60 Jahre "Blitzer"

60 Jahre "Blitzer"

Von Marion Kretz-Mangold

Vom klobigen Kontroll-Kasten zur handlichen Laserpistole: Vor 60 Jahren wurden in Düsseldorf erstmals rasende Autofahrer testweise per Radar-Blitz ausgebremst. Ein Stück Technik-Geschichte voller Innovationen - und Hassgefühle.

1. deutsche Radarfalle in Düsseldorf

So sieht eine technologische Revolution aus: Der VRG 2, ein Radargerät, das auf Deutschlands Straßen für mehr Sicherheit sorgen soll.

So sieht eine technologische Revolution aus: Der VRG 2, ein Radargerät, das auf Deutschlands Straßen für mehr Sicherheit sorgen soll.

Denn in den späten 50ern sind immer mehr Autos unterwegs - dem Wirtschaftswunder sei Dank. Schnelligkeit ist alles- die Unfälle häufen sich. Nicht immer gehen sie so glimpflich aus: Allein 1955 gibt es 15.000 Verkehrstote in Deutschland - fast viermal so viele wie heute.

Das neue Radargerät der Firma Telefunken kommt da gerade richtig. NRW testet es am 21.01.1957 zum ersten Mal und geht zwei Jahre später mit 18 Exemplaren in den regulären Betrieb.

Die anderen Bundesländer ziehen bald nach. Die Daten, die das Gerät liefert, sind anfangs allerdings nicht ganz zuverlässig, weil es noch zu viele Störquellen gibt. Eisenzäune oder andere Autos zum Beispiel werfen das Signal zurück.

Wirklich unauffällig sind die Messstellen mitsamt Kabel, das die Signale ins Innere überträgt, auch nicht.

Und auch später verstecken sich manche Geräte eher halbherzig. Der "Starenkasten" zum Beispiel, der fest zum Stadtbild gehört.

Manchmal geht es noch einfacher, wie dieses Foto aus Bayern zeigt: Falsche Pistole, falscher Polizist, echte Abschreckung.

Die meisten Kontrolleure setzen aber auf High-Tech. Die Geräte-Entwickler liefern immer neue Varianten: mal feste Säulen, die mit Laser arbeiten....

... mal lichtempfindliche Sensoren, die das Helligkeitsprofil eines Fahrzeugs in der Bewegung und auch kleine Abstände erfassen - besonders gut für den Einsatz in Kurven.

Anders als die Kommunen, die meistens auf feste Anlagen setzen, ist die Polizei in NRW mobil unterwegs. 800 bewegliche Lasergeräte gibt es - im Auto, zum Aufstellen oder auch als Laserpistole. Die wird auch beim "Blitzmarathon" eingesetzt, eine Idee des Innenministers Ralf Jäger (SPD), der hier persönlich den Verkehr ins Visier nimmt.

Noch mehr Genauigkeit erhofft sich der Innenminister von der "section control", also einer Strecken-Erfassung über mehrere Kilometer hinweg. Die Technik ist aber noch in der Erprobungsphase, heißt es aus dem Ministerium.

Es geht auch ohne Drohung: Viele Kommunen setzen auf eine freundliche Ermahnung. Manchmal ist es ja auch ein Lob.

Trotzdem sehen viele Autofahrer beim Anblick einer Messanlage rot. Es gibt viele Berichte über Geräte, die angezündet, zertrümmert oder kurzerhand abgebaut - aber auch genau so schnell wieder ersetzt wurden.

Die Obrigkeit achtet auch sonst streng darauf, dass sie die Kontrolle behält. Der Kreis Düren wollte vor ein paar Jahren seine Uhus mit einem Tempolimit schützen und stellte kurzerhand ein entsprechendes Schild auf - mitsamt Blitzkasten. Das aber verbot ihm schließlich ein Gericht, es sei ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

Stand: 21.01.2017, 06:00 Uhr