Renault - der schmutzigste Autobauer in Europa?

Renault Kadjar

Renault - der schmutzigste Autobauer in Europa?

Von Martin Gent

  • Diesel von Renault und Nissan in vielen Tests auffällig
  • Hohe Stickoxid-Werte quer durch das ganze Modellprogramm
  • Schon das Kraftfahrtbundesamt vermutete Abschalteinrichtung

Für "Transport & Environment" (T&E), die Dachorganisation europäischer Umwelt- und Forschungseinrichtungen, zählt nur der Stickoxid-Ausstoß im realen Straßenbetrieb, die so genannten "Real Driving Emissions" (RDE).

Im September 2016, zum Jahrestag des VW-Skandals, publizierte T&E eine schwarze Liste: Abgas-Daten zu 230 Diesel-Modellen verschiedener Hersteller - zusammengetragen aus Tests von britischen, französischen, deutschen Behörden und anderen öffentlichen Quellen.

Mit einer Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte um das 14-fache liegt die Renault-Nissan-Allianz hier auf Platz zwei des Negativ-Rankings, gleich hinter Fiat und Suzuki mit 15-facher Überschreitung. Ausgerechnet VW baut danach von allen Herstellern die derzeit saubersten Dieselautos.

22 Mal so viel Stickoxid wie in den Papieren

Abgas kommt aus dem Auspuff eines Autos

Missverhältnis von Papieren und tatsächlichen Abgasen

Seit April 2016 liegt der "Bericht der Untersuchungskommission Volkswagen" vor, erstellt vom Kraftfahrtbundesamt (KBA). Größter Luftverschmutzer mit 14-facher Überschreitung des Grenzwertes: ein französisches SUV, der Renault Kadjar 1.5. Legt man aber die Typgenehmigung des Renault - 51,2 mg NOx pro Kilometer - zugrunde, liegt der Renault sogar um das 22-fache über dem offiziellen Wert.

Ausschalten der Abgasreinigung technisch nötig?

Der Renault gehört laut KBA zu Fahrzeugen "mit auffällig hohen NOx-Werten, die technisch nicht ausreichend erklärbar schienen", also zu den Problemfällen mit vermuteter Abschalteinrichtung à la VW. Renault räumte gegenüber dem KBA ein, die Abgasrückführung (AGR) bei niedrigen Temperaturen zu drosseln ("Thermofenster").

Das sei aus Gründen des Motorschutzes nötig, um "Versottung und Verlackung der AGR-Komponenten, sowie Vereisung im Luftpfad und Verrußung des Motoröls" zu vermeiden. Man beruft sich auf EU-Bestimmungen, die Abschalteinrichtungen verbieten, aber zum Schutze des Motors ausnahmsweise zulassen. Nach Ansicht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hätten Ausnahmen Ausnahmen bleiben müssen, sie wurden aber oft zur Regel.

Viele Renaults und Nissans sorgen für dicke Luft

Dass der beim KBA auffällige Kadjar kein Einzelfall ist, zeigte der französische Untersuchungsbericht vom 29. Juli 2016. Auch die Renault-Modelle Captur, Espace und Talisman sowie der Nissan Qashqai liegen bei diesem RDE-Test um das acht- bis elffache über dem Grenzwert.

Grünes Licht für neue Abgastests

Acht- bis elffache Grenzwertüberschreitung

Das "Emissions-Kontroll-Institut" (EKI) der Deutschen Umwelthilfe bescheinigt auch dem Renault Scenic 1.6 dCi dreckige Abgase (Überschreitungsfaktor 8,2). Im Schadstoff-Test der Zeitschrift "auto motor und sport" ist der Renault Espace dCi 160 (Faktor 15,28) unrühmlicher Spitzenreiter. Das Kompaktmodell Renault Mégane liegt um fast das Zehnfache über dem Grenzwert.

Renault-Motoren auch in kleineren Mercedes-Modellen

Zumindest bis zum Zeitpunkt der Tests, im Jahr 2016, gilt: Wenn Renault oder Nissan einen Dieselmotor einbauen, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit dicke Luft aus dem Auspuff.

Was übrigens auch Mercedes Probleme macht. In Modellen der A-, B-, CLA- und GLA-Klasse setzt der schwäbische Autohersteller einen Dieselmotor ein, der in Kooperation mit Renault entstand. Ein Grund, warum Mercedes für 247.000 Fahrzeuge eine "freiwillige Serviceaktion" starten musste.

Stand: 18.03.2017, 06:00