Umweltschützer kritisieren Kreuzfahrten

Umweltschützer kritisieren Kreuzfahrten

Von Susanne Schnabel

Umweltschützer des Nabu haben Kreuzfahrt-Reedereien scharf kritisiert. Kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa sei aus Umweltsicht uneingeschränkt empfehlenswert.

Das Luxus-Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" fährt auf der Elbe bei Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) in Richtung Hamburg (2013)

Der Kreuzfahrtmarkt boomt: Inzwischen reisen dreimal so viele Menschen mit dem Schiff wie noch vor zehn Jahren. Erstmals könnten 2017 mehr als zwei Millionen Deutsche in See stechen. Während sich die Branche freut, schlagen Umweltverbände seit Jahren Alarm.

Der Kreuzfahrtmarkt boomt: Inzwischen reisen dreimal so viele Menschen mit dem Schiff wie noch vor zehn Jahren. Erstmals könnten 2017 mehr als zwei Millionen Deutsche in See stechen. Während sich die Branche freut, schlagen Umweltverbände seit Jahren Alarm.

Schweröl als Treibstoff und kaum Abgasreinigung: Laut dem Naturschutzbund Nabu ist aus Umweltsicht kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa empfehlenswert. "Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht", sagt Bundesgeschäftsführer Leif Miller bei der Vorstellung des jährlichen Kreuzfahrt-Rankings am Dienstag (05.09.2017).

Der Nabu verweist zudem auf Messungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen, die eine hohe Belastung mit krebserregenden Rußpartikeln zeigten. Auch in den großen Häfen gebe es massive Luftbelastungen.

Der Kreuzfahrtverband Clia kritisiert die Messmethoden des Nabu. Diese entsprächen nicht wissenschaftlichen Standards.

Noch am besten schneiden in dem Nabu-Ranking die beiden deutschen Reedereien Tui Cruises mit den vier Neubauten "Mein Schiff 3" bis "Mein Schiff 6" und Hapag-Lloyd Cruises mit der "Europa 2" ab. Sie verwenden laut Nabu immerhin einen Stickoxid-Katalysator.

Kritik äußert der Nabu an Aida Cruises. Das Unternehmen habe Investitionen in Abgassysteme angekündigt, ohne diese dann umzusetzen. Noch immer sei auf der "Aida Prima" kein Abgasfilter im Einsatz. Dem widerspricht Aida Cruises: Sechs Schiffe der Flotte - darunter die "Aida Prima" - verfügten über Systeme zur Abgasnachbehandlung. Wo es die Genehmigung zum Betrieb der Systeme gebe, würden diese auch genutzt.

Laut Kreuzfahrtverband Clia gelte bereits seit 2015 zum Beispiel in der Nord- und Ostsee ein Schwefel-Grenzwert von 0,1 Prozent. Das bedeute, dass dort kein Schiff mehr mit Schweröl fahren darf, ohne eine Filtertechnik an Bord zu haben. Die Behauptung, dass alle Schiffe mit Schweröl fahren, treffe ebenfalls nicht zu. Sämtliche Kreuzfahrtschiffe erfüllten die gesetzlichen Grenzwerte oder gingen darüber hinaus.

Besserung sei laut Nabu ab 2018 in Sicht, wenn die ersten komplett mit Flüssig-Erdgas (LNG) betriebenen Schiffe in Dienst gestellt werden. Ihr Luftschadstoffausstoß sei deutlich geringer als bei Schiffen, die mit Schweröl und Marinediesel betrieben werden.

Die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden würden damit fast vollständig vermieden und die Emission von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent gesenkt, heißt es in einer Pressemeldung (05.09.2017) von Aida Cruises. Sprecher Hansjörg Kunze: "Mit AIDAnova entsteht in der Meyer Werft in Papenburg gerade das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das zu 100 Prozent mit LNG betrieben werden kann."

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sei laut Umweltschützern auch die Vorschrift der Internationalen Maritimen Organisation IMO, dass auf den Kreuzfahrtschiffen sogenannte Scrubber eingebaut werden müssen. Diese Scrubber waschen Schwefelpartikel aus den Schiffsabgasen um die Wohnbevölkerung vor den Schwefelwolken aus Schiffsschornsteinen schützen.

Allerdings müsse auf allen Schiffen das mit Schwefel versetzte Wasser in bordeigenen Tanks aufgefangen und nicht einfach ins Meer geleitet werden. Und auch außerhalb dieser Schutzgebiete müssten die Kreuzfahrtschiffe sauberer werden, fordert der Nabu.

Und von manchen Orten sollten sie besser fern bleiben, warnen Forscher. Zum Beispiel leidet Venedig unter der Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die sich täglich durch die italienische Lagunenstadt schieben: Die Altstadt sackt ab, Abgase und Wellen beschädigen historische Bauten.

Bei der Messe "Seatrade Europe" vom 6. bis 8. September 2017 wird Umweltschutz ein großes Thema sein. Mehr als 250 Aussteller aus rund 50 Nationen präsentieren in Hamburg ihre Produkte und Dienstleistungen rund um die Kreuz- und Flusskreuzschifffahrt.

Stand: 05.09.2017, 17:01 Uhr