Können wir eines Tages Roboter lieben?

Roboter hat kleinen Mensch auf der Handfläche.

Können wir eines Tages Roboter lieben?

Roboter-Sex: Was sich schlüpfrig anhört, war das Thema einer internationalen Konferenz in London. Dort erreichten wir auch den Informationsethiker Oliver Bendel und sprachen mit ihm über die Moral der Maschinen.

Liebespuppen gab es schon in der Antike. Mit moderner Technik können wir sie heutzutage zum Leben erwecken. Doch wie gehen wir mit Sex-Robotern um? Und was, wenn diese Maschinen eines Tages ein Bewusstsein entwickeln? Über solche Fragen haben sich am Montag und Dienstag (10. bis 20.12.2016) hochrangige Informatiker, Entwickler und Maschinenethiker auf der Konferenz "Love and Sex with Robots" in London aus. Den ersten Vortrag auf der Veranstaltung hielt Professor Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Wir haben mit ihm gesprochen.

WDR: Sex-Roboter lösen bei einigen Menschen Angst aus, bei anderen Abscheu. Sie widersprechen dem Ideal von natürlicher Körperlichkeit und Romantik. Werden wir uns bald in einen Roboter verlieben können?

Oliver Bendel: Schon heute haben einige Menschen starke emotionale Bindungen zu Robotern, etwa zu Pepper, der in Japan häufig verkauft wurde. Und nicht nur zu Robotern, sondern zu Maschinen aller Art, nicht zuletzt zu ihrem Auto.

Manche geben ihrem Auto einen Namen und sprechen mit ihm. Es kursieren die ersten Geschichten von Damen, die ihr elektronisches Hündchen in den Laden bringen und keinen Austausch wollen, sondern eine Reparatur. Wir können uns auch bereits in Roboter verlieben. Wir müssen nur die Veranlagung oder Neigung dazu haben.

WDR: Was muss ein Roboter mitbringen, den wir lieben können und der uns liebt?

Oliver Bendel, Maschinenethiker

Maschinen- und Informationsethiker Oliver Bendel

Bendel: Zum Teil das, was wir auch an Menschen lieben. Der Roboter muss uns körperlich und geistig gefallen. Beispielsweise ist die Gestalt wichtig, und auch das, was er sagt. Er muss ein Gesicht haben, in dem gespiegelt wir uns wohlfühlen und an das wir gerne denken, wenn er nicht da ist. Zum Teil das, was wir an Menschen vermissen, Beständigkeit, Verlässlichkeit …

Ein Roboter, der uns liebt, wird wahrscheinlich nie das Licht der Welt erblicken. Ein Android hat keine Gefühle, und übrigens auch keine Empfindungs- und Leidensfähigkeit.

WDR: Wie lange wird das noch dauern, bis es solche Sex-Roboter gibt, die sich wie Menschen anfühlen ?

Bendel: Es gibt zwei Entwicklungsstränge. Es sind mehrere Sex-Roboter auf dem Markt, die äußerlich mehr oder weniger überzeugend wirken und einigermaßen sprechen können. Zudem existieren Liebespuppen, die sehr echt aussehen. Sie haben Haut, die unserer Haut ähnelt, und Fleisch, das sich fast wie unser Fleisch anfasst. Wenn diese beiden Entwicklungslinien zusammenkommen …

WDR: Wenn Roboter ein eigenes Bewusstsein entwickeln, werden dann auch Mensch-Roboter-Beziehungen möglich sein?

Mensch und Roboter geben sich die Hand.

Hand in Hand mit einem Roboter

Bendel: Ich glaube nicht, dass sie ein eigenes Bewusstsein menschlicher Art entwickeln können. Höchstens ein sehr einfaches Bewusstsein von ihrer Umwelt, die sie erkennen und einordnen. Aber zum Beispiel kein Selbstbewusstsein. Wenn sie ein Bewusstsein, wenn sie Gefühle hätten, dann könnten sie vielleicht lieben. Aber das ist Science-Fiction und wird es bleiben.

WDR: Was passiert mit uns als Gesellschaft, wenn Menschen Dinge lieben? Werden Robosexuelle verpönt und ausgegrenzt werden?

Bendel: Menschen lieben schon immer Dinge. Und Fetische aller Art. Die Gesellschaft muss das ertragen können. Wenn es niemandem schadet, wenn es im Gegenteil jemandem nützt, was ist dann dagegen einzuwenden? Aber es wird vermutlich eine Weile dauern, bis man nicht nur kleines, sondern auch großes Sexspielzeug akzeptiert.

Man stelle sich vor, man lädt Freunde ein, und auf dem Sofa sitzt der Sex-Roboter. Und man sagt: Das ist Joyce, wir sind zusammen. So etwas ist im Moment in der Tat nicht gesellschaftsfähig. Und doch muss sich die Gesellschaft mit dem Gedanken anfreunden, dass es so etwas gibt. Übrigens glaube ich, dass es eine Nische bleiben und keine Bewegung entstehen wird.

Die Fragen stellte Andreas Sträter.

Stand: 20.12.2016, 17:55