Radfahren lohnt sich auch volkswirtschaftlich

Radfahren in Kopenhagen

Radfahren lohnt sich auch volkswirtschaftlich

Autofahrer, die sich über Radfahrer aufregen, sollten entspannen. Denn jeder, der regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fährt oder zum Einkauf, bringt der Volkswirtschaft jährlich einen Nutzen von mehr als 1.000 Euro pro Kopf, sagt eine neue Studie.

Bereits zum zweiten Mal veröffentlicht die European Cyclists´ Federation, eine Art Dachverband europäischer Fahrrad-Verbände, ihren Bericht über den wirtschaftlichen Nutzen des Radfahrens. Die ECF kommt dabei zu beeindruckenden Zahlen: Der wirtschaftliche Nutzen liege bei mehr als 513 Milliarden Euro. Es handelt sich dabei um eine Gesamtrechnung, die sich aus vielen Einzelposten zusammensetzt. In der Rechnung sind also nicht nur der Gesamtumsatz der Fahrradindustrie enthalten, sondern auch Effekte wie CO2-Reduzierung, verbesserte Gesundheit oder Wertschöpfung im Tourismus.

Wie kommt der ECF auf seine Zahlen?

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Radfahren verbessert CO2-Bilanz

Die Studie bezieht sich auf die Gruppe der EU-28-Staaten und das Jahr 2014. Die offizielle Bevölkerungsstatistik verzeichnete zu der Zeit knapp über 500 Millionen Einwohner. Teilt man die errechneten ökonomischen Effekte mit der Einwohnerzahl, kommt man auf die genannten 1.000 Euro Nutzen pro Kopf.

Wirtschaftlicher Nutzen (Quelle: ECF)
based on
concrete evidence
based on
best available data
based on
best avail. indications
Gesamtnutzen
239,99 Milliarden90,7 Milliarden182,5 Milliarden513,19 Milliarden

Was ist in der Rechnung enthalten?

Die Wissenschaftler haben insgesamt neun Bereiche herangezogen. Zu den wichtigsten zählen Umwelt/Klima, Energie/Ressourcen, Gesundheit und Ökonomie. Die meisten der Zahlen lassen sich ganz gut belegen. So ist der wirtschaftliche Nutzen der CO2-Reduktion sehr gut zu berechnen, die Industrie handelt ja sogar mit entsprechenden Zertifikaten. Ähnliches gilt auch für die Ersparnis bei fossilen Brennstoffen, wenn man sich per Muskelkraft fortbewegt. Schwieriger wird es aber mit dem wirtschaftlichen Nutzen im Bereich Gesundheit. Gewisse positive Effekte durch Aktivität und Bewegung werden schon länger berechnet. In der Studie sind aber beispielsweise nicht die Kosten der Behandlung von Radfahrern nach schweren Unfällen enthalten. Ein Schwachpunkt, den die Forscher aber selbst benennen. Insgesamt erscheinen die Zahlen aber zumindest plausibel.

Nutzen des Radfahrens in ausgesuchten Bereichen (Quelle: ECF)
Umwelt + Klima (CO2)15,4 Mrd.
Energie und Ressourcen2,8 Mrd.
Gesundheit191,2 Mrd.
Wirtschaft (Produktion)63,1 Mrd.
Mobilität (Infrastruktur)29,6 Mrd.

Was will die ECF mit der Studie?

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Die European Cyclings´ Federation versteht sich als Anwalt der nationalen Fahrrad-Lobby-Verbände. Mit der inzwischen zweiten Studie dieser Art, will die ECF auf europäischer Ebene für eine fahrradfreundlichere Politik sorgen. Dazu gehört nach Meinung der Organisation vor allem eine Umschichtung von Geldern in der Verkehrsplanung zugunsten des Radverkehrs. Denn momentan orientiert sich der Straßenbau fast ausschließlich an den Bedürfnissen der Autofahrer. Wenn die Politik mehr Geld in den Radverkehr steckt, steigen noch mehr Menschen aufs Fahrrad um. So lohnt sich jeder in den Radverkehr investierte Euro doppelt und dreifach.

Stand: 15.12.2016, 11:19