Nach dem Dieselskandal: Sind Elektroautos die Lösung?

Ein Elektroauto lädt an einer Stromtankstelle

Nach dem Dieselskandal: Sind Elektroautos die Lösung?

Von Benjamin Esche

  • Großbritannien will ab 2040 Diesel- und Bezinautos verbieten
  • Auch andere Länder setzen verstärkt auf E-Mobilität
  • Experten glauben an zeitnahe Umsetzung

Die Luft für Diesel- und Benzin-Fahrzeuge wird dünner. Nach Frankreich will nun auch Großbritannien ab dem Jahr 2040 den Verkauf von Verbrennungsmotoren verbieten. Das soll auch für Hybridfahrzeuge gelten. Norwegen plant sogar, ab 2025 nur noch eimmissionsfreie Neufahrzeuge zuzulassen. Wie realistisch ist der Plan wirklich?

Entwicklung von E-Autos rasant

Rückseite eines Autos mit doppelläufigem Auspuff

Einige Länder sagen Diesel und Benzinern den Kampf an

Der Bundesverband eMobilität ist davon überzeugt, dass schon 2025 komplett auf E-Autos umgestellt werden könne. Dafür entscheidend sei die rasante Entwicklung der E-Mobilität. So werden die Batterien immer leistungsfähiger und die Auswahl der Elektroautos immer größer. "In ein paar Jahren werden die Kosten für ein E-Auto genauso hoch sein wie für einen Diesel", schätzt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte von der Uni Duisburg-Essen.

Für Deutschland sieht Dudenhöffer aber ein Problem: "Politik und Autoindustrie sind zu sehr verflochten", so der Experte. "Die Autoindustrie blockiert die Elektroautos und verliert dadurch weltweit den Anschluss." Nicht nur in Großbritannien werden hohe dreistellige Millionenbeträge in Elektromobilität investiert. China plant ab 2018 eine Quote: Acht Prozent der in China gebauten Autos sollen Elektroautos sein.

Wille der Politik entscheidend

Der politische Wille sei demnach entscheidend, glaubt man auch beim Bundesverband eMobilität. Allein in London sollen noch in diesem Jahr dutzende Schnellladestationen installiert werden. Generell rechnet Ferdinand Dudenhöffer noch vor 2025 mit Schnellladesäulen, die Autos mit einer Reichweite von 500 Kilometer in 20 Minuten aufladen können. "Mit einer vernünftigen Planung ist das alles realisierbar", so der Autoexperte.

Aber ist das Elektroauto auch besser für unser Klima? Wenn dessen Strom zu einem Großteil aus Kohlekraftwerken gewonnen wird, ist die Klimabilanz vergleichbar mit der eines Verbrennungsmotors. Der Strom müsste also zwingend aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. "Es ist für mich nicht vorstellbar, dass wir 2040 noch auf Kohlekraftwerke setzen", sagt Dudenhöffer.

Großbritannien setzt beim E-Auto-Strom auf Atomkraft

Mann hält Stecker von Elektroauto, Auto im Hintergrund.

Wichtig für E-Autos sind ausreichende Ladestationen

Großbritannien will zehn neue Kraftwerke bauen, um den Elektromobilitätsplan umzusetzen. "Und das sollen Atomkraftwerke sein", sagt Franz Rother, Autoexperte der Wirtschaftswoche im WDR-5-Morgenecho. Auch Frankreich setzt in der Energiegewinnung auf die Kernenergie. In Norwegen dagegen sei saubere Energie kein Problem, sagt Rother weiter: "Dort stützt sich die Energieversorgung hauptsächlich auf Wasserkraft und das Land ist dünn besiedelt."

Reduzierung des Verkehrs mit Car Sharing

Autos mit Verbrennungsmotor eins zu eins mit E-Autos zu ersetzen, sei nicht sinnvoll, sagt Sven Lißner vom Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der TU Dresden: "Wir müssen auf andere Mobilitätsformen setzen, um Energie effizienter zu nutzen." Dabei spielen Car-Sharing und neue Angebote wie beispielsweise Home Office eine große Rolle. So könne der Verkehr reduziert werden.

Während bei der Bundesregierung ein Verbot von Verbrennungsmotoren laut einer Sprecherin nicht auf der Agenda steht, wollen die Grünen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos zulassen. Ein Plan, den Autoexperte Dudenhöffer unterstützt: "Wenn wir endlich saubere Innenstädte wollen, dürfen wir nicht die Automobilindustrie entscheiden lassen."

Stand: 27.07.2017, 12:38