Wie geht Deutschland mit Katastrophen um?

Großeinsatz beim WDR

Wie geht Deutschland mit Katastrophen um?

Von Marion Kretz-Mangold

  • Tagung der Katastrophenschützer in Berlin
  • Neue Bedrohungen: Terror, Atomunfall, Starkregen
  • NRW: Warn-Apps, aber noch keine Evakuierungspläne

In Berlin sind Politiker und Praktiker zum Europäischen Katastrophenschutzkongress (19./20.09.2017) zusammengekommen, um sich zu aktuellen Entwicklungen auszutauschen. Themen sind Cyber-Angriffe, die Rolle der sozialen Medien und die besondere Herausforderung, Tausende von Menschen bei einem AKW-Unfall zu evakuieren.

vier Autos stehen im Wsser

Greven unter Wasser

Die Tagesordnung zeigt: Seit dem Ende des Kalten Krieges mit seiner atomaren Bedrohung hat sich viel verändert. Heute haben es Katastrophenschützer mit den möglichen Folgen von Terror und Klimawandel zu tun. "Letztes Jahr kamen in Greven 300 Liter Regen in sechs Stunden runter", erinnert sich Michael-Franz Knobloch vom THW Lünen. "Da war die ganze Stadt ohne Strom, das Krankenhaus auch." Das THW hat dann dafür gesorgt, dass die Stromversorgung funktioniert.

Noch keine Routine

"Alltagsgeschäft" nennt das Knobloch. Was aber zu tun ist, wenn ein Kohlekraftwerk und damit der Strom ausfällt, ist noch unklar. Der Bund hat 2016 ein neues Zivilschutz-Konzept vorgelegt, das noch von Ländern, Kreisen und Kommunen umgesetzt werden muss. Darin geht es vor allem um die "kritischen Infraktstrukturen": die Versorgung mit Wärme, Wasser und Strom.

Ehrenamtliche im Einsatz

Die Zuständigkeiten dabei sind geklärt. Der Bund stellt das Know-How und die Hardware - etwa in Form von Rettungs- oder Löschfahrzeugen, die im Notfall umfunktioniert werden können. Der Katastrophenschutz selbst ist Sache der Länder. Sie können auf die Hilfsorganisationen zurückgreifen, die die Manpower bereitstellen - allesamt Ehrenamtliche. Allein beim THW in Nordrhein-Westfalen sind das 15.000 Helfer, die retten und bergen können.

Grippe-Pandemie und Cyber-Angriff

Wie sie im Katastrophenfall eingesetzt werden, wird regelmäßig geübt, etwa im Rahmen von "Lükex" ("Länderübergreifende Krisenmanagementübung"). Mal wird ein Terroranschlag auf den Köln-Bonner-Flughafen durchgespielt, mal eine Grippe-Pandemie, mal ein Cyberangriff. 2004 wurde ein schwerer Wintersturm mit Stromausfall simuliert - ein Jahr später wurde das Szenario Wirklichkeit.

Noch keine Evakuierungspläne

Ein Unfall in einem Kernkraftwerk wie Tihange wurde allerdings noch nicht geübt. Es gibt auch noch keine ausgearbeiteten Evakuierungspläne, mit Ausnahme von Städten wie etwa Köln, die immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen haben. Der Bund, so heißt es beim Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in Bonn, erarbeite derzeit entsprechende Empfehlungen, die von den Ländern genutzt werden sollen.

Sirenen werden reaktiviert, Bunker nicht

In NRW eingeführt wurde schon die Warn-App "Nina", die Handy-Nutzer auf drohende Unwetter, Bombenalarm oder eben einen nuklearen Ernstfall hinweisen soll. Außerdem sollen Multifunktionssysteme, die Notstrom, Wärme und Licht liefern können, angeschafft und die in vielen Orten stillgelegten Sirenen wieder reaktiviert werden - so, wie es auch im Zivilschutzkonzept des Bundes steht. Bunker dagegen, in Friedenszeiten umfunktioniert oder gar abgerissen, sollen nicht durch Neubauten ersetzt werden. "Nicht realisierbar", so Innenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Konzepts.

Wasser und Lebensmittel auf Vorrat legen

Ein mit Lebensmittel gefüllter Warenkorb.

Vorrat für den Ernstfall

Darin steht auch, die Bürger sollten individuell Vorsorge treffen - indem sie Erste Hilfe lernen und genügend Wasser und Lebensmittel vorhalten. Die Versorgungskette sei sehr verwundbar, heißt es im Bundesamt, ein Supermarkt wäre in wenigen Stunden ausverkauft. So weit wie manche "Prepper", die mit Pfeil und Bogen auf Jagd gehen wollen, müsse man aber nicht gehen.

Stand: 20.09.2017, 08:56