Gelbe Tonne: Was passiert wirklich mit dem Plastikmüll?

Gelbe Müllsäcke stehen auf dem Bürgersteig.

Gelbe Tonne: Was passiert wirklich mit dem Plastikmüll?

Von Nina Magoley

  • Nur die Hälfte des Mülls der gelben Tonne wird recycelt
  • Ein neues Verpackungsgesetz soll das jetzt ändern
  • Quote bei Kunststoffverpackungen soll verdoppelt werden

Die Zahl klingt ernüchternd: Gerade mal 55 Prozent des getrennt entsorgten Plastikmülls wird wieder aufbereitet. Die andere Hälfte landet in Müllverbrennungsanlagen. Das geht aus einem Bericht des Bundesumweltamts aus dem vergangenen Jahr hervor. Zwar beziehen sich die Zahlen auf das Jahr 2014, viel verändert haben daran dürfte sich nach Expertenmeinung aber nicht.

Das Bundesumweltministerium hat daher Ende vergangenen Jahres ein Gesetz entworfen, das die Hersteller zwingen soll, künftig deutlich höhere Recycling-Quoten zu erfüllen. Bis zum Jahr 2022 sollen Kunststoffverpackungen zu 63 Prozent wiederverwertet werden. Bisher liegt die gesetzliche Mindestquote bei 36 Prozent. Bei Metallen, Papier und Glas soll sie auf 90 Prozent ansteigen, so das Ziel.

Gutes Geschäft mit Plastikmüll

Gelbe Tonne und gelbe Säcke

Deutsche sind Europameister im Mülltrennen

Dabei sind die Deutschen bereits Europameister im Mülltrennen: In keinem anderen Land bekommen die Entsorgungsunternehmen den Müll so säuberlich getrennt in Papier, Glas, Bio, Restmüll – und eben Plastik und Aluminium. Dass die Müllabfuhr dafür gleich fünfmal vorfährt, liegt nicht etwa nur an einem besonders ausgeprägten Umweltbewusstsein der Unternehmen: Gerade mit Kunststoffabfällen lässt sich nämlich auf dem Weltmarkt theoretisch viel Geld verdienen. 

Müllverbrennungsanlagen "wollen gefüttert werden"

Dafür, dass dennoch fast die Hälfte des Inhalts der gelben Tonne in Verbrennungsanlagen landet, gibt es mehrere Gründe. Zum einen liege das daran, dass in den 1980er und 90er Jahren an verschiedenen Standorten auch in NRW riesige solcher Müllverbrennungsanlagen gebaut wurden. "Die stehen jetzt dort und wollen gefüttert werden", sagt Rolf Buschmann, Abfallexperte beim Umweltverband BUND: Sie kosten viel Geld und müssen daher ausgelastet sein.

Sind sie das nicht, jammerten Kommunen, städtische oder private Betreiber über zu hohe Kosten - die letztlich dann auch beim Bürger hängenblieben. Gerade der "hochkalorische" Plastikmüll sei da gerne genommen.

"Gelber" Müll oft zu kleinteilig und zu verschmutzt

Müll auf einem Fließband in der Sortieranlage der Firma Trienekens in Krefeld

Müllsortierung oft schwierig

Zum anderen sei die Qualität des Kunststoffmülls aus den gelben Tonnen oft nicht ausreichend für die Sortierungsanlagen: Sind die Teile zu klein, können die Maschinen die verschiedenen Plastiksorten - Polyethylen, PET, Polypropylen - trotz ausgefeilter Technik mit Infrarotdetektoren und gesteuertem Gebläse nicht gezielt voneinander trennen. Die gelbe Hülle aus dem Überraschungsei beispielsweise fällt schon durchs Raster. In vielen Verpackungen, wie beispielsweise Tetrapacks, sind Kunststoffe zudem mit unbrauchbaren Materialien wie Pappe oder Papier verbunden.

Hinzu kommt, dass der zurzeit niedrige Ölpreis das einstmals boomende Geschäft mit Recycling-Kunststoff stark ausgebremst hat: Kauften asiatische Hersteller die sogenannten Sekundärmaterialien vor einiger Zeit noch bevorzugt, um damit billig neue Plastikgegenstände herzustellen, ist die Neuherstellung von Kunststoff derzeit ebenso günstig, der Einkauf von recyceltem Plastik erübrigt sich.

