Was in Fessenheim geschah

Was in Fessenheim geschah

Von Sebastian Funk und Birgit Heinzelmann

Am 9. April 2014 kam es im Atomkraftwerk Fessenheim zu einem Störfall, der offenbar schwerwiegender war als bisher öffentlich bekannt. Was genau geschah, erklären wir in Text und Grafik.

Infografik Kernkraftwerk Bild 1

Am 9. April 2014 um 17 Uhr kommt es im französischen Kernkraftwerk bei Fessenheim zu einem Wassereinbruch nach einer Überschwemmung. Das Wasser erzeugt einen Kurzschluss in der elektronischen Steuerung der Steuerstäbe des Reaktors. Diese Steuerstäbe regulieren durch Neutroneneinfang die Kettenreaktion im Reaktor. Normalerweise ist der Ausfall einer Steuerungseinheit durch eine zweite Steuerung abgesichert. Diese funktioniert jedoch ebenfalls nicht. Später wird der Kraftwerksbetreiber dies nicht den zuständigen Behörden mitteilen.

Am 9. April 2014 um 17 Uhr kommt es im französischen Kernkraftwerk bei Fessenheim zu einem Wassereinbruch nach einer Überschwemmung. Das Wasser erzeugt einen Kurzschluss in der elektronischen Steuerung der Steuerstäbe des Reaktors. Diese Steuerstäbe regulieren durch Neutroneneinfang die Kettenreaktion im Reaktor. Normalerweise ist der Ausfall einer Steuerungseinheit durch eine zweite Steuerung abgesichert. Diese funktioniert jedoch ebenfalls nicht. Später wird der Kraftwerksbetreiber dies nicht den zuständigen Behörden mitteilen.

Die Steuerstäbe des Reaktors können nicht mehr zur Regulierung der Kettenreaktion verwendet werden und sind manövrierunfähig. Ganze drei Minuten dauert dieser Zustand an, in dem sich der Reaktor unkontrolliert erhitzt. Die Techniker entscheiden sich zur vorgesehenen Sicherheitsprozedur. In das Wasser des Reaktors wird Borcarbid eingelassen. Bor kann die thermischen Neutronen im Reaktor ähnlich wie die Steuerstäbe einfangen und so die Kettenreaktion verlangsamen. Der Reaktor kühlt ab.

Die Restwärme wird über Kühlwasser und Dampferzeuger aus dem Reaktor geleitet. Um den Reaktor wieder hochzufahren, muss das borhaltige, radioaktive Wasser aus dem Reaktor gegen frisches Kühlwasser ausgetauscht werden.

Diese Notborierung ist jedoch nicht das letzte Mittel, um den Reaktor herunter zu fahren. Die Steuerstäbe können auch mechanisch in den Reaktor eingeschossen werden. Das war in Fessenheim nicht nötig. Warum beide Systeme zur Kontrolle der Steuerstäbe ausfallen konnten, ist nun zu klären, ebenso, warum die Informationen über den Ausfall und die Notborierung nicht an die internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien gemeldet wurden.

Stand: 04.03.2016, 15:45 Uhr