Der Weltraum ist ein kreisender Schrottplatz

Der Weltraum ist ein kreisender Schrottplatz

Von Andreas Sträter

Insgesamt 6.500 Tonnen Raumfahrtmüll rasen über uns hinweg: Millionen winzige Splitter, andere groß wie Baseballs. Manchmal landet der Schrott auch wieder auf der Erde.

Weltraumschrott

Millionen winziger Splitter sind unterwegs
Selten gelingt es, ein Foto von diesem Weltraumschrott zu machen. ESA-Astronaut Tim Peake nahm vergangenes Jahr dieses Foto von einem Trümmerstück auf, das nur sieben Millimeter groß ist. Im Weltall gibt es Millionen solch winziger Splitter. Größeren Schaden richten aber größere Teile an: Im All sind etwa 750.000 Objekte unterwegs, die über einen Zentimeter hinaus gehen. Zudem gibt es etwa 18.000 Teile, die größer sind als ein Baseball. Weil diese immense Schäden anrichten können, werden diese von einer amerikanischen Behörde, dem U.S. Space Surveillance Network, überwacht.

Millionen winziger Splitter sind unterwegs
Selten gelingt es, ein Foto von diesem Weltraumschrott zu machen. ESA-Astronaut Tim Peake nahm vergangenes Jahr dieses Foto von einem Trümmerstück auf, das nur sieben Millimeter groß ist. Im Weltall gibt es Millionen solch winziger Splitter. Größeren Schaden richten aber größere Teile an: Im All sind etwa 750.000 Objekte unterwegs, die über einen Zentimeter hinaus gehen. Zudem gibt es etwa 18.000 Teile, die größer sind als ein Baseball. Weil diese immense Schäden anrichten können, werden diese von einer amerikanischen Behörde, dem U.S. Space Surveillance Network, überwacht.

Niedriger Orbit ist stark belastet
Die meisten Schrottobjekte umkreisen die Erde in einem Abstand von 800 bis 1.000 Kilometer. Neben dieser Umlaufbahn - dem Orbit - im erdnahen Weltraum gilt auch der so genannte geostationäre Ring in etwa 25.000 Kilometern Höhe als belastet. Die dazu gehörende Umlaufbahn hat den Vorteil, dass sich die Satelliten synchron zur Erde bewegen. Für den Beobachter auf der Erde steht der Satellit also immer am gleichen Punkt. "Daher ist dieser Ring vollgepackt mit Satelliten", erläutert Holger Krag, Leiter der ESA-Abteilung für Weltraumschrott, dem WDR.

Friedhofsbahn für ausgediente Satelliten
Vom geostationären Ring aus wäre es unmöglich und auch unwirtschaftlich, ausgediente Satelliten wieder in Richtung Erdatmosphäre abzusenken. Deshalb hat man sich dort für eine Friedhofsbahn entschieden, die etwa 300 Kilometer über dem geostationären Ring liegt. "Die Betreiber müssen ihre Satelliten nach oben bringen und dann 'abstellen'", sagt Krag.

Restbrennstoff lässt es krachen
Die vielen Trümmerteilchen im All entstehen, weil sich in einigen Objekten noch restlicher Treibstoff befindet. Die raue Raumumgebung könne Selbstentzündung und Explosionen befördern, erklärt Weltraumschrott-Experte Krag. "Wir haben bereits über 250 Mal beobachtet, dass sich Objekte im All selbst zerlegen." Kommt es zu Explosionen, werden aus einem Objekt viele Schrottteile.

Kessler-Syndrom: Trümmer treffen auf Trümmer
Manche Satellitenbahnen sind schon so voll, dass es immer wieder zu Kollisionen von Satelliten kommt. Gefährlich werde es, wenn Trümmer auf Trümmer treffen, sagt Krag: "Dann spricht man vom so genannten Kessler-Syndrom", sagt Krag. Namensgeber Donald J. Kessler wird den Eröffnungsvortrag der Weltraumschrott-Konferenz halten, die am Dienstag (18.04.2017) in Darmstadt bei der ESA beginnt. Schon im Jahr 1978 warnte Kessler vor zunehmenden Risiken in der Raumfahrt durch Raumfahrtmüll.

Auch kleinste Teile richten Schäden an
Im Sommer 2016 haben ESA-Ingenieure entdeckt, dass ein Solarpanel auf dem Satelliten Sentinel-1A von einem millimetergroßen Teilchen in der Umlaufbahn getroffen wurde. Die ESA beobachtete daraufhin eine Leistungsreduktion des Solargenerators. Die Operationen des Satelliten wurden dadurch nicht gefährdet. Das rechte Bild zeigt den Einschlag des Trümmerteilchens.

Raumfahrtschrott landet jede Woche auf der Erde
Manchmal kommt es vor, dass Weltraumschrott nicht in der Erdatmosphäre verglüht, sondern auf die Erde trifft. Wie auf diesem Bild, überleben vor allem Tanks aus Titan oder Edelstahl den Wiedereintritt. "Dieses Material kann sehr viel Druck aushalten und besitzt einen hohen Schmelzpunkt", sagt Krag. Dieser 70 Kilogramm schwere Tank wurde im Januar 2001 in Saudi-Arabien gefunden. Jede Woche gebe es Wiedereintritte von Schrott in die Atmosphäre, sagt Krag. Das seien vor allem Altlasten, die die Atmosphäre nach unten trägt.

Große Objekte werden nicht dem Zufall überlassen
"Wenn ein Objekt besonders groß ist, dann würde man das nicht dem Zufall überlassen und das Objekt sicher über dem Ozean entsorgen", erläutert Krag. Schiffs- und Flugverkehr werden in solchen Fällen mehrere Tage vorher gewarnt. Im Jahr 1997 überlebte dieser Tank relativ unbeschädigt den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Der 250 Kilogramm schwere Tank landete in Texas in den USA. Das Thema Weltraumschrott sei in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, sagt Krag. "Bis in die 1980-er Jahre hinein hat sich die Raumfahrt gar nicht um Weltraumschrott gekümmert." Mittlerweile sei Umweltschutz für das Weltall fast überall ein Standard.

Stand: 17.04.2017, 06:00 Uhr