Duales System verpflichtet Hersteller zur Entsorgung

Seit 1991 regelt die Verpackungsverordnung in Deutschland, dass Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche für die Rücknahme und Entsorgung ihrer Verpackungen verantwortlich sind. Eingebunden in das sogenannte "Duale System", müssen sie nachweisen, dass die in Umlauf gebrachten Materialien wieder eingesammelt und verwertet werden. Mindestens 36 Prozent des Kunststoffanteils müssen dabei recycelt werden.

Duales System Deutschland

Das „Duale System Deutschland“ (DSD) wurde 1990 gegründet als Gesellschaft für Abfallvermeidung und Sekundärrohstoffgewinnung. Das DSD entsorgt und recycelt allen Verpackungsmüll, der mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet ist. Für die Verwertung hat der Gesetzgeber für einzelne Materialen Wiederaufbereitungs-Quoten vorgegeben, die als Mindestsoll erfüllt werden müssen. Die Verpackungshersteller bezahlen für den „Grünen Punkt“ eine Lizenzgebühr. Die Kosten hierfür zahlt letztendlich der Kunde, weil die Hersteller die Kosten auf die Preise aufschlagen. Bis 2004 existierte ein Monopol des DSD. Seitdem bieten auch andere Firmen wie Landbell, Remondis oder Interseroh ähnliche Systeme an.

Wiederverwertbarer Abfall wird in einer Müllsortieranlage der Firma Trienekens im Sortierwerk Krefeld mit einem Bagger umgeschichtet.

Heißbegehrter Plastikmüll

Wo und ob der Müll, der in Köln, Remscheid oder Wuppertal getrennt entsorgt in den Tonnen liegt, am Ende recycelt wird, entscheiden die Kommunen selbst, erklärt Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Die Entsorgung der Gelben Tonne werde in einem harten Preiswettbewerb unter den insgesamt 12 Dualen Systemen in Deutschland ausgeschrieben. Dabei entstehe ein regelrechter "Mülltourismus" quer durch die Republik, kritisiert Wilts, denn das Geschäft mit den Abfällen ist ein heißumkämpfter Markt.

Wer wissen will, wo der Müll aus der eigenen Gelben Tonne schließlich landet, könne bei seiner Kommune anrufen. "Mit etwas Glück" würde es einem dort verraten, sagt Wilts, "wahrscheinlich aber eher nicht".

Neues Verpackungsgesetz schon jetzt in der Kritik

Der Bundesrat hat in seiner Plenarsitzung am 10. Februar 2017 einen neuen Entwurf des Verpackungsgesetzes diskutiert. Ziel soll eigentlich sein, Hersteller künftig zu verpflichten, ihre Verpackungen so zu gestalten, dass sie sinnvoll recycelt werden können. Allerdings soll gleichzeitig die Quote für Mehrwegverpackungen ersatzlos gestrichen werden.

Das wird von Umweltverbänden heftig kritisiert. Auch NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) kritisierte den Gesetzentwurf als sinnlos und nicht ausreichend. Er gebe Herstellern "lediglich Anreize zur Förderung der stofflichen Verwertung", ohne klare Vorgaben zur Vermeidung von Verpackungsmüll zu machen. Erfahrungswerte der Bundesländer beim Müllrecycling seien nicht in den Entwurf eingeflossen.

Kritiker monieren außerdem, dass Hersteller - wie bisher auch schon - die Möglichkeit haben sollen, in ihren Geschäften Sammelstellen für Recyclingmüll aufzustellen und dann auf eigene Faust dafür zu sorgen, dass Kunststoffteile wiederverwertet werden. Und: Die geplante "Zentrale Stelle", die diese Vorgänge überwachen soll, ist vorwiegend durch die Hersteller selbst besetzt. Im Bundesrat wurden die einzelnen Punkte des Entwurfs mehrheitlich von den Bundesländern abgelehnt. Im März soll er dem Bundestag vorgelegt werden.

Stand: 24.02.2017, 06:00