Nach 20 Jahren: Raumsonde Cassini sendete letztes Signal

Nach 20 Jahren: Raumsonde Cassini sendete letztes Signal

Von Marion Kretz-Mangold

Rätselhaft und faszinierend: Der Saturn war der große Unbekannte unter den Planeten. Die Nasa-Raumsonde Cassini hat das geändert. Am Freitagmittag endete ihre Mission.

Saturn schiebt sich vor die Sonne und ermöglicht so besondere Aufnahme der Ringe

Herr der Ringe: Solche spektakulären Saturn-Bilder haben wir der Nasa-Raumsonde-Cassini zu verdanken, die vor 20 Jahren ins All geschossen wurde. Das Bild wurde aus mehr als hundert Aufnahmen zusammengesetzt. Möglich wurden sie, weil Saturn die Sonne abdeckte - einer von vielen Höhepunkten der Cassini-Huygens-Mission, die am Freitag (15.09.2017) ein spektakuläres Ende fand.

Herr der Ringe: Solche spektakulären Saturn-Bilder haben wir der Nasa-Raumsonde-Cassini zu verdanken, die vor 20 Jahren ins All geschossen wurde. Das Bild wurde aus mehr als hundert Aufnahmen zusammengesetzt. Möglich wurden sie, weil Saturn die Sonne abdeckte - einer von vielen Höhepunkten der Cassini-Huygens-Mission, die am Freitag (15.09.2017) ein spektakuläres Ende fand.

Am 15.10.1997 brach die Raumsonde Cassini von Cape Canaveral zu ihrer 1,4 Milliarden Kilometer langen Reise auf. Mit dabei hatte sie den Esa-Lander Huygens, der auf einem der vielen Saturn-Monde landen sollte. Ziel der gemeinsamen Mission: Daten aus dieser fremden Welt aus Eis, Gas und Stein sammeln.

Der Saturn ist so groß, dass er mit einem einfachen Fernrohr von der Erde aus zu sehen ist. Deswegen hat er die Menschen schon lange fasziniert. Die beiden Sonden Voyager und Pioneer haben erste Bilder geliefert. Cassini sollte aber nicht nur einen knappen Besuch abstatten, sondern den Planeten umkreisen.

Sieben Jahre dauerte die Reise zum Saturn. Ehe Cassini ihm nahe kam, flog sie im Dezember 2000 an Jupiter vorbei und machte Aufnahmen wie diese vom Südpol. Die Karte, die daraus erstellt wurde, ist die detaillierteste farbige Karte, die bisher produziert wurde. Die kleinsten noch erkennbaren Details haben einen Durchmesser von 120 Kilometern.

Mit 100.000 Stundenkilometer rasten Cassini und der Lander Huygens in Richtung Saturn weiter. 2004 passierten sie Phoebe, den äußersten Saturnmond - letzte Etappe vor einer besonders heiklen Mission: Sonde und Lander mussten vorsichtig abgebremst werden. Dafür wurden sie langsam durch die äußeren Ringe des Saturn gelenkt. Es gelang - und auch die Antenne, die Daten zur Erde schicken sollte, funktionierte. Der Weg für den ersten Teil der Mission war frei: Die Landung von Huygens auf dem Mond Titan, dem größten der Saturnmonde.

Undurchdringlich: Teleskope und Kameras scheitern an Titans Atmosphäre. Aber der Lander Huygens, der am Weihnachtstag 2004 von Cassini getrennt wurde, schwebte am Fallschirm durch die Methan-Stickstoff-Schichten, setzte im Januar auf und schickte 90 Minuten lang Fotos und Daten zur Erde. Dann verstummte er.

Diese Aufnahme von der kalten Oberfläche des Titan zeigt "Steine" aus Eis und Staub, die von einem fließenden Medium abgeschliffen wurden.

