Plastikmüll: Coffee-to-go-Becher sind nicht das Hauptproblem

Einweg-Kaffeebecher stapeln sich auf einem vollen Mülleimer.

Plastikmüll: Coffee-to-go-Becher sind nicht das Hauptproblem

  • 40.000 Tonnen Kunststoffmüll durch Einweg-Kaffeebecher.
  • Im Vergleich zu allen Verpackungen ist das wenig.
  • Das wirkliche Problem liegt woanders.

Mal eben schnell einen Kaffee besorgt, getrunken und den Becher dann in die Mülltonne geschmissen. 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher sind es, die so nach nur 15- oder 20-minütiger Nutzung jedes Jahr in Deutschland im Müll landen, berechnete die Deutsche Umwelthilfe. Das sind 40.000 Tonnen Müll.

Die Einweg-Kaffeebecher sind in den Fokus von Umweltschützern gerückt. Thorsten Fischer von der DUH erklärt dazu: "Die meisten Leute kaufen sich einen Kaffee zum Mitnehmen und schmeißen ihn dann unterwegs weg. Unwahrscheinlich, dass sie den Deckel mit nach Hause nehmen und dort in den getrennten Müll geben. Daher wird der Großteil der Kaffeebecher komplett verbrannt und nicht recycelt."

Wie dramatisch sind Einwegbecher wirklich?

Anteil Coffee-to-go-Becher am gesamten Verpackungsmüll

Anteil Coffee-to-go-Becher am gesamten Verpackungsmüll in Deutschland

Doch so berechtigt die Kritik an Einwegbechern ist, besteht die Gefahr, dass die Debatte um die Becher vom eigentlichen Plastikmüll-Problem ablenkt. "Das ist die große Sorge, man hat das Gefühl, man hat was geschafft und kann die Füße hochlegen", sagt Henning Wilts vom Wuppertal Institut.

40.000 Tonnen Müll, noch dazu nicht recycelbar, das ist viel. Aber nur auf den ersten Blick. Allein der Kunststoffverpackungsmüll in Deutschland beläuft sich jährlich auf drei Millionen Tonnen - rechnet man sämtliche Verpackungen aus Pappe, Glas und Metall dazu, kommt man auf fast 18 Millionen Tonnen Müll, so die Zahlen der DUH.

Es sind die einzeln eingepackten Tütchen mit Gummibärchen, die Zucchini in Pappschale mit Plastikfolie drum herum oder die Einweg-Plastikflasche. Verpackung von Lebensmitteln und Getränken allein macht fast 60 Prozent allen Verpackungsmülls aus. Und: Rund die Hälfte aller Verpackungen bekommt der private Konsument nie zu sehen. Sie werden in der Industrie benutzt.

Effektive Maßnahmen gegen Müll? Fehlanzeige.

Voller Mülleimer mit Verpackungsmüll.

18 Millionen Kunststoffverpackungsmüll jährlich

"Kaffeebecher sind nicht das ganz große Ding", sagt Wilts. "Es gibt immer einen Abfallstrom des Jahres. Mal sind es Elektrogeräte, dann Plastiktüten und jetzt eben die Kaffeebecher. Aber es gibt kein System, wie Abfall generell vermieden werden kann." Konkrete Zielvorgaben, wie weit der Verpackungsmüll insgesamt in Deutschland reduziert werden soll? - Gibt es nicht.

Um das zu ändern, erarbeitet Henning Wilts für die Bundesrepublik derzeit neue Abfallverarbeitungsmaßnahmen. Als ein Vorbild dafür hat er sich Irland gesucht. "Die Iren haben einen wesentlich reflektierteren Umgang mit Abfall. Die überlegen sich genau den Sinn jeder einzelnen Maßnahme und stellen dann auch Geld für die Umsetzung zur Verfügung." So können irische Unternehmen beispielsweise den kostenlosen Besuch eines Umweltberaters anfragen. Dieser gibt Empfehlungen zur Ressourceneffizienz und zu möglichen Einsparungen. Oft stelle sich dabei heraus, dass durch die Maßnahmen langfristig gespart werden könne.

Stand: 07.08.2017, 14:27