Sprengmeister: Sprengen kann wie Bäumefällen sein

Sprengung in Dortmund

Sprengmeister: Sprengen kann wie Bäumefällen sein

  • Das Bonn-Center ist ab Sonntag (19.03.2017) Geschichte
  • Durch eine Sprengung soll das Hochhaus vertikal in sich zusammenfallen
  • Wir klären im Interview, worauf Sprengmeister achten müssen

Martin Hopfe befasst sich seit 34 Jahren mit Sprengtechnik. Seit 27 Jahren leitet der Thüringer sein eigenes Sprengunternehmen in Kaulsdorf an der Saale. Sein Beruf führt ihn durch das gesamte Land. Das wichtigste Projekt im kommenden Jahr: die Sprengung des Gebäudes der "Deutschen Welle" in Köln.

WDR.de: Zu Ihrem Beruf gehört es, Häuser und Gebäude zu sprengen. Sind Sie vor einer Sprengung denn noch nervös?

Martin Hopfe: Ja, ganz klar. Vor jeder Sprengung bin ich nervös, weil ich jede Sprengung ernst nehme. Es ist für mich ganz egal, wie groß ein Gebäude ist. Ob bei einem 30 Meter hohen Schornstein oder einem 100 Meter hohen Gebäude: ein bisschen Nervosität bleibt.

WDR.de: Nebengebäude sollten bei einer Sprengung nicht beschädigt werden. Welche Eigenschaften außer Präzision sollte ein Sprengmeister mitbringen?

Sprengmeister Martin Hopfe

Sprengmeister Martin Hopfe: "Wer sprengt, braucht Erfahrung"

Hopfe: Wer für Sprengarbeiten verantwortlich ist, sollte langjährige Erfahrungen mitbringen. Gottvertrauen allein hilft nicht. Informationen zum Abbruchverhalten liefert den Sprengmeistern ein Ingenieurbüro für Abbruchdynamik, das vor fast 25 Jahren in Dresden gegründet wurde.

WDR.de: Gibt es denn überhaupt eine geschützte Ausbildung zum Sprengmeister?

Hopfe: Eine geregelte Ausbildung für Sprengmeister gibt es definitiv nicht. Diesen Beruf üben vor allem Quereinsteiger aus – da eignen sich vor allem Bauingenieure. Die fachliche Kompetenz erwerben sich Sprengmeister, indem sie nachweisbar an 50 Sprengungen teilnehmen.

Da Sprengmeister mit Sprengmitteln umgehen, ist zudem ein guter Leumund erforderlich: Sprengmeister sollten also ein gutes Ansehen haben, bevor sie ein erstes Mal sprengen dürfen.

WDR.de: Wenn Sie den Auftrag zu einer Sprengung erhalten, wie gehen Sie dann vor?

Hopfe: Das Bauwerk und die Umgebung schaue ich mir immer vor Ort an. Am Telefon lassen sich viele Rahmenbedingungen gar nicht klären. Es gibt ja auch viele Aspekte, die beachtet werden müssen: die Erschütterungen, der Staub und die Frage, was zerberstender Beton in der Umgebung zerstören kann. Am wichtigsten ist die öffentliche Sicherheit, dass niemand zu Schaden kommt.

WDR.de: Wie schaffen Sie es, dass Gebäude vertikal in sich zusammenfallen?

Hopfe: Bei Schornsteinen läuft das ab wie beim Baumfällen. Bei der Fallrichtungs-Sprengung wird aus dem Gebäude vor der Sprengung ein Keil entfernt.

Und bei der Kollaps-Sprengung müssen alle Stützen eines Bauwerkes heraus genommen werden, um die Statik des Bauwerks zu zerstören und es senkrecht zum Einsturz zu bringen.

Das Interview führte Andreas Sträter

Stand: 18.03.2017, 06:00