Chemie im Alltag: Spiegel selbst gemacht

Chemie im Alltag, Folge 5: Spiegel selbst gemacht

Chemie im Alltag: Spiegel selbst gemacht

Von Hellmuth Nordwig

Ein Silbersalz, eine Zuckerlösung und ein Glas: Viel mehr braucht es nicht, um einen Spiegel zu erzeugen. Man muss nur etwas erwärmen. Im Prinzip stellt die Industrie hochwertige Spiegel ganz genauso her.

Entdeckt hat das Verfahren der große Chemiker Justus Liebig im Jahr 1835 (geadelt wurde er erst zehn Jahre später). Das Experiment liefert einen perfekten Spiegel, wenn man alles richtig macht. Doch so kinderleicht es ist - es darf nur von Erwachsenen durchgeführt werden.

Die Zutaten bekommt man im Chemikalienhandel. Weil auch Ammoniak im Spiel ist, wird der Versuch am besten unter der Dunstabzugshaube durchgeführt. Ammoniakdämpfe dürfen nicht eingeatmet werden!

Der Versuch zum Selbermachen

  • ein schönes Glas innen sorgfältig abspülen und gründlich abtrocknen (auf Schmutz und Fett haftet der Spiegel nicht)
  • Latexhandschuhe anziehen
  • Reaktionslösungen in getrennten Gefäßen vorbereiten:
  • Gefäß 1: 1 Gramm Silbernitrat in 20 Millilitern Wasser auflösen
  • mit einer Pipette tropfenweise verdünnte Ammoniaklösung zugeben, es bildet sich zunächst ein Niederschlag
  • unter leichtem Schütteln nur so lange weiter tropfen, bis dieser sich wieder auflöst
  • Gefäß 2: 2 Gramm Traubenzucker in 20 Millilitern Wasser auflösen
  • außerdem braucht man noch ein Kaliumhydroxid-"Plätzchen" (Vorsicht ätzend! Handschuhe!)
  • alles vorsichtig in das schöne Glas geben
  • dieses in einem Wasserbad langsam erwärmen, Inhalt leicht schwenken
  • sobald der Spiegel fertig ist, die restliche Flüssigkeit in den Abguss geben (lange mit warmem Wasser nachspülen!)
  • das Innere des Glases ausspülen und trocknen lassen.
Chemie im Alltag, Folge 5: Spiegel selbst gemacht

Die Mischung in einem Wasserbad erwärmen

"Dieser schöne Versuch nutzt aus, dass Silber ein Edelmetall ist", sagt Florian Graßl, Chemiedidaktiker an der Universität München. "Das heißt, dass es gerne rein vorliegt", erklärt der Fachmann. In Form von Silbernitrat liegt Silber aber nicht rein vor.

Zucker macht das Silber edel

Hier kommt der Zucker ins Spiel: Er befreit sozusagen das Silber aus diesem unedlen Zustand. "Wir Chemiker sagen, das Edelmetall wird zu seiner reinen Form reduziert", erklärt Florian Graßl. Nicht nur Zucker kann das bewirken, sondern auch Alkohol und viele andere Stoffe. Auch damit könnte man also einen Silberspiegel herstellen.

Auch für Christbaumkugeln und Fotos

Chemie im Alltag, Folge 5: Spiegel selbst gemacht

Florian Graßl präsentiert das Ergebnis

Die Industrie macht das übrigens ganz genauso: Für hochwertige Spiegel wird auf dem Glas eine Silberschicht erzeugt (bei preiswerten wird Aluminium aufgedampft). Christbaumkugeln werden auf die gleiche Weise versilbert oder auch mit anderen Edelmetallen beschichtet, zum Beispiel mit Kupfer. Da klappt diese chemische Reaktion genauso gut.

Nicht zuletzt war die "Reduktion" von Silber früher wichtig in der Schwarzweiß-Fotografie. Was einen Film oder Fotopapier schwärzt, sind winzigste Silberkörnchen. Allerdings sind sie so klein, dass sie keine spiegelnde Fläche bilden.

Stand: 14.03.2017, 06:00