung immer noch geringer, als die Belastung durch natürliche Strahlung, die ein Mensch normalerweise in einer Stunde aus dem All und dem Boden aufnimmt. Sorgen müsste man sich erst machen, wenn die Ruthenium-Belastung hunderttausendmal stärker wäre.

Messstation für Radioaktivität

1.800 solcher Sonden messen über ganz Deutschland verteilt die Radioaktivität

Wissenschaftler haben versucht, den Weg des Rutheniums nachzuvollziehen. Dabei haben sie untersucht, in welcher zeitlichen Reihenfolge das Ruthenium an verschiedenen Messstellen nachgewiesen wurde. Auch die Windrichtung wurde mit einbezogen. Das Ergebnis: Vermutlich stammt das Ruthenium aus dem südlichen Ural in Russland.

Wie es dort jedoch freigesetzt wurde, kann das Bundesamt für Strahlenschutz nicht sagen. Nur eins steht fest: "Einen Unfall in einem Kernkraftwerk können wir ausschließen. Da wären wesentlich mehr radioaktive Stoffe freigeworden und nicht nur Ruthenium", so Jan Lauer vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Satellit oder Krebstherapie?

Bei der Verbreitung des Rutheniums sind verschiedene Szenarien denkbar. Ruthenium wird in der Krebstherapie zur Bestrahlung von Tumoren eingesetzt. Theoretisch könnte es zu einem Unfall in einer Klinik gekommen sein. Doch eine einzelne Ruthenium-Quelle wäre nicht stark genug, um auch in Deutschland noch nachweisbar zu sein.

Darüber hinaus findet Ruthenium auch in sogenannten Radionuklidbatterien Verwendung. Diese werden unter anderem dazu genutzt, Satelliten anzutreiben. Dass es sich um einen abgestürzten Satelliten handelt ist dabei eher auszuschließen – wahrscheinlicher ist ein Unfall in einer Fabrik.

Doch all das bleibt Spekulation. Beim Bundesamt für Strahlenschutz hofft man auf Aufklärung aus Russland. Jedes Land ist dazu verpflichtet, Unfälle im Zusammenhang mit Radioaktivität der Internationalen Atomenergie-Organisation mitzuteilen. Obwohl das Ruthenium schon mehr als eine Woche lang in Deutschland nachgewiesen wird, gibt es bislang jedoch keine Erklärung seitens Russland.

Europäisches Netzwerk meldet Ruthenium in der Luft

WDR 5 Leonardo Top Themen | 09.10.2017 | 07:00 Min.

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Stand: 09.10.2017, 16:37