Frachtsegler für saubere Handelsschifffahrt

Renaissance der Frachtsegler

Frachtsegler für saubere Handelsschifffahrt

  • Containerschiffe gehören zu den größten Luftverschmutzern.
  • Frachtsegler sollen den Transport umweltfreundlicher machen.
  • Noch sind die dicken Dieseldampfer jedoch günstiger.

Wie können Waren umweltfreundlich über die Weltmeere transportiert werden? Die vieldiskutierte Vision ist das "Zero-Emissions-Ship", also ein Schiff ohne Abgase. Das können Containerriesen sein, wie sie die Chinesen planen, angetrieben von Flüssiggas oder Elektromotoren.

Es könnte aber auch die Rückkehr zum Segeln sein, eine jahrtausendealte und umweltfreundliche Technologie. Das Problem: Mit Windkraft allein kann man heutzutage kein Handelsschiff mehr betreiben, betont der Schiffbau-Experte Stefan Krüger von der TU Hamburg. "Weil die Dinger ständig irgendwo gestrandet sind. Mit Konzepten wie vor 100 Jahren kann ich heute sicherlich nicht mehr zur See fahren", so das Fazit.

Segel werden heutzutage automatisch gesetzt

Also muss ein Hilfsmotor mit an Bord. Idealerweise ein Elektromotor. Sonst aber soll der Wind allein für den Antrieb sorgen. Das Motto: Soviel segeln wie möglich, soviel Motor wie nötig. Ein Konzept für einen solchen Riesen-Frachtsegler ist der "Ecoliner", ein High-Tech-Windjammer, 170 Meter lang, mit vier Masten und einem superschnittigen Rumpf. Während das Hieven und Reffen der Segel früher noch echte Handarbeit war, hat der "Ecoliner" ein so genanntes "Dyna-Rigg". "Das geht mit Motoren automatisch und von der Brücke", erklärt der Physiker Bernhard Schwarz-Röhr von der Jade-Hochschule in Elsfleth. Noch ist der "Ecoliner" jedoch nur ein Plan.

Der Frachtsegler "Avontuur"

Der Frachtsegler "Avontuur" transportiert 70 Tonnen Ladung

Digitale Unterstützung für eine perfekte Route

Der moderne Frachtsegler hat auch ein "Navi" an Bord. Das Gerät soll die schnellste und günstigste Route berechnen und anzeigen, wieviel Treibstoff jeweils gespart werden kann. Durch Flauten lässt sich so ein Schiff also nicht mehr aufhalten.

Herkömmliche Technik hat erhebliches Sparpotenzial

Ein modernes Containerschiff rast mit etwa 18 bis 20 Knoten über den Ozean. Die weltgrößte Container-Reederei Maersk hat einmal ausgerechnet, was so ein Dampfer an Sprit sparen würde, wenn er einfach langsamer führe. Bei 20 Knoten liegt der Brennstoffverbrauch bei 100 Tonnen pro Tag. "Wenn ich jetzt nur 16 Knoten fahre, dann bin ich schon bei knapp unter 60 Tonnen. Das heißt ich habe 40 Prozent des Treibstoffes gespart", sagt Bernhard Schwarz-Röhr, der im Rahmen eines EU-Projekts forscht. "Dagegen muss ein Segel erstmal ankommen!"

Der Frachtsegler "Avontuur" vor dem Container-Terminal Bremerhaven

Ein Frachtsegler wirkt winzig vor dem Container-Terminal

VW ist abgesprungen

Volkswagen wollte mit dem Fracht-Segler Autos nach Mexiko schippern lassen. Doch dann sprang der Konzern wieder ab. Die Autobauer fanden diese Art des Transports am Ende doch zu unwirtschaftlich. Ob der Wind-Hybrid-Antrieb wirtschaftlich wirklich eine Rolle spielen kann, muss also erst noch bewiesen werden. Rein technisch wären auch noch größere Frachtsegler kein Problem, sagt Stefan Krüger von der TU Hamburg. Die Frage sei, ob jemand bereit sein, das zu bezahlen. "Das kann aber vielleicht in 30 Jahren ganz anders aussehen, wenn es kein Öl mehr gibt."

Autor des Radiobeitrags ist Thomas Samboll.

Stand: 10.07.2017, 11:06