Auf anderen Aufnahmen ist ein verästeltes System von Tälern festgehalten, durch das eiskalte, flüssige Kohlenwasserstoffe geströmt sein mussten, und Seen, wie hier den "Ligeia Mare". Die Auswertung der vielen Daten und Fotos ergab, dass der Titan neben der Erde der einzige Körper in unserem Sonnenystem mit Flüssigkeiten auf der Oberfläche ist. Außerdem gibt es nur hier eine Atmosphäre, allerdings mit deutlich mehr Stickstoff als auf der Erde. Die Wissenschaftler vermuten, dass Titans Atmosphäre der frühen Erdatmosphäre ähnelt - und der Mond eine Art "Ur-Erde" ist.

Nach der Trennung von Huygens flog die Raumsonde Cassini allein durch das Saturnsystem. Dabei umkreiste sie immer wieder den Planeten, seine sieben großen und mehr als 50 sehr kleinen Monde, die sich inner- und außerhalb des Ringsystems bewegen - und schickte aufsehenerregende Bilder zur Erde.

Glitzernd weiß, von Tälern und Kratern bedeckt - und Heimat von Eisvulkanen: Der Mond Enceladus spuckt in regelmäßigen Abständen Wolken von Wassereis aus. Dieser Eisvulkanismus, von den Kameras der Cassini festgehalten, muss sich aus unterirdischen Wasserreservoirs speisen. Spannend genug, aber dann machten Cassinis Instrumente in den Fontänen auch noch Kohlenwasserstoffe wie Methan oder Propan aus. Auf Enceladus könnte also primitives Leben existieren.

Auch Tethys ist ein sehr heller Mond, dabei sehr alt und zerklüftet. Besonders auffallend: Der Einschlagskrater Odysseus mit Terrassen, einem Berg in der Mitte und vielen kleineren Kratern ringsum.

Wie viele Saturnmonde ist auch Hyperion unregelmäßig geformt. Seine Oberfläche zeigt viele Einschlagskrater, die ihn wie einen Schwamm aussehen lassen.

Zweimal wurde die 3,2 Millarden Dollar teure Mission verlängert, um den Saturn und seine Monde aus möglichst vielen Winkeln fotografieren und noch mehr Daten sammeln zu können. Im Frühjahr 2017 war aber klar: Der Treibstoff geht zu Ende. Damit Cassini nicht unkontrolliert - und damit vielleicht auf einen Mond mit lebensähnlichen Formen - abstürzt, entschlossen sich die Experten, die Sonde auf dem Saturn zu beerdigen.

Deswegen wurde Cassini in die gerade mal 2.000 Kilometer schmale Lücke zwischen Saturn und den Ringen bugsiert. 22 Mal tauchte die Sonde in den Spalt ein, nahm dabei Proben der Atmosphäre und der Ring-Partikel - eine sensationelle Premiere.

Dann das Schlussmanöver: Am 12.09.2017 wurde die Sonde zum "Flyby Kiss" am Titan vorbeigelenkt. Ein letztes Mal holte sie Schwung und ließ sich von der Schwerkraft des Planeten einfangen. Diesmal flog sie aber nicht durch den Spalt hindurch, sondern mit einer Geschwindigkeit von 12.000 Stundenkilometern in die Atmosphäre hinein. Das letzte Signal der Sonde sei wie erwartet um 13.55 Uhr (MESZ) aufgefangen worden, 83 Minuten nachdem die Sonde es ausgesendet habe, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Der Grund für "Cassinis" Ende ist Treibstoffmangel, der Sonde gehen die Antriebsreserven aus.

294 Mal hat Cassini den Saturn umkreist, Daten und Tausende von Fotos für die ersten Karten vom Saturn geliefert: Schon vor dem großen Finale galt die Mission als Erfolg. Die Raumfahrtorganisationen denken aber schon über die nächste nach: diesmal zu Uranus und Neptun.

Stand: 15.09.2017, 15:09 Uhr