So fahren Radfahrer auf der grünen Welle

Eine Ampel für Fahrradfahrer leuchtet in Köln

So fahren Radfahrer auf der grünen Welle

Von Annika Franck

  • Verlängerte Grünphasen für Radfahrer
  • Pilotprojekt: Weniger Halte, schneller am Ziel
  • App für Grüne Welle in diesem Jahr marktreif

Vorfahrt im Straßenverkehr haben Fahrradfahrer nur selten. Und auch die Ampelschaltung ist in den meisten Städten eher auf Autofahrer ausgelegt - so zumindest fühlt es sich für die meisten Radfahrer an. Die Firma Siemens hat nun eine App entwickelt, die die grüne Welle für Radfahrer ermöglichen soll.

Sibike heißt diese App und sie funktioniert so: Der Radfahrer lädt die App auf sein Handy und aktiviert sie beim Losfahren. Auf der Straße fährt er über virtuelle Meldepunkte, die ein Signal an die Zentrale senden.

Alle müssen zu ihrem Recht kommen

Die Zentrale sorgt wiederum automatisch dafür, dass die Ampel für den Radfahrer an der nächsten Kreuzung grün leuchtet. Entweder wird die Grünphase verlängert oder es wird nach einer Rotphase schneller grün. "Die Herausforderung für die Verkehrsplaner besteht darin, dass alle Verkehrsteilnehmer zu ihrem Recht kommen", erklärt Eckert.

Radfahren und Sicherheit

Grüne Welle für Rad- und Autofahrer

Die Stadt Marburg hat die App in einer Pilotphase getestet, mit positivem Ergebnis: Die Halte seien um 30 Prozent reduziert worden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Und die Radfahrer seien schneller ans Ziel gekommen, sagt Stefan Eckert, Leiter bei Siemens Mobility. Und auch der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies zeigt sich zufrieden: "Wir sind glücklich, mit den Untersuchungen zur Grünen Welle für Fahrräder einen wesentlichen Beitrag zur gegenseitigen Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer zu erreichen."

Funktioniert nur mit modernen Ampelanlagen

Für den Pilotversuch habe Marburg die Modernisierung alter Ampelanlagen vorgezogen, daher seien keine zusätzlichen Kosten entstanden. Funktionieren kann die App nur mit modernen Ampelanlagen - die zum Beispiel die Firma Siemens herstellt. Nachteile für Autofahrer seien nicht beobachtet worden, so die Stadtverwaltung. Eine endgültige Bewertung führe derzeit die TU München durch.

Auch Autofahrer profitieren von den längeren Grünphasen, wenn sie in die gleiche Richtung fahren wie die Radfahrer mit der App. Nun will die Stadt Marburg mehr. Die Verwaltung hoffe, bei Marktreife von Sibike profitieren zu können. Noch in diesem Jahr rechnet Siemens damit, die App auf den Markt zu bringen. Die App selbst soll kostenlos sein.

Stand: 03.04.2017, 13:24